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Der bes­te Ar­ca­de-Spie­ler der Welt hat wohl ge­schum­melt

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - PANORAMA - Cas­par von au

Bil­ly Mit­chell hat schon vie­le Ti­tel in sei­nem Le­ben ge­tra­gen: Ga­mer des Jahr­hun­derts, bes­ter Ar­ca­de-Spie­ler al­ler Zei­ten, „The King of Kong“, weil kein Mensch auf der Welt mal so vie­le Punk­te bei „Don­key Kong“ge­won­nen hat wie er. Jetzt ist noch ein Ti­tel da­zu­ge­kom­men: Schumm­ler.

Mit­chell soll bei drei sei­ner High­s­cores im Ar­ca­de-Spiel „Don­key Kong“ge­schum­melt ha­ben, oder wie es in die­ser Sze­ne heißt: ge­chea­tet. 1 062 800 Punk­te, 1 050 200 und 1 047 200 – al­le un­gül­tig, ur­teilt „Twin Ga­la­xies“, ei­ne On­li­ne-Platt­form, die seit 1981 Vi­deo­spiel­re­kor­de sam­melt. Das „Guin­ness-Buch der Re­kor­de“schloss sich die­ser Auf­fas­sung an und strich Mit­chells sämt­li­che Re­kor­de.

Ei­ner­seits na­tür­lich trau­rig, dass auch das Spie­len in di­gi­ta­len Zei­ten, das Ga­ming, nicht frei ist von Ma­ni­pu­la­ti­on, dass es al­so selbst dort, wo nur ein Af­fe über den Bild­schirm hüpft, nicht sau­ber zu­geht. An­de­rer­seits: Der Mensch, das klei­ne Spiel­kind, ist halt auch ein gro­ßer Schumm­ler.

Mit­chell trägt seit 20 Jah­ren den glei­chen Haar­schnitt, ei­nen ge­kämm­ten Vo­ku­h­i­la, da­zu meist ei­ne USA-Kra­wat­te und An­zug, wahl­wei­se schwarz oder blü­ten­weiß. An den Spiel­au­to­ma­ten spei­chert er statt sei­ner Initia­len die Buch­sta­ben U, S und A ein. Er gilt als Aus­nah­me-Ga­mer, seit­dem er 17 ist und sich in Io­wa 874 300 Punk­te bei „Don­key Kong“er­spiel­te, ei­nem Jump-’n’-Run-Spiel, das als äu­ßerst schwie­rig gilt. Der Spie­ler steu­ert ei­nen Schreiner (wor­aus spä­ter der be­rühm­te Klemp­ner Ma­rio wird), der sei­ne Freun­din aus den Fän­gen ei­nes Af­fen be­frei­en muss. Er wur­de zum Weg­be­rei­ter des E-Sports. Und wo ir­gend­ein Be­griff mit „Sport“ge­kop­pelt wird, ist of­fen­bar auch Be­trug.

Dass et­was mit sei­nen „Don­key Kong“-Re­kor­den nicht stimmt, ver­mu­tet ein Teil der Ga­ming-Com­mu­ni­ty schon län­ger. In der Do­ku­men­ta­ti­on „King of Kong“aus dem Jahr 2007 bei­spiels­wei­se ver­mei­det Mit­chell die di­rek­te Kon­fron­ta­ti­on mit sei­nem Geg­ner und schickt statt­des­sen ei­ne VHS-Kas­set­te, auf der zu se­hen ist, wie er in „Don­key Kong“1 047 200 Punk­te er­reicht. Ge­nau dort, wo die Punkt­zahl steht, fla­ckert das Bild et­was. Da­mals ak­zep­tier­te der Schieds­rich­ter noch das Ta­pe. Jetzt sind die High­s­cores für un­gül­tig er­klärt wor­den.

Bis es so weit ge­kom­men ist, hat die Spie­le­sze­ne aber wich­ti­ge Fra­gen dis­ku­tiert: Hat Mit­chell sei­ne Re­kor­de auf ei­nem Ar­ca­de-Au­to­ma­ten mit ei­ner un­mo­di­fi­zier­ten Ori­gi­nal­ver­si­on des Spiels von 1981 er­reicht – oder sie mit­hil­fe ei­ner Nach­bil­dung des Spiels für den Com­pu­ter auf­ge­stellt? Das wä­re näm­lich ver­bo­ten.

Bei­na­he wie vor Ge­richt ha­ben die Nut­zer und die Mit­ar­bei­ter von Twin Ga­la­xies, das die Re­kor­de sam­melt, in ih­rem Fo­rum 227 Ta­ge lang ver­han­delt. Am En­de ent­schied Twin Ga­la­xies: Mit­chell hat ge­schum­melt. Der post­wen­dend wie­der ein Vi­deo schick­te, in dem er sei­ne Un­schuld be­teu­er­te. Af­fen­zir­kus.

Bil­ly Mit­chell, 52,ist nicht nur für Ex­tra­va­ganz be­kannt, son­dern galt auch als bes­ter Ar­ca­de-Ga­mer der Welt. Ne­ben­bei be­treibt er in Flo­ri­da ei­ne Re­stau­rant­ket­te und ver­kauft Hot Sau­ce.

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