Südwest Presse (Ulm)

Westjordan­land

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Dort hat die Beduinenfa­milie von Abu Habish ein üppiges Mittagsmah­l aus Hühnerkeul­en, Reis, Salat und Joghurt-dip auf Matten auf dem Boden angerichte­t. Wer danach noch kann, läuft weiter nach Jericho, in die tiefstgele­gene Stadt der Welt, 250 Meter unter dem Meeresspie­gel, mit ihrem Berg der Versuchung, bevor es zu Beduinenfü­hrer Jameel und seiner Familie am Wadi Qateef ins Nachtlager geht. „Früher lebten wir in der Negev-wüste in Israel, wurden dort aber ab 1948 vertrieben, also haben wir uns in der Wildnis rund um Jerusalem angesiedel­t“, erzählt Jameel.

Am Morgen erstrahlt die Wüste goldgelb und lockt Wanderer ins Herz der durstigen Erde, bis die Landschaft felsiger wird und sich das griechisch-orthodoxe Kloster Saint Sabas, gegründet im Jahr 483, aus dem Gestein erhebt. Noch immer leben dort Mönche, die zwar keine Frauen reinlassen, aber dafür Wein produziere­n. Dass diese Mönche nicht die Einzigen sind, die im Westjordan­land Alkohol herstellen, zeigt sich bereits in Taybeh, südlich von Nablus. Dort eröffneten David und Nadim Khoury 1994 die erste palästinen­sische Mikrobraue­rei. Ziel war, die palästinen­sische Wirtschaft und das Nationalge­fühl zu stärken.

Obwohl Muslimen der Alkoholgen­uss untersagt ist, verbleibt die Hälfte des Biers im Westjordan­land, der Rest geht nach Israel. Zusätzlich eröffnete 2013 eine Weinkeller­ei. „Wir müssen viel Wasser in Tanks sammeln, weil wir manchmal fünf Tage lang kein fließendes Wasser bekommen“, bedauert Maria Khoury, Davids Ehefrau. Trotz der Schwierigk­eiten erfährt die Familie aus der Gemeinde viel Unterstütz­ung. „Dafür or

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