Trost vom Freund

Ja­pans Pre­mier Shin­zo Abe ist in Skan­da­le ver­wi­ckelt, die ihn das Amt kos­ten könn­ten. Ein Be­such bei Do­nald Trump soll nun von den Pro­ble­men ab­len­ken

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Chris­toph neid­hart

To­kio – Die Skan­da­le, von de­nen Shin­zo Abe hart­nä­ckig be­haup­tet, sie sei­en ganz oh­ne sein Zu­tun pas­siert, ho­len Ja­pans Pre­mier­mi­nis­ter all­mäh­lich ein. Ju­ni­chi­ro Koi­zu­mi, sein Vor­gän­ger und frü­he­rer Men­tor, sag­te die­se Wo­che, er er­war­te, Abe müs­se im Ju­ni zu­rück­tre­ten. Dann könn­te er die Ver­fas­sung nicht mehr än­dern, sein wich­tigs­tes An­lie­gen, und er hin­ter­lie­ße sei­ne Au­ßen­po­li­tik ge­schei­tert.

Am Di­ens­tag flog Abe nach Ame­ri­ka, weit weg vom Par­la­ment, das ihn jüngst mit Fra­gen über sei­ne Skan­da­le be­läs­tig­te, wie er das sieht. In Mar-al-La­go wird er sei­nen Freund Do­nald Trump in Flo­ri­da tref­fen. Der Be­such soll de­mons­trie­ren, dass Abe für Ja­pans Au­ßen­po­li­tik un­er­setz­lich sei. Er hat, ob­wohl er sich in Ja­pan da­mit kaum Freun­de mach­te, sein au­ßen­po­li­ti­sches Ka­pi­tal von An­fang an auf Trump ge­setzt. Kurz nach des­sen Wahl jet­te­te er als ers­ter Re­gie­rungs­chef nach New York, um dem neu­en US-Prä­si­den­ten sei­ne Auf­war­tung zu ma­chen. Den­noch lässt Trump sei­nen „bes­ten Freund“Abe im­mer wie­der im Re­gen ste­hen. Der Ja­pa­ner hat­te die Transpa­zi­fi­sche Part­ner­schaft (TPP), die Frei­han­dels­zo­ne um den Pa­zi­fik, ge­gen gro­ße Tei­le sei­ner ei­ge­nen Par­tei durch­ge­paukt. Trump aber ließ sie plat­zen. Jetzt, da die üb­ri­gen elf Staa­ten un­ter Füh­rung To­kios ei­nen re­vi­dier­ter Pakt un­ter­zeich­ne­ten, re­det Trump plötz­lich da­von, doch mit­zu­ma­chen. Im Streit um Nord­ko­rea be­te­te Abe die Kriegs­dro­hun­gen Trumps ge­gen Pjöng­jang ge­treu nach – bis der, oh­ne Abe zu in­for­mie­ren, ei­ne Kehrt­wen­de mach­te und ei­nen Gip­fel mit Dik­ta­tor Kim Jong-un an­kün­di­gen ließ. Abe hat Ja­pan, das mit Nord­ko­rea vor 15 Jah­ren fast Be­zie­hun­gen auf­ge­nom­men hät­te, ins Ab­seits ma­nö­vriert. In Mar-al-La­go will er jetzt Trump Ja­pans An­lie­gen zum Gip­fel mit­ge­ben. Auch in Seo­ul wur­de To­kio vor­stel­lig, da­mit Süd­ko­rea sich beim in­ner­ko­rea­ni­schen Gip­fel für sei­ne For­de­run­gen ein­set­ze.

Im Mai wird Abe trotz Gift­gas­an­schlag in En­g­land und Sy­ri­en­kri­se nach Mos­kau flie­gen. Er glaubt, mit Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin ei­ne Lö­sung des Ter­ri­to­ri­al­kon­flikt um die Süd­ku­ri­len aufs Gleis set­zen zu kön­nen. Mos­kau ist be­reit, auf den Inseln, die

Zu Hau­se in To­kio ge­lan­gen al­le paar Ta­ge neue In­di­zi­en ans Licht

To­kio be­an­sprucht, ge­mein­sa­me Wirt­schafts­pro­jek­te zu star­ten. Al­ler­dings un­ter rus­si­schem Recht, was To­kio nicht ak­zep­tiert. Dar­an, Ja­pan „rus­si­sche Er­de“zu über­las­sen, denkt Pu­tin denkt gar nicht, das stell­te Mos­kau wie­der­holt klar. Den­noch schürt Abe Hoff­nun­gen. Er dürf­te aber wohl auch in die­ser Fra­ge, für die er viel ein­ge­setzt hat, am En­de mit lee­ren Hän­den da­ste­hen.

Zu Hau­se ge­lan­gen in den Skan­da­len um Mo­ri­to­mo-Ga­ku­en dau­ernd neue In­di­zi­en ans Licht, die auf Abes Ein­fluss­nah­me deu­ten. Es geht um ei­ne na­tio­na­lis­ti­sche Schu­le, die erst „Shin­zo-Abe-Schu­le“hät­te hei­ßen sol­len, und die Ver­ga­be der Li­zenz für ei­ne ve­te­ri­när­me­di­zi­ni­sche Fa­kul­tät an ei­nen Freund Abes. Der Pre­mier ent­schul­dig­te sich mehr­mals für bei­de Skan­da­le und eräum­te ein, dass sie das Ver­trau­en in sei­ne Re­gie­rung un­ter­gra­ben. Er will je­doch kei­ne Ah­nung ge­habt ha­ben, dass die Schu­le, die sei­ne Frau Akie zur Eh­ren­rek­to­rin er­nann­te, vom Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um Bo­den fast 90 Pro­zent ver­bil­ligt kau­fen konn­te. Wie jüngst her­aus­kam, ist er in den Ver­kaufs­un­ter­la­gen ge­nannt mit sei­ner Frau und zwei Mi­nis­tern. Ver­mut­lich um ihn zu schüt­zen, hat­te das Mi­nis­te­ri­um dem Par­la­ment ein Jahr lang ge­fälsch­te Un­ter­la­gen prä­sen­tiert mit ge­lösch­ten Na­men. In­zwi­schen gab es die Fäl­schun­gen zu, und auch, dass es den Schul­lei­ter auf­for­der­te, über den Ver­kauf zu lü­gen.

Abe sag­te einst, falls er oder sei­ne Frau da­mit in Ver­bin­dung ge­bracht wür­den, tre­te er zu­rück. Nun tut er so, als hät­ten mitt­le­re Be­am­te ei­gen­stän­dig ge­han­delt. Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um gilt als Kro­ne der ja­pa­ni­schen Ver­wal­tung, sei­ne Be­am­ten als die bes­ten und dem Staat er­ge­bens­ten. Nach ei­ner Um­fra­ge glau­ben des­halb nur noch 17 Pro­zent, Abe sa­ge die Wahr­heit. Und im Skan­dal um die Tier­me­di­zin-Uni at­tes­tier­te die Ta­ges­zei­tung Mai­ni­chi dem Pre­mier „ein ge­stör­tes Ver­hält­nis zu den Fak­ten“. Sein As­sis­tent hat­te, wie aus ei­ner in­ter­nen Ver­wal­tungs­no­tiz her­vor­geht, Ver­tre­tern der Prä­fek­tur Ehi­me 2015 ge­sagt, die Be­wil­li­gung sei ei­ne „Sa­che, die den Pre­mier be­tref­fe“. Abe will da­von erst 2017 er­fah­ren ha­ben.

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