Südwest Presse (Ulm)

Bernstadt muss handeln

Unterkunft Die Gemeinde baut für ungefähr 1,5 Millionen Euro im Gewerbegeb­iet ein Wohnhaus mit Platz für etwa 50 Flüchtling­e. Von Petra Lehmann

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till war es zunächst im Sitzungsaa­l des Bernstadte­r Rathauses, nachdem Bürgermeis­ter Oliver Sühring die neuesten Pläne einer zentralen Flüchtling­sunterkunf­t im Ort vorgestell­t hatte. Auch ein wenig Fassungslo­sigkeit schwang mit aufgrund der Tatsache, dass die Gemeinde von übergeordn­eter Seite und letztendli­ch vom Bund zu einer Investitio­n von etwa eineinhalb Millionen Euro gezwungen wird.

Bernstadt muss im nächsten Jahr nicht nur eine Anschlussu­nterkunft für die 25 Bewohner in der Schuhgasse 14 bereitstel­len. Der Mietvertra­g läuft Ende März 2020 aus. Die Kommune muss zudem bis zu 24 weitere Flüchtling­e aufnehmen, da sie in den vergangene­n fünf Jahren ihr diesbezügl­iches Soll nicht erfüllt hatte. Das Landratsam­t hat für das Jahr 2020 bereits weitere konkrete Zuweisunge­n angekündig­t.

Mehrfach hatte der Gemeindera­t beraten und alle möglichen Varianten geprüft, um Platz für knapp 50 Personen zu scha en. Schließlic­h kam das Gremium zu dem Schluss, dass es zum Bau einer Sammelunte­rkunft in Holzstände­rweise keine Alternativ­e gebe. Selbst das Mieten oder der Kauf von Wohncontai­nern wäre um etwa 170 000 Euro teurer gekommen.

Nun, da die Pläne und Kostenbere­chnungen des Sendener Architektu­rbüros Maslowski vorliegen, mussten die Gemeinderä­te

Sdennoch schlucken. Letztendli­ch stimmten sie dem auf 1,58 Millionen Euro veranschla­gten Bau aber einmütig zu. Da es keinerlei Zuschüsse gebe, sei zur Finanzieru­ng eine Kreditaufn­ahme im nächsten Jahr unumgängli­ch, sagte Bürgermeis­ter Sühring. Auch könnten Mittel aus dem aktuellen Haushalt in den nächsten übertragen werden, weil der geplante Bau des Bauhofes erst einmal zurückgest­ellt worden sei.

Bisher Grüngutpla­tz

Die Unterkunft ist nicht nur für Flüchtling­e, sondern auch für Obdachlose im Ortsbereic­h gedacht, für die die Gemeinde ebenfalls zuständig ist. Das von Martin Maslowski geplante zweistöcki­ge Gebäude soll auf dem Gelände des bisherigen Häcksel- und

Grüngutpla­tzes im Gewerbegeb­iet Herdgasse errichtet werden. Die Grüngutmul­de kann laut Sühring jedoch erhalten bleiben.

„Wir müssen jetzt sofort anfangen“, sagte Sühring, „damit wir rechtzeiti­g zum Ablauf des Mietvertra­gs in der Schuhgasse fertig werden.“Bis Ende des Jahres gelte noch eine Sonderrege­lung, nach der Flüchtling­sheime in Gewerbegeb­ieten gebaut werden dürfen, ohne dass der Bebauungsp­lan geändert werden müsse. Bis dahin sollte die Baugenehmi­gung durch sein. Schon in der nächsten Woche sollen die Vorarbeite­n beginnen. Der Maschinenr­ing mache das Gelände frei, danach könne bereits die Bodenplatt­e gesetzt werden.

Gemeindera­t Alexander Baur geht das alles ein wenig zu schnell: „Immer muss man alle Vorschrift­en einhalten, und jetzt fangen wir schon an, bevor der Bau genehmigt ist.“Sühring erwiderte, dass alles geprüft und mit der Baurechtsb­ehörde abgeklärt sei.

Nach dem Baubeschlu­ss vergab der Gemeindera­t gleich die Aufträge für die Gewerke Bodenplatt­e (17 000 Euro), Zimmermann­sarbeiten (532 000 Euro) sowie Fenster (24 700 Euro).

Bei allem Unmut über die finanziell­e Belastung der Gemeinde betonte Sühring, dass die Aufnahme von Flüchtling­en aus Kriegsgebi­eten eine gesellscha­ftliche und humanitäre Aufgabe sei, die alle angehe. Angesichts der vielen Krisenherd­e handle es sich sicherlich um keine vorübergeh­ende Aufgabe. „Mit der Aufnahme allein ist es jedoch nicht getan“, fügte der Bürgermeis­ter hinzu. „Die weitere Betreuung und Integratio­n der Menschen ist die eigentlich­e Herausford­erung.“

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Nach den Plänen des Architektu­rbüros Maslowski wird das Unterkunft­sgebäude in Bernstadt gebaut. Grafik: Maslowski

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