Land er­war­tet Spit­zen­wert im Tou­ris­mus

Zum neun­ten Mal in Fol­ge stei­gen die Über­nach­tungs- und An­kunfts­zah­len.

Südwest Presse (Ulm) - - ERSTE SEITE - Sei

Der Tou­ris­mus in Ba­den-würt­tem­berg boomt: Bis ein­schließ­lich No­vem­ber hat­te das Land rund 53,5 Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen und rund 22 Mil­lio­nen An­künf­te zu ver­zeich­nen. „Das ist ei­ne Stei­ge­rung von 4,2 Pro­zent bei den Über­nach­tun­gen und 3,6 Pro­zent bei den An­künf­ten“, be­rich­te­te Tou­ris­mus­mi­nis­ter Gui­do Wolf im Rah­men des

Tou­ris­mus­ta­ges in Stutt­gart. Das Be­su­cher­auf­kom­men sei von ho­her wirt­schaft­li­cher Be­deu­tung, so Wolf. Des­we­gen hat das Land im ak­tu­el­len Dop­pel­haus­halt die För­der­mit­tel für das Tou­ris­mus­mar­ke­ting um mehr als vier Mil­lio­nen Eu­ro auf jähr­lich rund zehn Mil­lio­nen Eu­ro er­höht. In die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode wur­den zu­dem die Mit­tel im Tou­ris­mus­in­fra­struk­tur­pro­gramm

ver­dop­pelt: von fünf Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr 2016 auf zehn Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich ab 2020. Ba­den-würt­tem­berg in­ves­tie­re da­mit so viel in den Frem­den­ver­kehr wie noch nie zu­vor.

Durch ku­li­na­ri­schen Er­leb­nis­se ha­be das Land ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal: 90 Mi­che­lin-ster­ne ver­teilt in 77 Re­stau­rants fin­det man in Ba­den-würt­tem­berg. Wolf be­zeich­net das Länd­le als Fein­kost­la­den: Gut ein Vier­tel al­ler deut­schen Top-re­stau­rants steht im Süd­wes­ten. Auch in Sa­chen Out­door-ak­ti­vi­tä­ten sei viel ge­bo­ten. So gibt es Ran­ger­tou­ren auf der Schwä­bi­schen Alb, Raf­ting-an­ge­bo­te im Schwarz­wald oder die Mög­lich­keit, im Bo­den­see zu tau­chen.

Ab­dul Ja­wad al-k. muss ge­wusst ha­ben, was ihn er­war­tet, als er nach Deutsch­land kam im Ok­to­ber 2014. Das Mas­sa­ker auf ei­nem Müll­platz na­he der sy­ri­schen Stadt Tab­ka hat­te sich un­ter sei­nen Lands­leu­ten be­reits her­um­ge­spro­chen. Als An­füh­rer ei­ner Sol­da­ten­trup­pe soll er zu­sam­men mit an­de­ren An­hän­gern der ra­di­kal-is­la­mis­ti­schen Ter­ror­grup­pe Dsch­ab­hat al-nus­ra min­des­tens 19 An­hän­ger des ver­hass­ten As­sad-re­gimes ge­tö­tet ha­ben, eis­kalt und grau­sam.

Po­li­zis­ten ge­hör­ten im März 2013 eben­so zu den wehr­lo­sen Op­fern wie Ver­wal­tungs­be­am­te und Mi­li­zio­nä­re. In Deutsch­land ge­rät al-k. ins Vi­sier der Er­mitt­ler – und wird vor Ge­richt ge­stellt. Nun hat das Stutt­gar­ter Ober­lan­des­ge­richt den Sy­rer zur Höchst­stra­fe ver­ur­teilt. Drei eben­falls an­ge­klag­te Cou­sins und frü­he­re Gleich­ge­sinn­te in der Kampf­trup­pe müs­sen für bis zu acht­ein­halb Jah­re in Haft.

Dem Vor­sit­zen­den Rich­ter ge­hen die ara­bi­schen Namen der An­ge­klag­ten mitt­ler­wei­le oh­ne Sto­cken über die Lip­pen. Seit Mit­te 2017 hat sich der Se­nat von Her­bert An­de­rer mit der Blut­tat be­schäf­tigt, er hat Ak­ten ge­wälzt, Zeu­gen ver­hört. Er kennt die un­ter­schied­li­chen Kampf­trup­pen, er hat ge­lernt, wo Tab­ka liegt und wann Rak­ka von der Grup­pe ein­ge­nom­men wur­de, der auch al-k. an­ge­hör­te.

Und er hat ein­se­hen müs­sen, dass auch der Se­nat nie die gan­ze Wahr­heit er­fah­ren wird: „Blick, Ho­ri­zont und Ver­ständ­nis ha­ben sich in den zwei Jah­ren sehr ge­wei­tet“, sagt An­de­rer bei der Ur­teils­be­grün­dung,

der auch Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge der An­ge­klag­ten bei­woh­nen. „Aber ein Straf­pro­zess kann nicht mehr sein als ei­ne An­nä­he­rung.“

Den Er­kennt­nis­sen zu­fol­ge kam Ab­dul al-k. im Ok­to­ber 2014 als ei­ner der Tä­ter im Strom der Op­fer und wahr­schein­lich über die Bal­kan­rou­te aus Sy­ri­en nach Deutsch­land. Er lan­de­te schließ­lich in Lei­men bei Hei­del­berg, wo er auch ver­haf­tet wur­de. Im Lau­fe des Krie­ges soll sei­ne klei­ne Kampf­ein­heit mehr­fach die Sei­ten ge­wech­selt ha­ben. Sie kämpf­te mal auf Sei­ten der Frei­en Sy­ri­schen Ar­mee, dann mit der Alnus­ra-front, da­mals der sy­ri­sche Ab­le­ger von Al-kai­da.

Aus­ge­rüs­tet mit Ka­lasch­ni­kows

Aus­ge­rüs­tet mit Ka­lasch­ni­kow-sturm­ge­weh­ren und spä­ter auch mit Hand­gra­na­ten, Ra­ke­ten­wer­fern, Ma­schi­nen­ge­weh­ren und Pan­zer­fahr­zeu­gen soll die Bri­ga­de un­ter Al-nus­ra-kom­man­do ei­ne blu­ti­ge Spur in der Re­gi­on Rak­ka hin­ter­las­sen ha­ben, dar­un­ter auf der Müll­kip­pe bei Tab­ka. Dort wa­ren min­des­tens 19 Ge­fan­ge­ne durch ei­nen Scha­ria­rich­ter zum To­de ver­ur­teilt.

Auf die Spur der Grup­pe sol­len die Er­mitt­ler über Aus­sa­gen ei­nes Sy­rers in ei­nem Asyl­an­trags­ge­spräch ge­kom­men sein. Die lan­gen Er­mitt­lun­gen en­de­ten nun vor­erst in der Ver­ur­tei­lung al-k.s zu le­bens­lan­ger Haft. Der Se­nat stell­te auch wie von der Bun­des­an­walt­schaft ge­for­dert die be­son­de­re Schwe­re der Schuld fest. Da­mit ist nicht ab­seh­bar, ob und wann der Sy­rer je­mals wie­der auf frei­en Fuß kommt.

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