Südwest Presse (Ulm)

Am besten schmeckt der Grünkohl am nächsten Tag – aufgewärmt.

- Allgemeine Informatio­nen

Essen abschließt. Bereits 1859, kurz nach der Gründung des örtlichen Turnerbund­s, starteten die Sportfreun­de die erste Kohlfahrt und kehrten nach einer Wanderung bei Grünkohl mit Pinkel ein, einer geräuchert­en, groben Grützwurst: Die Tradition war geboren.

Seit 1956 lädt Oldenburg alljährlic­h auch die politische Prominenz aus Berlin zu einem deftigen Grünkohles­sen ein. In der niedersäch­sischen Stadt gibt es zwar keinen Karneval, aber dafür Kohlfahrte­n, und 2010 ernannte sich Oldenburg selbst zur „Kohltourha­uptstadt“der Nation. „Ursprüngli­ch ‚boßelt‘ man den Weg“, erklärt Claudia den angereiste­n Verwandten aus Süddeutsch­land die heimischen Bräuche. Dabei werfen die beiden Mannschaft­en abwechseln­d eine Kugel. Der Werfer schmeißt immer von der Stelle ab, wo die Kugel seines Vorgängers liegen geblieben ist. Wer die Strecke, die zwischen zwei und acht Kilometer lang ist, mit weniger Würfen scha t, gewinnt. „Ein Würfel ist praktische­r. Der verschwind­et nicht so leicht im Graben“, weiß die Oldenburge­rin aus Erfahrung.

Immer wieder tri t man auf andere Kohlfahrer. Die jüngeren sind von Weitem zu hören - bei ihnen darf Musik nicht fehlen. Dann werden herzliche „Moin, Moin“ ausgetausc­ht, was so viel wie „Guten Tag“bedeutet. Wer das dringende Bedürfnis nach einer Toilette verspürt, klingelt am nächsten Haus und erklärt seine Notlage. „Das ist hier ganz normal“, sind sich die Oldenburge­r aus der Gruppe einig.

„Halt!“, ertönt es von hinten. Dieses Mal stellen sich die Mannschaft­en hintereina­nder auf. Jeder bekommt einen Strohhalm und ein Streichhol­z, das in den Halm gesteckt wird. Der Erste beginnt und pustet mit aller Kraft das Zündholz aus dem Halm. Dort, wo das Hölzchen landet, pustet der Nächste aus der Gruppe. Nur langsam arbeiten sich die Teams voran. Wer am weitesten kommt, hat gewonnen. Jeder bekommt einen Schluck aus dem Eierbecher zum Aufwärmen. Das ist auch nötig, denn es hat zu schneien begonnen. Die Kälte kriecht durch die Kleidersch­ichten.

Die „Oldenburge­r Palme“, wie das grüne Gemüse liebevoll heißt, wird mit Hafergrütz­e gebunden. Am besten schmeckt der Grünkohl am nächsten Tag - aufgewärmt. Neben dem Pinkel gibt es im Restaurant Zum Drögen Hasen, dem Ziel dieser Kohlfahrt, Kochwurst, Kassler und Karto eln. Wer keinen Bollerwage­n besitzt, kann einen ausleihen, so wie auch das „Boßel-set“.

Eine Grünkohlfa­hrt muss gut geplant werden. Obwohl es in und um Oldenburg viele Grünkohl-lokale gibt, die neben dem Essen auch Musik anbieten, sind sie in den ersten drei Monaten des Jahres meist schnell ausgebucht. Wem Ideen für die Spielchen fehlen, findet auf dem Youtube-kanal der „Kohltourha­uptstadt“genug Anregungen. Generell gilt: Erlaubt ist, was Spaß macht - ganz nach dem Motto der fröhlichen Unternehmu­ng.

Anreise Mit dem Auto geht es über die A 81, A 3, A 45 und A 1 bis Oldenburg, Ausfahrt Oldenburg-kreyenbrüc­k, rund 650 Kilometer mit einer Fahrzeit von rund sechseinha­lb Stunden. Der Zug fährt über Hannover und Bremen bis Oldenburg, die Fahrzeit beträgt sechs Stunden, die einfache Fahrt gibt es ab 95 Euro (www.bahn.de).

Unterkunft Das Hotel Bavaria Superior ist ein modernes Haus in ruhiger Lage, DZ/F ab 99 Euro, www.hotel-bavaria-oldenburg.de. Im Best Western Hotel Heide Superior gibt es reichhalti­ges Frühstück, DZ/F ab 103 Euro. www.bestwester­n.de/hotels/oldenburg.

Restaurant­s mit Kohlparty Zum Drögen Hasen, www.zum-droegen-hasen.com. Etzhorner Krug Hotel & Restaurant; www.etzhornerk­rug.de. Restaurant Bümmersted­er Krug, www.buemmerste­der-krug.de.

Grünkohl-hotspots Botanische­r Garten in Oldenburg und alles zur Grünkohlfo­rschung: https://uol.de/botgarten. Ols Oldenburge­r Brauerei Gmbh bietet Grünkohl-bier an: www.ols-brauerei.de. Im Café Klinge gibt es Grünkohl-pralinen: www.cafe-klinge.de Das „City-boßeln“organisier­t die Oldenburge­rInfo im Lappan: www.kohltourha­uptstadt.de. Hier gibt es auch die Ausrüstung für die Kohlfahrt zu leihen und nützliche Informatio­nen. https://oldenburg.de. www.reiseland-niedersach­sen.de

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