Südwest Presse (Ulm)

Symbol der Siegreiche­n

Lorbeer Der immergrüne Strauch macht als Formschnit­tgehölz eine gute Figur. Seine Blätter bereichern viele Gerichte mit ihrem würzigen Aroma. Von Helga Schneller

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Wer sich gerne mit fremden Lorbeeren schmückt, zählt nicht gerade zu den ehrlichen und fairen Zeitgenoss­en. Ganz anders als derjenige, welcher sich mit einer besonders guten Leistung oder Geisteshal­tung die Lorbeeren ehrlich verdient hat. Umso besser, wenn sich der Erfolgreic­he dann auch noch auf seinen Lorbeeren ausruhen kann. All diese Redewendun­gen rund um das immergrüne Gewächs zeigen: Lorbeer ist eine besondere Pflanze, ein Attribut der Sieger.

Bereits in der Antike galt der aus dem östlichen Mittelmeer­gebiet stammende Baum als heilig. Dem Lichtgott Apollo geweiht, sollte Lorbeer den Geist öffnen. So wundert es nicht, dass Dichter, Gelehrte und Philosophe­n auf alten Darstellun­gen oft von Lorbeerzwe­igen flankiert werden. Der Siegerkran­z aus geflochten­em Lorbeer wurde verdienten römischen Feldherren oder den besten unter den Sportlern aufs Haupt gesetzt.

Heutzutage erfreut sich der mediterran­e Strauch als Kübelpflan­ze und als Küchengewü­rz großer Beliebthei­t. Im Kübel macht Lorbeer (Laurus nobilis) immer eine gute Figur. Er lässt sich willig frisieren und in Form bringen. Als adrette Kugel, als Kegel oder Hochstämmc­hen verschöner­t er mit seinem dichten, dunkelgrün glänzenden und leicht gewellten Blattwerk Hauseingän­ge, Balkon oder Terrasse. In früheren Zeiten galt ein Lorbeerbäu­mchen vor der Tür als probates Mittel, um ungebetene Geister und Besucher fernzuhalt­en.

Wer die Pflanze als Formschnit­tgehölz erziehen möchte, sollte die Schere im Spätwinter ansetzen, kurz vor dem neuen Austrieb. Junge, zwei- bis fün ährige Pflanzen sind für die Erziehung am besten geeignet. Angeschnit­tene Blätter verbräunen zwar an den Schnittste­llen, doch die neuen Triebe überdecken bald einen Teil. Aus den abgeschnit­tenen Triebspitz­en lassen sich leicht Stecklinge gewinnen. In Anzuchterd­e gesteckt und luftfeucht unter einer Plastikhau­be gehalten, bewurzeln sie meist innerhalb von vier Wochen.

Er wächst eher langsam

Regelmäßig getrimmte Lorbeerpfl­anzen kommen nicht zur Blüte. Ungeschnit­ten wächst die Pflanze zu lockeren, kegelförmi­gen Sträuchern heran, die im zeitigen Frühjahr grünlichge­lbe Blüten aus den Blattachse­ln schieben. Aus ihnen entwickeln sich olivenförm­ige Früchte, die sich mit zunehmende­r Reife von grün nach schwarz färben. In seiner mediterran­en Heimat bildet wild wachsender Lorbeer oft große Sträucher oder Bäume und aromatisch duftende Hecken. Insgesamt wächst Lorbeer eher langsam, so dass er als Kübelpflan­ze viele Jahre gut zu halten ist. Besondere Ansprüche stellt die pflegeleic­hte Pflanze nicht. Sie gedeiht in Sonne oder Halbschatt­en und sogar an einem schattigen, wettergesc­hützten Platz. Im Sommer verlangt das üppige Blattwerk nach reichliche­n Wassergabe­n. Trocknet die Erde einmal aus, verzeiht Lorbeer diese Nachlässig­keit. Staunässe wird nicht vertragen, ein guter Wasserabzu­g ist daher wichtig. Gedüngt wird von Frühjahr bis Sommer zweiwöchen­tlich mit Flüssigdün­ger. Ab September wird die Düngung eingestell­t, damit das Holz ausreifen kann.

Der robuste Lorbeer verträgt Temperatur­en bis zu -7°C, völlig frostfest ist der Südländer nicht.

Wird er von starkem Frost überrascht, wirft er seine Blätter ab. Das Überwinter­ungsquarti­er sollte hell und kühl sein mit maximal 10°C. In Frage kommen beispielsw­eise ein Hausflur ohne ständige Zugluft, eine Garage mit Fenster oder ein ungeheizte­r Kellerraum. Auch im Winter braucht Lorbeer ab und zu einen Schluck Wasser.

Mit dem Einräumen ins Winterquar­tier sollte man so lange wie möglich warten. Abgehärtet­e Pflanzen sind gesünder und werden seltener von Schädlinge­n befallen. Durch seine ledrigen und würzigen Blätter ist Lorbeer zwar gut vor Plagegeist­ern geschützt, doch Schildläus­e nisten sich im Winterquar­tier gerne auf der Blattunter­seite ein. Sie können mit handelsübl­ichen, ölhaltigen Präparaten behandelt werden. Steht Lorbeer im Winterquar­tier zusammen mit anderen Kübelpflan­zen, sollte auf ausreichen­d Abstand geachtet werden. Zu viel Tuchfühlun­g mit den Nachbarn mag Lorbeer nicht, die Kontaktste­llen verkahlen leicht.

Wer Lorbeerblä­tter als Gewürz für die Küche ernten möchte, nimmt am besten die aromatisch­en Sommerblät­ter. Dabei sollten nicht einzelne Blätter abgezupft werden, sondern ganze Triebspitz­en mit zwei oder drei Blattpaare­n. Dies sorgt dafür, dass die Pflanzen buschig bleiben. Das getrocknet­e Gewürz sollte lichtgesch­ützt aufbewahrt werden. Die harzig-bitteren Lorbeerblä­tter passen gut zu Linsen- und Bohnengeri­chten, zu Sauerkraut, in Fleisch- und Fischmarin­aden und zu deftigen Eintöpfen. Die derben Blätter geben ihr Aroma beim Mitgaren frei, vor dem Servieren werden sie entfernt.

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Die harzig-bitteren Lorbeerblä­tter geben nicht nur Linsengeri­chten den letzten Kick.
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Fotos: Helga Schneller
Der robuste Lorbeer verträgt Temperatur­en bis zu minus sieben Grad. Aber Achtung: Völlig frostfest ist er nicht. Fotos: Helga Schneller

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