Südwest Presse (Ulm)

Dortmunder Horrorshow

Topspiel Der BVB könnte selbstsich­er zum FC Bayern reisen. Wären da nicht die vergangene­n Auftritte in der Allianz-arena, die für Schwarz-gelb bitter endeten. Von Carsten Muth

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2:2 (0:1) 0:1 Gabriele (37.), 1:1 Bunjaku (50.), 2:1 Wunderlich (83.), 2:2 Donkor (90.). – Zuschauer: 1407. Tabellensp­itze (Spiele/punkte): 1. MSV Duisburg 14/28, 2. Unterhachi­ng 14/27, 3. Hallescher FC 14/25, 4. FC Ingolstadt 14/25, 5. Braunschwe­ig 14/24, 6. Hansa Rostock 14/22, 7. Viktoria Köln 15/21, 8. Magdeburg 14/20, 9. Meppen 14/ 19, 10. Zwickau 14/ 19.

Regionalli­ga Südwest FSV Mainz 05 II – FK Pirmasens 4:4 (2:2) FCA Walldorf – TSV Steinbach 2:4 (1:0) FSV Frankfurt – Hoffenheim II 0:0 Tabellensp­itze (Spiele/punkte): 1. Saarbrücke­n 16/40, 2. TSV Steinbach 17/36, 3. SV Elversberg 16/35, 4. FC Homburg 16/33, 5. FSV Mainz 05 II 17/25, 6. Bayern Alzenau 16/24, 7. Hoffenheim II 17/23, 8. SSV Ulm 1846 16/22, 9. FCA Walldorf 17/22,

Oberliga, 15. Spieltag SV Sandhausen II – Neckarsulm­er SU

TENNIS

U 21, World Tour-finals in Mailand/ Italien, Vorrunde Herreneinz­el, Gruppe A: De Minaur (Australien) – Ruud (Norwegen) 4:1, 4:0, 4:2, Kecmanovic (Serbien) – Fokina (Spanien) 4:1, 4:1, 4:3 (8:6). Tabelle: 1. De Minaur 9:2 Sätze/3:0 Punkte, 2. Kecmanovic 7:3/2:1, 3. Ruud 3:8/ 1:2, 4. Fokina 3:9/0:3. Gruppe B: Tiafoe (USA) – Ymer (Schweden) 4:2, 4:2, 4:2, Humbert (Frankreich) – Sinner (Italien) 4:3 (7:5), 3:4 (3:7), 4:2, 4:2. Tabelle: 1. Sinner 7:4 Sätze/2:1 Punkte, 2. Tiafoe 7:4/2:1, 3. Humbert 5:7/ 1:2, 4. Ymer 3:7/ 1:2.

BASKETBALL

Euroleague, Hauptrunde, 7. Spieltag Fenerbahce Istanbul – FC Bayern 90:82

Bundesliga, 7. Spieltag MBC Weißenfels – Skyliners Frankfurt

WASSERBALL

Champ.- League, Hauptrunde, 4. Sp. Gr. A: Spandau Berlin – Herceg Novi 9:9

EISSCHNELL­LAUF

DM in Inzell Männer, 500 m: 1. Dufter (Inzell) 35,41 Sek.; 2. Ihle (Chemnitz) 35,50; 3. Dombek (München) 35,74. s war eine Demontage ersten Ranges, der Anfang vom Ende aller Titelho - nungen. Mit 0:5 verlor Borussia Dortmund im April beim FC Bayern. Der BVB erholte sich im weiteren Verlauf der Saison von dieser Niederlage nicht mehr. Deutscher Meister 2019 wurde – mal wieder – der große Konkurrent aus München. Am Samstag (18.30 Uhr/sky) gastieren die Schwarz-gelben erneut in der Allianz-arena. Neue Saison, neues Glück? Das Stadion ist mit 70 000 Zuschauern ausverkauf­t. Das Topduell zwischen den erfolgreic­hsten deutschen Klubs der vergangene­n Jahre wird in mehr als 100 Ländern übertragen.

Der BVB könnte angesichts der jüngste Erfolge – vor allem des furiosen 3:2 in der Champions League gegen Inter Mailand am Mittwoch – voller Zuversicht zu den Bayern fahren. Wären da nicht die schmerzlic­hen Erinnerung­en an die vergangene­n Auftritte in der bayerische­n Landeshaup­tstadt. Im April gab es besagte 0:5-Klatsche, die Duelle davor gingen ebenfalls mächtig in die Hose: 1:5, 0:6, 1:4 hieß es aus Sicht der Westfalen, die, wen wundert’s, eine weitere Pleite nach Möglichkei­t verhindern wollen.

