Jagd auf Nor­dad­ler

Groß-Raz­zia ge­gen mut­maß­li­che Rechts­ter­ro­ris­ten

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Pe­ter burg­hardt

Ham­burg – Wer wis­sen möch­te, wie die­se nun von der Bun­des­an­walt­schaft un­ter­such­te Grup­pe „Nor­dad­ler“un­ge­fähr tickt, der braucht nur zu kli­cken. Im Netz fin­det sich sehr leicht die gleich­na­mi­ge Web­site. Dar­auf gleich auf den ers­ten Blick Pa­ro­len wie „Deutsch­land un­se­re Hei­mat, ver­lo­ren bist du nicht, im Her­zen ruft die Pflicht“. Un­ter dem Ti­tel „Kampf­zeit“wird da auch der „al­te ger­ma­ni­sche Geist“be­schwo­ren und „ei­ne deut­sche Füh­rung im ei­ge­nen Land oh­ne frem­den Geist“.

Am Di­ens­tag­mor­gen ließ der Er­mitt­lungs­rich­ter am Bun­des­ge­richts­hof Woh­nun­gen in meh­re­ren Bun­des­län­dern durch­su­chen. Die Lan­des­kri­mi­nal­äm­ter schwärm­ten mit Son­der­ein­satz­kom­man­dos aus. Ver­haf­tet wur­de nie­mand, aber vier Be­schul­dig­ten in Nie­der­sach­sen, Schles­wig-Holstein und Bre­men wird die Grün­dung ei­ner rechts­ra­di­ka­len Ter­ror­ver­ei­ni­gung vor­ge­wor­fen. Ihr Ziel sei es laut Karls­ru­he ge­we­sen, „dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus in Deutsch­land zum Wie­der­er­star­ken zu ver­hel­fen“. Da­zu ha­be sie auch „nicht nä­her kon­kre­ti­sier­te An­schlä­ge auf po­li­ti­sche Geg­ner in Er­wä­gung ge­zo­gen.“Ihr Na­me: „Nor­dad­ler“.

Die Grup­pe hat laut Er­mitt­lern An­schlä­ge auf po­li­ti­sche Geg­ner in Er­wä­gung ge­zo­gen

Kat­len­burg-Lindau im Land­kreis Nort­heim. Es scheint der­sel­be Mann zu sein, der 2017 als Hel­fer ei­nes 27 Jah­re al­ten ISSym­pa­thi­san­ten zu 100 St­un­den So­zi­al­ar­beit ver­ur­teilt wor­den war. Bei dem Ver­fah­ren fiel auf, wie ein Neo­na­zi zum Is­la­mis­ten wer­den und wie gut sich bei­der Ex­tre­mis­mus ver­ste­hen kann.

Der Haupt­an­ge­klag­te bei je­nem Pro­zess am Land­ge­richt Braun­schweig war der Is­la­mist Sascha L., eben­falls aus Nort­heim, er muss­te für drei Jah­re ins Ge­fäng­nis. Die Staats­schutz­kam­mer sah es als er­wie­sen an, dass er „ei­ne schwe­re staats­ge­fähr­den­de Ge­walt­tat“vor­be­rei­tet hat­te. Bei ihm wur­den un­ter an­de­rem Spreng­stoff, Fern­zün­der und ab­ge­säg­te Pfand­fla­schen ge­fun­den, laut ei­ge­ner Aus­sa­ge für ei­nen ge­plan­ten und dann ver­wor­fe­nen Hin­ter­halt ge­gen Sol­da­ten oder Po­li­zis­ten. Drei Jah­re zu­vor war der vor­ma­li­ge Rechts­ra­di­ka­le Sascha L. zum Is­lam kon­ver­tiert. Zu sei­nen Un­ter­stüt­zern zähl­te die­ser Rechts­ex­tre­me aus dem­sel­ben Ort, der sich den Rich­tern als be­ken­nen­der Na­tio­nal­so­zia­list prä­sen­tier­te und des­sen Spur die Er­mitt­ler zu „Nor­dad­ler“ge­führt ha­ben dürf­te.

Zu­nächst wur­de die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft Cel­le hell­hö­rig, im Ja­nu­ar 2018 über­nahm die Bun­des­an­walt­schaft den Fall. Es geht wie­der um mög­li­che ter­ro­ris­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten, dies­mal un­ter rechts­ra­di­ka­ler statt is­la­mis­ti­scher Flag­ge. Bei­de Sze­nen ha­ben wei­ter­hin Zu­lauf. Das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz rech­ne­te En­de 2016 mit mehr als 23 000 of­fen­sicht­li­chen Neo­na­zis, dar­un­ter un­ge­fähr 12 000 ge­walt­be­rei­te, Hun­der­te von ih­nen im Un­ter­grund. Die Be­hör­den zähl­ten im vor­ver­gan­ge­nen Jahr fast 1700 rech­te Ge­walt­ta­ten, häu­fig ge­gen Aus­län­der.

Jetzt al­so nach NSU-Mor­den, Old­school Society oder der Ter­ror­grup­pe Frei­tal aus dem Os­ten die „Nor­dad­ler“in Deutsch­lands Nord­wes­ten.

FO­TO: IMA­GO/KA­RI­NA HESSLAND

In Tau­ten­burg in Thü­rin­gen le­ben et­wa 300 Men­schen. Un­ter ih­nen fand sich kein Kan­di­dat für das Eh­ren­amt des Bür­ger­meis­ters. Viel wei­ter ins De­tail ge­hen die Fahn­der bis­her nicht. Es heißt nur, dass die Ver­däch­ti­gen sich für ihr Ziel be­reits um...

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.