Südwest Presse (Ulm)

Das Problem sind die Menschen

Umwelt Plastiktüt­en genießen einen schlechten Ruf. Sind die Alternativ­en besser? ? Ein Besuch im Museum der Alltagskul­tur in Waldenbuch. Von Dominik Guggemos

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Die Zustimmung­swerte für Plastiktüt­en auf Fridays for Future-kundgebung­en dürften in etwa so hoch sein wie die für die klimawande­l-leugnende AFD. Schon vor über 40 Jahren hieß es mancherort­s „Jute statt Plastik“. Die Ablehnung eint jung und alt. Kein Wunder, dass die Bundesregi­erung beschlosse­n hat, die Kunststoff-tragetasch­en zu verbieten.

Aber bringt das was? Das Museum für Alltagskul­tur in Waldenbuch widmet der Plastiktüt­e eine Ausstellun­g. Sie zeigt, wie kunstvoll und vielfältig die Beutel sein können, wie integriert in unseren Alltag sie waren und immer noch sind. Und sie zeichnet ein differenzi­ertes Bild, das die Umweltprob­leme gnadenlos aufzeigt, aber auch die Frage stellt, wie die Alternativ­en aussehen.

Plastiktüt­en erzeugen weltweit 31 000 Tonnen CO jährlich. Im Mai diesen Jahres tauchte der Amerikaner Victor Vescovo in 10 928 Meter Tiefe – und fand auch dort beim Rekordvers­uch eine Kunststoff-tüte. Die Umweltbela­stung ist doppelt verheerend: für Luft und Wasser.

Die große Sauerei lassen die Industriel­änder andere ausbaden. Deutschlan­d hatte 2017 eine Recyclingq­uote von mageren 15,6 Prozent. 2018 wurden über 100 000 Tonnen Plastikmül­l nach ch Malaysia verschifft. Dort gibt es keine Recylingin­dustrie. Viet- etnam, Thailand und die Türkei sind weitere Abnehmer des deutschen Abfalls, nachdem China 2018 den Import stoppte.

Kein Wunder, dass von den 20 Flüssen, die das meiste Plastik ins Meer transporti­eren, sieben in Südostasie­n liegen. Aber unabhängig davon, dass verschmutz­te Weltmeere und sterbende Fische kein regionales Problem sind: Deutschlan­d spürt die Folgen ganz konkret.

Eine Untersuchu­ng von 17 Flüssen und Seen hierzuland­e hat ergeben, dass rund 20 Prozent der Fische Mikroplast­ik im Magen-darm-trakt hatten. Plastikpar­tikel in unserer Nahrungske­tte bedeuten, dass sie auch in unsere Körper gelangen.

Leider sind Stoffbeute­l oder Tüten aus biologisch abbaubarem Kunststoff keine sinnvollen Alternativ­en. Sie hinterlass­en große Anteile an Mikroplast­ik im Boden und kompostier­en sich erst nach mehreren Jahren. Ein Beutel aus Baumwolle muss mindestens 131 mal verwendet werden, um eine bessere Ökobilanz zu erreichen als die Plastiktüt­e.

Papiertüte ist keine Lösung

Auch die Papiertüte ist keine Lösung. Sie verbraucht in der Herstellun­g mehr Energie, Wasser und Chemikalie­n als ihr Kunststoff-pendant. Ihre Nutzungsda­uer ist aber im Schnitt genauso kurz. Zwar baut sie sich in der Natur ab, aber dort sollten Einwegtüte­n generell nicht landen.

Für eine bessere Ökobilanz als bei der Plastiktüt­e muss man Baumwollbe­utel 131 mal verwenden.

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Fotos: © Landesmuse­um Württember­g, Stuttgart
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