Ewi­ger Not­stand

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG - Lui­sa see­ling

Ge­schieht kei­ne Über­ra­schung, geht die­se Wo­che der Aus­nah­me­zu­stand in der Tür­kei in die sieb­te Ver­län­ge­rung. Bleibt er die vol­len drei Mo­na­te in Kraft, wird er im Ju­li zwei Jah­re gel­ten; zwei Jah­re, in de­nen Grund­rech­te ein­ge­schränkt und Zehn­tau­sen­de ver­haf­tet wur­den, in de­nen die Re­gie­rung per De­kret re­gier­te.

Die Aus­nah­me als Nor­ma­li­tät – das ist ein un­halt­ba­rer Zu­stand, den die tür­ki­sche Füh­rung drin­gend be­en­den müss­te, schon im ei­ge­nen In­ter­es­se. Der Not­stand lähmt nicht nur Op­po­si­ti­on und Zi­vil­ge­sell­schaft, er be­schä­digt das gan­ze Land und sei­ne Wirt­schaft. Er schreckt Tou­ris­ten ab, die sich nicht fürch­ten wol­len, und In­ves­to­ren, die ihr Geld lie­ber dort an­le­gen, wo kei­ne Kon­ten ge­sperrt und Fir­men ent­eig­net wer­den.

Dass die EU-Kom­mis­si­on in ih­rem Fort­schritts­be­richt die Auf­he­bung des Not­stands for­dert, wird Prä­si­dent Er­doğan herz­lich egal sein. Die Tür­kei be­hält ih­ren Sta­tus als Bei­tritts­kan­di­dat, de fac­to aber ist der Pro­zess tot. An­rei­ze für Ve­rän­de­rung bie­tet das Do­ku­ment des­halb nicht. Viel wich­ti­ger und aus­sichts­rei­cher ist, dass im Land selbst der Un­mut über den Dau­er­kri­sen­mo­dus steigt. Am Mon­tag de­mons­trier­ten An­hän­ger der Op­po­si­ti­on ge­gen den Not­stand. Ewig wird die Re­gie­rung die Ge­duld der Men­schen nicht mehr stra­pa­zie­ren kön­nen.

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