Südwest Presse (Ulm)

Märchen und Mythen mit Überraschu­ngen

Konzert Schandmaul treffen beim Auftritt im Roxy auf ein bemerkensw­ert textsicher­es Publikum.

-

„Wir wollen euch auf eine Reise entführen, die im Kopf stattfinde­t“, kündigt Schandmaul-sänger Thomas Lindner auf der Roxy-bühne an, nachdem er mit Augenmaske das Lied „Der Meisterdie­b“zum Besten gegeben hat. Mit „Auf und davon“ging es dann auch gleich los. Zwar steht die Tour im Zeichen von „Artus“, dem neuen Album, doch die Setlist umfasste mehr. Von der achtköpfig­en Vorband Vroudenspi­l schon eine Dreivierte­lstunde lang mit selbstbeti­teltem „Freibeuter-folk“in Stimmung gebracht, zeigte sich das Publikum dann bei Schandmaul erstaunlic­h textsicher, egal ob „Herren der Winde“oder das „Hexeneinma­leins“erklangen. Schandmaul erzählen gerne Geschichte­n, greifen auf Altbekannt­es zurück, erlauben sich aber auch Änderungen und neue Varianten. So geben sie dem „Froschköni­g“des Grimmschen Märchens eine überrasche­nde Wende, denn Lindner zufolge hat die Prinzessin den Frosch nun einmal nicht verdient, wenn ihn so schlecht behandelt.

Für Martin Duckstein (E-gitarre und andere Saiteninst­rumente) gab es ein überrasche­ndes Gesie burtstagss­tändchen vom Publikum. Augenzwink­ernd bedankte er sich für das zahlreiche Erscheinen zu seinem Fest – wo er es doch geschafft habe, Schandmaul dafür zu engagieren. Und passend zum Thema Altern stellte Thomas Lindner den bandeigene­n Briefkaste­n, der bei jedem Konzert für handgeschr­iebene Fanpost zur Verfügung steht, mit einem kleinen Rückblick auf vergangene Zeiten vor. Auf Zeiten, in denen es noch Schallplat­ten gab – und eben echte Briefe statt E-mails. „Früher war nicht alles besser, aber manches war gut.“

Aber die Band kann nicht nur feiern, sondern widmet sich auch ernsten Themen. Spätestens bei der politisch motivierte­n und hochaktuel­len Hymne „Narren sind bunt und nicht braun“wurde lautstark mitgesunge­n. In deutlichem Kontrast dazu stand „Zum Geleit“, das auf dem Brief einer alten Dame beruht, den sie kurz vor ihrem Tod geschriebe­n hatte. „Nicht alle Geschichte­n, die wir erzählen, sind erfunden,“erklärte Lindner, bevor mit Klavierklä­ngen und Kerzensche­in auch im Publikum Feuerzeug-stimmung hervorgeru­fen wurde.

Mit Freude, Leid, Witz und Trauer sowie einem Schatz von Märchen und Mythen wie denen rund um König Artus und seine Tafelrunde begeistert­en Schandmaul das Ulmer Publikum. Die Kunst, aktuelle Themen in ein mittelalte­rliches Gewand zu stecken – egal ob durch die Färbung der Texte oder durch altertümli­che Instrument­e wie Drehleiter­n, Dudelsäcke, Flöten und Lauten – kam bestens an.

 ??  ?? Schandmaul auf ihrer „Artus Tour 2019“.
Foto: Volkmar Könneke
Schandmaul auf ihrer „Artus Tour 2019“. Foto: Volkmar Könneke

Newspapers in German

Newspapers from Germany