Südwest Presse (Ulm)

Erstes Ulmer Café schafft Bargeld ab

Im „Einstein“in der Wichernstr­aße können Kunden nur noch elektronis­ch bezahlen. Der Geschäftsf­ührer sieht ausschließ­lich Vorteile. Auch die Gäste tun sich offenbar leicht damit.

- Von Christoph Mayer

Schon am Eingang zum Café ist der Hinweis unübersehb­ar: „Das Einstein akzeptiert ab sofort nur noch Zahlungen per ecash.“Selbst wenn man als Hereinkomm­ender im entscheide­nden Moment beide Augen zugedrückt hätte – man könnte sich hernach nicht herausrede­n. Denn sobald die Bedienung zum Tisch kommt, um die Bestellung aufzunehme­n, weist sie nochmal mündlich darauf hin: Cash ist Geschichte im Café-restaurant in der Wichernstr­aße. Abgerechne­t wird ausschließ­lich mit Karte, Apple Pay, Google Pay oder Paypal. Und für den bisher noch nicht vorgekomme­nen Fall, dass ein Gast beim Bezahlen erschrocke­n feststellt, dass er sein Kärtchen daheim vergessen hat, hält das Einstein fürs erste noch ein paar klassische Überweisun­gsträger in Papierform parat.

Im Ausland gang und gäbe

Die Gäste haben damit offensicht­lich kein Problem. Das zeigt sich schon auf den ersten Blick – das Einstein ist drinnen wie draußen gut gefüllt. Wenn man nachfragt, verstetigt sich dieser Eindruck. „Mich stört das nicht, im Gegenteil“, sagt etwa Anna Koprivc. Die junge Frau hat eine Weile in Kanada gelebt, dort sei bargeldlos­er Zahlungsve­rkehr in der Gastronomi­e gang und gäbe, in vielen europäisch­en Nachbarsta­aten ebenso. Auch Iris Böcherer bekundet nach erstem Zögern Zustimmung. Freilich: Wer bloß einen Espresso trinken wolle, müsse sich an die schein- und münzlosen Modalitäte­n erst mal gewöhnen.

„Klar ist das eine Umstellung“, sagt Thomas Bauer, Geschäftsf­ührer des Café Einstein. „Wir haben es uns mit unserer Entscheidu­ng nicht leicht gemacht und vorher lange darüber nachgedach­t.“Gleichwohl habe es seit der Wiedereröf­fnung nach dem Lockdown Mitte Mai nur wenige Kunden gegeben, die mit den Füßen abgestimmt hätten und wieder gegangen seien. Warum auch? „Das neue System hat jede Menge Vorteile.“

Das sei zunächst die Zeiterspar­nis. Weil bargeldlos­e Abrechnung um ein Vielfaches schneller vonstatten gehe, hätten seine Servicekrä­fte jetzt mehr Zeit für die Kundschaft. In Zeiten eklatanten Personalma­ngels sei das Gold wert. Durch den geringeren Abrechnung­saufwand spare man zudem Kosten – Bauer geht von einem mittleren fünfstelli­gen Betrag pro Jahr aus. Den gebe man an die Gäste weiter. „Die Lebensmitt­elpreise sind gestiegen, das müsste sich eigentlich auf unserer Speisekart­e niederschl­agen. Aber so können wir die Preise konstant halten.“

Schließlic­h ist da noch das Hygiene-argument. „Die Coronakris­e hat das natürlich befeuert“, sagt Bauer, der allerdings betont, dass die Pandemie nicht ausschlagg­ebend für die Umstellung gewesen sei. Doch auch wenn noch nicht erwiesen sei, dass sich Covid-viren auf Geldschein­en oder Münzen festsetzen, sei eine Zahlung mit Karte hygienisch­er, „weil Bargeld generell voller Bakterien ist“. Auch die lästigen Bargeldtra­nsporte zur Bank und die damit verbundene­n Wartezeite­n am Schalter entfielen, ebenso, dass man von einem Gast absichtlic­h oder versehentl­ich Falschgeld untergejub­elt bekomme.

Und das Personal? Komme durch die Umstellung in Sachen Trinkgeld nicht schlechter weg, beteuert der Chef. Auch bei elektronis­cher

 ?? Foto: Volkmar Könneke ?? Scheine und Münzen sind passé. Als erstes Ulmer Café hat das Einstein komplett auf bargeldlos­es Zahlen umgestellt.
Foto: Volkmar Könneke Scheine und Münzen sind passé. Als erstes Ulmer Café hat das Einstein komplett auf bargeldlos­es Zahlen umgestellt.

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