Mül­ler be­fürch­ten schlech­te­re Mehl­qua­li­tät

Lan­det we­gen der stren­ge­ren Dün­ge­ver­ord­nung am En­de mehr Che­mie im Brot? Die Müh­len­be­trei­ber sind alar­miert, die Mi­nis­te­ri­en be­schwich­ti­gen.

Südwest Presse (Ulm) - - ERSTE SEITE - Von Ste­fan Czernin

Lan­det we­gen der stren­ge­ren Dün­ge­ver­ord­nung am En­de mehr Che­mie im Brot? Die Müh­len­be­trei­ber sind alar­miert, die Mi­nis­te­ri­en be­schwich­ti­gen.

Herr­schen in den deut­schen Müh­len bald wie­der Zu­stän­de wie vor 60 Jah­ren? „Da­mals ha­ben wir das Ge­trei­de aus den USA und aus Ka­na­da be­zo­gen“, be­rich­tet Al­bert Vogt, In­ha­ber der Vogt­müh­le in Il­ler­tis­sen. Das Ge­trei­de war be­kannt für sei­nen ho­hen Ei­weiß­ge­halt. Die­ser ist wie­der­um für die Bä­cker wich­tig, da­mit sie aus dem dar­aus ge­won­ne­nen Mehl an­stän­di­ge Bre­zeln, Sem­meln und Bro­te ba­cken kön­nen. Der­zeit be­zieht die Vogt­müh­le ihr Ge­trei­de von Land­wir­ten aus Bay­ern und Baden-würt­tem­berg, nicht aus Über­see. „Und wir wol­len das auch nicht.“Trotz­dem trei­ben den Müh­len­be­trei­ber Sor­gen um. Der Grund ist die neue, stren­ge­re Dün­ge­ver­ord­nung.

Und mit sei­nen Be­den­ken steht Vogt nicht al­lein da: „Wir fürch­ten, dass wir nicht mehr ge­nug hei­mi­sches, back­fä­hi­ges Ge­trei­de be­kom­men“, sagt Jo­sef Rampl, Ge­schäfts­füh­rer des Baye­ri­schen Mül­ler­bunds. Dar­um schau­en die Mül­ler – eben­so wie die Land­wir­te – bei der neu­en Dün­ge­ver­ord­nung genau hin. Die­se wird zum 1. Ja­nu­ar 2021 wei­ter ver­schärft: Das Dün­gen in Ge­bie­ten, in de­nen das Grund­was­ser be­son­ders stark mit Ni­trat be­las­tet ist, wird wei­ter ein­ge­schränkt. Ge­gen Grund­was­ser­schutz ha­ben die Mül­ler nichts, wohl aber ge­gen „ei­ne star­re Dün­ge­ober­gren­ze“, so Rampl. We­gen des in der Fol­ge er­war­te­ten ge­rin­ge­ren Ei­weiß­ge­halts der Kör­ner. Tritt dies ein, könn­te es für die Bä­cker­kun­den ei­nen un­an­ge­neh­men Ne­ben­ef­fekt ge­ben: Es sei mög­lich, „dass die Bä­cker dann mit mehr Che­mie ge­gen­hal­ten“, sagt Vogt-be­triebs­lei­ter Max Fi­scher. Al­so mehr Back­mi­schun­gen ver­wen­den, wenn die Mehl­qua­li­tät nicht mehr stimmt.

Wie sieht es bei an­de­ren Be­trie­ben in der Re­gi­on aus? Im Wei­ßen­hor­ner Orts­teil At­ten­ho­fen be­treibt Alex­an­der En­gel­hard ei­ne Müh­le, die Bio­ge­trei­de aus der Re­gi­on ver­ar­bei­tet. „Wir be­zie­hen al­les aus ei­nem Um­kreis von 100 Ki­lo­me­tern“, be­rich­tet

En­gel­hard. In der Bio­land­wirt­schaft wird an­ders pro­du­ziert. Die Bau­ern set­zen ver­stärkt auf Frucht­fol­gen, um die Bö­den zu scho­nen; das klas­si­sche Dün­gen spielt ei­ne im Ver­gleich ge­rin­ge­re Rol­le. Trotz­dem glaubt En­gel­hard, dass es schwie­ri­ger wer­den könn­te, an ge­nü­gend re­gio­na­les Bio­ge­trei­de zu kom­men. „Dass wir es nicht schaf­fen, will ich aber nicht be­haup­ten“, er­gänzt er. „Wir zah­len ei­nen fai­ren Preis da­für.“Falls we­gen der neu­en Dün­ge­ver­ord­nung

der Auf­wand für die Land­wir­te wach­se, könn­te je­doch der Ge­trei­de­preis stei­gen, ver­mu­tet er. Was dann schluss­end­lich die Kun­den an der Bä­cker­the­ke zu spü­ren be­kom­men.

„Aus­rei­chend Wei­zen“

In den zu­stän­di­gen Mi­nis­te­ri­en wird die La­ge we­ni­ger dra­ma­tisch ein­ge­schätzt. „Es wird wei­ter­hin aus­rei­chend Wei­zen mit ho­her Back­qua­li­tät aus hei­mi­scher Pro­duk­ti­on ge­ben“, teilt ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft auf An­fra­ge der SÜDWEST PRES­SE mit. Auch wenn in den mit Ni­trat be­las­te­ten Ge­bie­ten künf­tig we­ni­ger ge­düngt wer­den darf. Die be­las­te­ten Ge­bie­te näh­men der­zeit ei­nen An­teil von 30 Pro­zent an der ge­sam­ten land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che ein. Die­se wer­den jetzt von den Län­dern bis zum Jah­res­en­de neu um­ris­sen.

Al­ler­dings hät­ten die Land­wir­te in den be­trof­fe­nen Ge­bie­ten die Wahl, bei wel­chen Kul­tu­ren sie am Dün­ger spa­ren. „Der Land­wirt kann auch den Wei­zen mehr dün­gen, wenn ei­ne an­de­re Kul­tur da­für stär­ker re­du­ziert wird“, er­klärt die Spre­che­rin. „Im Durch­schnitt müs­sen es 20 Pro­zent Min­der­dün­gung sein.“

Das baye­ri­sche Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um sieht auch die Land­wir­te und Mül­ler in der Pflicht: Wenn sie „auf­ein­an­der zu­ge­hen, kön­nen bei­de ge­mein­sam, trotz der stren­gen Vor­ga­ben der neu­en Dün­ge­ver­ord­nung ei­ne aus­rei­chen­de Qua­li­täts­weiz­en­er­zeu­gung in Bay­ern si­cher­stel­len“.

Fo­to: Qua­li­ty/shut­ter­stock

Das Hand­werk sorgt sich um Mehl­qua­li­tät.

Fo­to: Qua­li­ty/shut­ter­stock

Für hand­werk­lich gute und schmack­haf­te Back­wa­ren muss das Mehl stim­men.

Fo­to: Ste­fan Czernin

Jo­sef Rampl, Ge­schäfts­füh­rer des Baye­ri­schen Mül­ler­bunds, Müh­len­chef Al­bert Vogt und Be­triebs­lei­ter Max Fi­scher (von links) in der Vogt­müh­le in Il­ler­tis­sen.

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