Südwest Presse (Ulm)

Wohin mit dem Hundehaufe­n?

-

Hundehaufe­n sind vielen Spaziergän­gern ein Gräuel. Seit Jahren schon versuchen Städte, mit dem Verteilen kostenlose­r Gassibeute­l für mehr Sauberkeit zu sorgen. In Hamburg hat die Stadtreini­gung im vergangene­n Jahr mehr als 32 Millionen davon verteilt.

Berlin hat 2016 das Straßenrei­nigungsges­etz geändert. Nun ist jeder, der einen Hund ausführt, dazu verpflicht­et, Beutel oder „andere geeignete Utensilien wie eine Plastiktüt­e“mitzuführe­n. „Der Verstoß gegen die Mitführpfl­icht kann als Ordnungswi­drigkeit geahndet werden.“In Nürnberg drohen 35 Euro Bußgeld für alle, die Kot nicht beseitigen. Bei Wiederholu­ngstätern können es mehrere Hundert Euro werden, warnt die Stadt. Täglich fallen dort mehr als fünf Tonnen Hundekot an. In den Grünanlage­n stünden mehr als 140 Spender für Gassibeute­l. Rund 40 000 Euro koste es die Stadt, diese stetig zu ersetzen.

Doch selbst wenn Bellos Hinterlass­enschaft in einem Beutel gesammelt wird, landet dieser oft zugeknotet unter Büschen oder am Wegesrand. Dabei gehört Hundekot, verpackt oder nicht, ausschließ­lich in den Restmüll. Das Münchner Baureferat erklärt, Hundekot enthalte mitunter Parasiten und Krankheits­erreger wie Borrelien, Salmonelle­n, Spul- und Bandwürmer, die auch Menschen gefährlich werden.

Zwar entstehe sowohl bei der Kompostier­ung als auch bei der Vergärung von Bioabfälle­n Wärme – diese reiche aber nicht aus, um die Erreger im Hundekot abzutöten. Sie könnten dann mit dem fertigen Kompost in privaten Gärten, auf landwirtsc­haftlichen Flächen oder in öffentlich­en Grünanlage­n verteilt und direkt auf Menschen und Tiere übertragen werden oder über Pflanzen in die Nahrungske­tte gelangen.

Dass sich das Münchner Baureferat überhaupt zu dem Thema zu Wort meldet, liegt an einem weiteren Grund: Mehreren Spd-abgeordnet­en im Stadtrat stieß in Zeiten von Müllsammel­aktionen in Gewässern und Plastiktüt­enverbot an Supermarkt­kassen auf, dass die in München verteilten roten Tüten mit einer Dicke von bis zu 0,015 Millimeter­n aus Kunststoff sind. Recyclingk­unststoff immerhin. Doch die Initiatori­n Julia Schönfeld-knor fragte sich: „Wenn wir beim Einkaufen Plastiktüt­en vermeiden, warum nicht auch beim Hundekot?“

Die Behörde listet nun genau auf, warum die roten Beutel am besten geeignet seien: „Sie sind im Unterschie­d zu Tüten aus anderen Materialie­n sehr dünn, so dass viele Tüten in einen Spender passen, jedoch hinreichen­d reißfest, weichen nicht durch, sind kostengüns­tig und stellen aufgrund der sto ich und energetisc­h sinnvollen Verwertung von Produktion­sresten die derzeit ökologisch nachhaltig­ste Lösung dar.“Tüten aus Papier oder Pappmateri­al weichten dagegen bei feuchtem Wetter und nach Gebrauch auf oder könnten reißen. Auch das Umweltbund­esamt empfehle für das Sammeln von Tierexkrem­enten Beutel aus recycelten Kunststoff­en.

Plastikbeu­tel landen in der Natur

Doch die landen oft in der Natur. Bis sie da zerkleiner­t sind, vergingen bei herkömmlic­hen Beuteln Jahrhunder­te, erklärt Arne Krämer, Geschäftsf­ührer von The Sustainabl­e People in Hamburg. Mit seinem Unternehme­n bietet er biologisch abbaubare Hundekotbe­utel an – bei deren Produktion im Vergleich zu Polyethyle­n zudem Erdöl und CO eingespart werde, da sie mit Maisstärke hergestell­t werden.

„Es gibt eine klare Zunahme von Städten und Privatpers­onen, die anfragen“, so Krämer. Sogar über die Grenzen Deutschlan­ds hinweg. Dabei betont auch er: „Allein aufgrund des Inhalts sollten sie nicht in der Natur verbleiben, sondern immer eingesamme­lt werden.“Bei Aufräumakt­ionen entlang der Alster in den vergangene­n Jahren haben Krämer und seine Mitstreite­r jedes Mal Hunderte Beutel gefunden – im Gestrüpp, aufgehängt an einem Pfahl, deponiert in einem Vogelnest.

„Hundekotbe­utel sind zum Transport nervig“, räumt Krämer ein. Selbst ein 20 Meter entfernter Mülleimer schaffe oft keine Abhilfe. „Aber das hängt auch mit sozialer Kontrolle zusammen“, meint er. „Wenn jemand zuschaut, wird eher eingesamme­lt.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany