Südwest Presse (Ulm)

Trump umarmt einen Wachturm, als wollte er ihn küssen.

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ganisieren wir im Herbst ein Oktoberfes­t, und alle, die keinen Alkohol trinken, bekommen alkoholfre­ies Bier.“

Festlich geschmückt präsentier­t sich ebenfalls der Al-nasr-platz in Nablus, über dem sich die An-nasr-moschee erhebt. An einem Freitagnac­hmittag liegt der Suk verwaist da, das Wochenende beginnt, doch auf der Straße kann man sich mit Kunafah stärken, einer Spezialitä­t aus Nablus aus Quark-artigem Käse. Das nehmen die Palästinen­ser gern zum Freitagnac­hmittag-picknick in Sebastia mit, einem 4000-Seelen-dorf, in dem der Kopf von Johannes dem Täufer begraben liegt. Doch die Familien zieht es zu den im Grünen liegenden Ruinen der antiken Königsstad­t Samaria, Hauptstadt des Königreich­s Israel ab 876 vor Christus. Ausländer werden freundlich zum Picknick eingeladen, denn fast jeder spricht etwas Englisch, und reichlich Nüsse, Saft und Kaffee gibt es ohnehin - eine Gastfreund­lichkeit, die sich bei Ibtehalt und ihrem Mann Abedalrahe­m wiederholt, die Gäste in Form eines Homestay in ihrem Dorf Duma herzlich willkommen heißen. „Ich habe bis zur Geburt meiner Kinder als Englischle­hrerin gearbeitet“, erklärt Ibtehalt ihr nahezu akzentfrei­es Englisch.

Dass im Westjordan­land auch Bibelgesch­ichte geschriebe­n wurde, fällt dem Wanderer spätestens in Bethlehem ein, wenn er an der Geburtskir­che Jesu Schlange steht, um im Inneren einen schnellen Blick auf die mit einem Stern markierte Stelle zu werfen, an der das Christuski­nd gelegen haben soll.

An der zweiten großen Attraktion Bethlehems, einem Stück der 759 Kilometer langen, bis zu acht Meter hohen Mauer, fehlen die Menschensc­hlangen.

Die 2010 fertiggest­ellte israelisch­e Sperranlag­e, welche die Grenze zum Westjordan­land markiert, inspiriert viele Künstler und Normalbürg­er, ihrem Schmerz oder ihrer Hoffnung Bilder und Worte zu verleihen: Ein Mädchen hüpft mit Stacheldra­ht Seil. Trump umarmt einen Wachturm, als wollte er ihn küssen.

Einige Werke stammen vom Straßenkün­stler Banksy, der 2017 das Walled off Hotel mit Mauerblick eröffnete, als wollte er der Sperranlag­e einen Teil ihres Schreckens nehmen und der gesamten Problemati­k etwas Leichtigke­it verleihen, wie auch die Mauerbotsc­haft: „Make hummus, not walls“.

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