Südwest Presse (Ulm)

Bildung als Schlüssel zur Freiheit Große Worte

Karen Köhler stand einst am Theater Ulm auf der Bühne. Nun stellt sie dort ihren Debütroman „Miroloi“vor.

-

Es war in Ulm, wo sich für Karen Köhler ein neuer Weg abzeichnet­e. 2006 kam die Hamburgeri­n ans Theater Ulm, war Mitglied im Schauspiel-ensemble, und damals probierte sie sich erstmals im Schreiben aus. Schließlic­h entschied sie sich, ein Leben als freie Autorin zu wagen – nun stellte sie auf Einladung der Buchhandlu­ng Aegis ihren Roman „Miroloi“(Hanser) im Foyer des Theaters Ulm vor. Mit dem hat sie es in diesem Jahr auf die Longlist des Deutschen Buchpreise­s geschafft.

Am Anfang stand ein Geschenk für ihre Nichte: eine Kurzgeschi­chte. Andreas von Studnitz, damals gerade in Ulm Intendant geworden, ermutigte sie, daraus ein Kinderstüc­k zu machen. Karen Köhler empfand das als Befreiung, war sie davor doch „den Figuren eines anderen Schreibers ausgeliefe­rt“. Das Stück „Kiki, das Huhn“wurde am Theater Ulm uraufgefüh­rt, „seitdem liegt es unter Verschluss“, erzählte die Autorin lachend.

Aber sie schrieb weitere Stücke, für Kinder, Jugendlich­e, dann für Erwachsene, versuchte sich an Prosa-miniaturen. Sie gewann einen ersten Preis, aus den Miniaturen wurden Kurzgeschi­chten, aus den Geschichte­n der gefeierte Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“(2014).

Und nun der erste Roman, „Miroloi“, „ein sehr kluges, spannendes Buch“, wie Buchhändle­r Rasmus Schöll lobte, der den gut besuchten Abend moderierte. Es ist die packende, berührende Geschichte der Selbstbefr­eiung einer jungen Frau, die als Ausgestoße­ne in einem archaische­n Dorf auf einer Insel lebt. Und Karen Köhler erzählt diese Geschichte – ein Klagelied in 128 Strophen – in einer Sprache von wunderbare­r Eigenart. Diese eigene Melodie, diesen eigenen Tonfall erweckte sie in ihrem Vortrag völlig zum Leben – eben doch auch eine Schauspiel­erin. Sie gab einen Einblick in ihren Schreibpro­zess mit all den Zweifeln und eruptiven Phasen und hatte eine starke abschließe­nde Botschaft: „Bildung kann der Schlüssel zur Freiheit sein.“

 ??  ?? Karen Köhler an ihrer früheren Wirkungsst­ätte: im Theater Ulm.
Foto: Magdi Aboul-kheir
Karen Köhler an ihrer früheren Wirkungsst­ätte: im Theater Ulm. Foto: Magdi Aboul-kheir

Newspapers in German

Newspapers from Germany