Man habe in den vergangene­n Jahren bei den Bayern „ordentlich auf die Nuss gekriegt“, wie Bvb-geschäftsf­ührer Hans-joa

Echim Watzke sagt. „Eine Horrorbila­nz“, findet Sportdirek­tor Michael Zorc. Am Samstag muss sich der BVB anders präsentier­en, „Männerfußb­all“spielen, fordert er, ohne genau zu sagen, was das nun eigentlich ist, Männerfußb­all. Die Einstellun­g müsse stimmen. Die Taktik? Sei zweitrangi­g. Denn: „Wir müssen Kerle sein.“

Unklar ist mal wieder der Einsatz von Dortmunds Kapitän Marco Reus, der sich mit Sprungge

Lucien Favre Trainer Borussia Dortmund

lenksprobl­emen herumplagt. Ob Tempodribb­ler Jadon Sancho dabei sein kann, ist ebenfalls unklar. Der stille Bvb-coach Lucien Favre, der nach dem Sieg gegen Mailand gelöst wie lange nicht mehr wirkte, spricht sich und den Seinen Mut zu. Er betont: „Wir respektier­en Bayern. Aber wir haben keine Angst vor Bayern.“

Mats Hummels kehrt am Samstag mit Dortmund zu den Bayern zurück. Beim Aufeinande­rtre en im April stand der Abwehrspie­ler noch auf der anderen Seite, erzielte beim 5:0 sogar das Führungsto­r. Er findet: „Da hat der BVB nicht dagegengeh­alten.

Bei den Münchnern ist nach dem krachenden 1:5 bei Eintracht Frankfurt und der darauf folgenden Entlassung von Trainer Niko Kovac etwas Ruhe eingekehrt. Die Bayern haben ihre ChampionsL­eague-pflichtauf­gabe unter der Woche gegen Piräus zwar nicht sonderlich glanzvoll, aber dennoch letztlich souverän gemeistert.

Wie lange Interimsco­ach Hansi Flick, ebenfalls ein eher stiller Vertreter seines Fachs, nun das Team betreuen darf, wann die Bayern einen Kovac-nachfolger präsentier­en, ist o en. „Das Spiel gegen Dortmund ist die Ziellinie. Da wollen wir durchgehen mit einem Sieg. Das ist das, was mich antreibt“, sagt Flick. Was danach kommt, werde ausgeblend­et. „Der FC Bayern wird seine Entscheidu­ng tre en“, betont der 54 Jahre alte frühere Assistent von Bundestrai­ner Joachim Löw.

Flick machte klar, dass es nun vor allem um Ergebnisse, sprich Siege geht. Der „schöne Fußball“, an dem man in München gewöhnt sei, müsse da mitunter hintenan stehen. Der Interimsco­ach ließ o en, welche Formation er für das Topspiel wählt – ob also die Kreativkrä­fte Thiago und Coutinho wie schon gegen Piräus auch gegen Dortmund nur auf der Bank sitzen, Joshua Kimmich auf der Sechs im zentralen Mittelfeld und Thomas Müller in der O ensive den Vorzug erhalten.

Für den BVB stellt sich die Frage, wer denn bitteschön Top-torjäger Robert Lewandowsk­i stoppen soll, neben Torwart Manuel Neuer der einzige Münchner, der in den vergangene­n Wochen starke Leistungen gezeigt hat. Der Pole hat an jedem der ersten zehn Spieltage dieser Saison getro en. Und gegen seinen Ex-klub Dortmund tri t der inzwischen 31-Jährige besonders gerne – zehn Mal in den letzten fünf Duellen. ede Woche, nein, sogar täglich poppen in der Sportwelt Nachrichte­n über verletzung­sbedingte oder gesundheit­liche Ausfälle auf. Im Profisport ist es alltäglich, sich die Bänder zu reißen oder wegen einer Grippe zu pausieren. Wegen psychische­r Probleme wagt jedoch kaum ein Fußballer, Leichtathl­et oder Formel-1-fahrer einen Wettbewerb auszulasse­n. Zumindest offiziell. Denn die Häufigkeit von Depression­en im Sport ist nachweisli­ch nicht geringer als in der sonstigen Gesellscha­ft, im Gegenteil: Internatio­nale Studien weisen darauf hin, dass jeder fünfte bis sechste Profifußba­ller zeitweise unter Symptomen von Angststöru­ngen oder Depression­en gelitten hat. Es spricht nur nach wie vor kaum einer darüber, ein paar Einzelfäll­e mal ausgenomme­n. Die Dunkelzi er ist auch zehn Jahre nach dem Suizid von Fußballpro­fi Robert Enke noch zu hoch.

Gerade in Mannschaft­ssportarte­n ist die Angst berechtigt, gebranntma­rkt zu werden und nach einer psychiatri­schen Behandlung den Weg zurück ins Team nicht mehr zu finden. Denn viele verwechsel­n diese Krankheit, die häufig genetisch bedingt oder auf biochemisc­he Veränderun­gen im Gehirn zurückzufü­hren ist, mit einer Schwäche. Dabei ist Depression genauso wie ein Kreuzbandr­iss behandelba­r – mit guten Erfolgsaus­sichten. Darüber gilt es verstärkt aufzukläre­n, damit eines der großen Tabus im Sport endlich aufgebroch­en wird.

JWir respektier­en Bayern. Aber wir haben keine Angst vor Bayern.

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