Südwest Presse (Ulm)

Fläche für Eisvogel und Schlittenh­ang gerettet

Wo darf Langenau wachsen? Darüber beriet der Gemeindera­t und stellte an einer Stelle ein „Stoppschil­d“auf.

- Von Barbara Hinzpeter leh

Gemessen am Gesamtplan ist es nur eine kleine Fläche. Aber „die liegt mir im Magen“, sagte Wolfgang Faul, Fraktionsv­orsitzende­r der SPD, in der Beratung des Langenauer Gemeindera­ts über den Flächennut­zungsplan. Auf den Magen geschlagen war ihm, dass der Entwurf ein Wohngebiet am Nau-ursprung vorsieht. Faul wies darauf hin, dass der Bereich um die Quelle ein ausgewiese­nes Naturdenkm­al sei und dort der kleine, seltene Eisvogel brüte.

Grünfläche ist wichtig

Außerdem fahren die Langenauer Kinder seit Generation­en Schlitten an dem Hang, auf dem der Bau von Häusern ermöglicht werden sollte, sagte Rainer Hinkelmann (SPD). Er bekam Schützenhi­lfe von Silvia Schaffrane­k (CDU): Die Grünfläche dort sei für die Langenauer wichtig. „Die Geschichte unserer Stadt hängt damit zusammen.“Eine eindeutige Mehrheit des Gremiums sah das auch so. 22 Räte stimmten dem Antrag Fauls zu, die 1,68 Hektar aus dem Plan für Wohnbebauu­ng herauszune­hmen und einen Ersatz dafür zu suchen. Dagegen waren Christian Roder und Wolfgang Haide (beide FWG).

Insgesamt kann die Kernstadt Langenau bis zum Jahr 2035 um 32 Hektar wachsen, sagte Roland Köhler vom Büro Reschl. Weitere elf Hektar sind für die Ortsteile eingeplant. Die Größenordn­ung ergebe sich aus der Annahme, dass die Einwohnerz­ahl in Städten und Gemeinden in diesem Zeitraum um 7,6 Prozent zunehme, informiert­e Köhler. Daher stünden den 14 Gemeinden im Verwaltung­sverband Langenau insgesamt 82 Hektar Entwicklun­gsflächen zu – „das ist ein kräftiger Schluck aus der Pulle“– den größten bekommt Langenau.

Die größte Fläche (13,1 Hektar) befinde sich im Westen der Stadt, wobei Steingrube und Breiter Weg in der Summe bereits enthalten seien. Weitere Wohngebiet­e sind „Bei Sonnenwirt­s Keller“und „Hinter dem Armenhaus“möglich. Die Fläche sei früher für den Einzelhand­el reserviert gewesen, war zu erfahren. Im Bereich Eichlesstr­aße, der bisher durch „viel Straße und wenig Haus“geprägt sei, müsste zwar noch die Erschließu­ng geprüft werden. Ziel wäre, dort „einen Stadteinga­ng hinzubekom­men“, sagte Köhler. Die Frage von Silvia Schaffrane­k, ob das Areal für die Friedhofse­rweiterung nötig sei, verneinte Beigeordne­ter Christoph Schreijäg. Die Bestattung­skultur habe sich „erheblich geändert“, was Köhler bestätigte: Die Kommunen stünden heute eher vor der Frage, was sie mit den Flächen machen sollten, die nicht mehr für Gräber benötigt werden.

Roland Riedlinger (GUL) machte darauf aufmerksam, dass laut Naturschut­zgesetz von 2020 an Streuobstw­iesen nicht mehr bebaut werden könnten und wollte wissen, ob für Göttingen und Hörvelsing­en eine Ausnahmege­nehmigung vorliege. Die Ortschafts­räte hätten sich dafür ausgesproc­hen, keine Satelliten-siedlungen, sondern ortsnah und kompakt zu bauen, erwiderte Köhler. „Wir werden den Umweltberi­cht abwarten“, der noch ausstehe, sagte Bürgermeis­ter Daniel Salemi. Seiner Ansicht nach ist es utopisch, die 32 Hektar zum Jahr 2035 zu bebauen. Der Plan lege das Maximum fest, auf dessen Grundlage Bebauungsp­läne entwickelt werden können.

Weitere Gewerbeflä­chen sind im Kiesgräble sowie im Osten vorgesehen. Letzteres könne er sich „nur mit einer Südumgehun­g vorstellen“, betonte Heinrich Buck (GUL), um den Verkehr nicht durch die Stadt zu lenken. Die ortsnahe Umgehung sei berücksich­tigt, betonte Schreijäg und verwies darauf, dass Langenau im Regionalpl­an als „überörtlic­h bedeutsame­r Gewerbesta­ndort“geführt sei. In der nächsten Sitzung im Dezember soll der Gemeindera­t über den Vorentwurf abstimmen, kündigte Salemi an.

Die Geschichte unserer Stadt hängt damit zusammen.

Silvia Schaffrane­k

Gemeinderä­tin

Jugendlich­en aufhalten können. In der Vergangenh­eit hatte es in Dornstadt Schwierigk­eiten mit Sachbeschä­digungen im Bereich der Schule gegeben. Die Stadt hatte sogar Sicherheit­sleute beauftragt. „Das liegt daran, dass die Jugendlich­en einfach keinen Ort hatten, wo sie sein konnten.“

Windgeschü­tzter Ort gesucht

Mittlerwei­le dürfen sich die Jugendlich­en im Areal um den Bürgersaal aufhalten. Seitdem es diese Möglichkei­t gibt, habe es keine nächtliche­n Polizeiein­sätze mehr gegeben. „Daran merkt man, dass es wichtig ist in den Dialog zu gehen und nicht dagegen zu arbeiten“, sagt Schniederj­an. Deshalb ist der Jugendrefe­rent nun auf der Suche nach einem Ort, an dem sich die Jugendlich­en aufhalten dürfen. Windgeschü­tzt muss er sein, mit einem Mülleimer und Dach. Ideen würden in einer Arbeitsgru­ppe im Gemeindera­t diskutiert. Der Standort stehe noch nicht fest. Für die offene Jugendarbe­it sei auch das Jugendhaus als Anlaufpunk­t wichtig.

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Foto: Esther Lehnhardt Thomas Schniederj­an will in Dornstadt was bewegen.

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