Er­fin­der be­wei­sen Mut und Herz­blut

In­no­va­ti­on Was­ser in den Tank und los – an die­sem sim­plen Prin­zip ar­bei­tet ein Er­ba­cher Star­t­up-un­ter­neh­men. Als Ener­gie­quel­le wird Was­ser­stoff ver­wen­det.

Südwest Presse (Ulm) - - ERSTE SEITE - Von Franz Glog­ger

Was­ser in den Tank und los – an die­sem sim­plen Prin­zip ar­bei­tet das Er­ba­cher Star­t­up-un­ter­neh­men In­ter­green­tech. Als Ener­gie­quel­le wird Was­ser­stoff ver­wen­det. Ein­bli­cke gab es bei ei­nem Fir­men­be­such.

Ich glau­be, dass ei­nes Ta­ges Was­ser als Treib­stoff ver­wen­det wird. Es wird in sei­ne Ele­men­te Was­ser­stoff und Sau­er­stoff zer­legt und zur un­er­schöpf­li­chen Ener­gie­quel­le wer­den.“So zi­tiert Gun­ther Schulte, Mit­in­ha­ber des Er­ba­cher Star­tups „In­ter­green­tech“, den gro­ßen Vi­sio­när und Ro­man­au­tor Ju­les Ver­ne. Schulte und sein Kom­pa­gnon Ha­rald Sau­er glau­ben nicht nur an die Nut­zung des Was­ser­stoffs, son­dern sind sich si­cher, 150 Jah­re spä­ter den Schlüs­sel da­für ge­fun­den zu ha­ben.

Ei­nen Ein­blick ga­ben sie kürz­lich der Cdu-bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ron­ja Kem­mer und dem In­no­va­ti­ons­be­auf­trag­ten „Grü­ner Was­ser­stoff“des Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­ri­ums Dr. Stefan Kauf­mann. Der­zeit nutzt das Zwei­mann-un­ter­neh­men ei­ne Werk­hal­le von Jo­sef Braun­stef­fer, der die Ent­wick­lung weit­ge­hend fi­nan­ziert (sie­he In­fo­kas­ten).

Die Idee der bei­den Tüft­ler: An­statt rei­nen Was­ser­stoff her­zu­stel­len und bei­spiels­wei­se ein Fahr­zeug da­mit zu be­tan­ken, wird das Was­ser­stoff­de­ri­vat „HHO“, auch „Gol­de­ner Was­ser­stoff “ge­nannt, vor Ort ge­won­nen und dem Mo­tor zu­ge­führt. Ver­ant­wort­lich für die Ge­win­nung ist das von Schulte und Sau­er ent­wi­ckel­te „Hho-mo­dul“. Ih­rem Äu­ßern nach könn­ten die Pro­to­ty­pen

di­rekt aus Ka­pi­tän Ne­mos „Nau­ti­lus“ent­lehnt sein. Über das In­ne­re und die Funk­ti­ons­wei­se ver­rie­ten Schulte und Sau­er nur so viel, dass sie mit dem Er­geb­nis hoch­zu­frie­den sei­en, und, dass als Ener­gie­quel­le für die Auf­spal­tung ei­ne Au­to­bat­te­rie ge­nügt. „Mehr wol­len wir zur­zeit nicht sa­gen. Die Pa­ten­te sind be­an­tragt, doch auch die schüt­zen nur bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad“, sag­te Schulte.

Beim Auf­zäh­len der Vor­tei­le ge­rie­ten die Be­su­cher in un­gläu­bi­ges Stau­nen, so wie ver­mut­lich die Le­ser von Ju­les Ver­nes Zu­kunfts­ro­ma­nen. Ele­men­tar: Im Ge­gen­satz zu rei­nem Was­ser­stoff, der für die Ge­win­nung von En­er­gie erst wie­der mit Sau­er­stoff ver­sorgt wer­den muss, lie­ge bei sei­nem De­ri­vat HHO be­reits das idea­le Ver­hält­nis Was­ser­stoff zu Sau­er­stoff vor. Wei­ter ent­fie­len die en­er­gie­in­ten­si­ve Spal­tung, Kom­pri­mie­rung und tief­ge­kühl­te La­ge­rung, der Trans­port zum Ein­satz­ort und das auf­wän­di­ge und nicht un­ge­fähr­li­che Hoch­druck­tan­ken.

An­wend­bar sei­en die Hho-mo­du­le prak­tisch für je­den Ver­bren­nungs­mo­tor, vom Au­to über Lo­ko­mo­ti­ven, Bau­ma­schi­nen bis zum Con­tai­ner­schiff, das ein­fach Meer­was­ser tankt. Auch ei­ne her­kömm­li­che Gas- oder Öl­hei­zung funk­tio­nie­re da­mit. Le­dig­lich der Bren­ner müss­te an­ge­passt wer­den. In ent­spre­chen­der Grö­ße gel­te das auch für ein Strom­kraft­werk, er­klär­te Schulte. Er ver­si­cher­te, dass es nur we­ni­ge Mo­na­te dau­ern wür­de, bis mit die­ser Tech­nik das ers­te Fahr­zeug rollt und ei­ne Hei­zung läuft. Al­ler­dings brau­che es für die Um­set­zung ei­ne An­schub­fi­nan­zie­rung des Bun­des.

Kem­mer sieht in die­ser Was­ser­stoff-tech­no­lo­gie „un­glaub­li­che Po­ten­tia­le“. Bür­ger­meis­ter Achim Gaus freut be­son­ders, dass die­se aus Er­bach kommt. Ihn be­ein­dru­cke die In­no­va­ti­ons­kraft und das Herz­blut, mit de­nen die Be­tei­lig­ten zu Wer­ke gin­gen. „Die­ser Mut hat es ver­dient, von Bund und Land un­ter­stützt zu wer­den“, sag­te Gaus.

„Be­ein­druckt“war auch der In­no­va­ti­ons­be­auf­trag­te Kauf­mann, für den „ei­ne noch we­nig ent­deck­te Form des Was­ser­stof­fes“ganz neue Mög­lich­kei­ten der Nut­zung mit deut­lich we­ni­ger Ener­gie­be­darf und da­mit gro­ßen Zu­kunfts­chan­cen er­öff­ne. Er ver­sprach , die För­der­mög­lich­kei­ten zu prü­fen.

Braun­stef­fer, der ei­ne ho­he sechs­stel­li­ge Sum­me in das Pro­jekt ge­steckt hat, hät­te es gern kon­kre­ter ge­habt. Je­den Tag le­se er von Mil­li­ar­den-för­de­run­gen. „Da wer­den ein paar Mil­li­ön­chen für uns schon drin sein“, mein­te er mit ei­nem Au­gen­zwin­kern.

Die Pa­ten­te sind be­an­tragt. Doch auch die schüt­zen nur bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad.

Gun­ther Schulte

Mit­in­ha­ber „In­ter­green­tech“

Be­such bei In­ter­green­tech (v. li.): Bür­ger­meis­ter Achim Gaus, In­no­va­ti­ons­be­auf­trag­ter Stefan Kauf­mann, Tüft­ler Gun­ter Schulte, Rein­hold Schmid (Ha­b­ra­ma), Ab­ge­ord­ne­te Ron­ja Kem­mer, Tüft­ler Ha­rald Sau­er, Jo­sef Braun­stef­fer jun., Jo­sef Braun­stef­fer (In­ha­ber).

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