Zu­ge­ständ­nis­se der Kanz­le­rin

Mer­kel geht bei EU-Re­form auf Skep­ti­ker in ih­rer Frak­ti­on zu

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Cers­tin gam­melin

Ber­lin – Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hat sich in der Dis­kus­si­on um die Eu­ro­pa­po­li­tik der Uni­on auf die Skep­ti­ker in ih­rer Frak­ti­on zu­be­wegt. Die Kanz­le­rin nahm sich am Di­ens­tag viel Zeit, den Ab­ge­ord­ne­ten von CDU und CSU ih­re Ver­hand­lungs­li­nie bei den eu­ro­päi­schen Re­form­plä­nen zu er­läu­tern. Nach ei­ner lan­gen Ein­lei­tung, in der sie die Be­deu­tung der Ge­mein­schaft für Deutsch­land be­ton­te, warb sie an­schlie­ßend mit ei­ge­nen Vor­schlä­gen um die Zu­stim­mung der Ab­ge­ord­ne­ten.

Um die Wäh­rungs­uni­on zu stär­ken, soll­te ein „Jum­bo­rat“ein­ge­rich­tet wer­den, in dem sich Fi­nanz- und Wirt­schafts­mi­nis­ter der Eu­ro-Zo­ne ab­stim­men. Der ge­plan­te Eu­ro­päi­sche Wäh­rungs­fonds soll­te als In­sti­tu­ti­on ähn­lich wie die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank ein­ge­rich­tet und par­al­lel zur Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on be­trie­ben wer­den. Die mäch­ti­ge Be­hör­de hät­te kein Mit­spra­che­recht – wie von der Frak­ti­on ge­for­dert. Mer­kel ging Teil­neh­mern zu­fol­ge auf die For­de­rung ein, den Wäh­rungs­fonds durch Än­de­rung der EU-Ver­trä­ge ab­zu­si­chern. So­lan­ge dies nicht mög­lich sei, soll­te der Fonds zwi­schen­staat­lich, au­ßer­halb des EU-Rechts, ge­führt wer­den. Nach Mer­kels Vor­trag gab es mehr als zwan­zig Wort­mel­dun­gen, die De­bat­te dau­er­te zwei­ein­halb St­un­den. Die Frak­ti­on ver­zich­te­te dar­auf,

Die Vor­be­hal­te in den ei­ge­nen Rei­hen ge­gen am­bi­tio­nier­te Re­for­men hat­ten zu­ge­nom­men

die de­bat­tier­te Ver­hand­lungs­li­nie in ei­nem Be­schluss fest­zu­hal­ten.

Vor der Frak­ti­ons­sit­zung hat­te Mer­kel sich über­zeugt ge­ge­ben, dass Ber­lin und Pa­ris vor dem EU-Gip­fel im Ju­ni „ein star­kes Pa­ket auf die Bei­ne stel­len wer­den“. Die Bun­des­re­gie­rung wer­de ih­re „ei­gen­stän­di­gen Bei­trä­ge“ein­brin­gen. Gleich­zei­tig war deut­lich ge­wor­den, dass die Vor­be­hal­te in den ei­ge­nen Rei­hen ge­gen am­bi­tio­nier­te Re­for­men zu­ge­nom­men hat­ten. „Ich ha­be über­haupt kei­ne Ver­an­las­sung, Ma­crons per­sön­li­che Glücks­ge­füh­le zu meinem po­li­ti­schen Pro­gramm zu ma­chen“, sag­te CSU-Lan­des­grup­pen­chef Alex­an­der Do­brindt. Der Wirt­schafts­rat der CDU for­der­te, en­ger mit den Nie­der­lan­den und an­de­ren Nord­eu­ro­pä­ern zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Man sei ge­gen die von „Em­ma­nu­el Ma­cron und Je­an-Clau­de Juncker ge­for­der­ten Schnell­schüs­se bei der wei­te­ren Ver­tie­fung der Eu­ro-Zo­ne“, so der Rat.

Die Un­ter­stüt­zung des Ko­ali­ti­ons­part­ners SPD dürf­te Mer­kel si­cher sein bei den Ver­hand­lun­gen mit Ma­cron. Vi­ze­kanz­ler Olaf Scholz zeig­te sich zu­ver­sicht­lich, man wer­de in Eu­ro­pa „ent­lang des Ko­ali­ti­ons­ver­trags zu ei­ner Lö­sung kom­men“. Vor­ab­fest­le­gun­gen der Ver­hand­lungs­li­nie durch den Bun­des­tag, wie von der Uni­on vor­be­rei­tet, wer­de die SPD al­ler­dings nicht mit­tra­gen. „Es macht kei­nen Sinn, jetzt schon Kom­pro­mis­se zu for­mu­lie­ren, wie die Lö­sun­gen aus­se­hen könn­ten. Ich bin mir si­cher, dass die Vor­schlä­ge der Re­gie­rung auch die Zu­stim­mung des Par­la­ments fin­den wer­den“.

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