Be­we­gung statt Pul­ver und Ta­blet­ten

Ak­ti­vi­tät beugt Stür­zen und Brü­chen am bes­ten vor, Prä­pa­ra­te mit Vit­amin D und Kal­zi­um sind un­nö­tig

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - WISSEN - Wer­ner bar­tens

Be­we­gung ist die bes­te Me­di­zin. Auf die­se eben­so ein­fa­che wie be­währ­te For­mel las­sen sich die neu­es­ten Emp­feh­lun­gen un­ab­hän­gi­ger Me­di­zi­ner brin­gen, wenn es dar­um geht, Stür­ze und Kno­chen­brü­che im Al­ter zu ver­mei­den. Er­gän­zungs­mit­tel und Zu­satz­prä­pa­ra­te mit Vit­amin D oder Kal­zi­um sind hin­ge­gen nicht nö­tig; Ärz­te und Wis­sen­schaft­ler ra­ten so­gar da­von ab, sie vor­beu­gend zu neh­men.

Di­ver­se Studien ha­ben wie­der­holt ge­zeigt, dass es zwar sinn­voll ist, sich viel­sei­tig und auch kal­zi­um­reich mit Milch­pro­duk­ten zu er­näh­ren – der Nut­zen von Kal­zi­um und Vit­amin D in Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln je­doch frag­lich ist. Nun hat die un­ab­hän­gi­ge US Preven­ti­ve Ser­vices Task Force die wich­tigs­ten Da­ten zu­sam­men­ge­tra­gen und ih­re Emp­feh­lung mit wei­te­ren Be­wei­sen und Studien im Fach­blatt JAMA be­legt. Da­mit wi­der­spricht sie teil­wei­se ih­rer Ein­schät­zung von 2012, in der Vit­amin D noch güns­ti­ger weg­kam.

„Die ak­tua­li­sier­te Emp­feh­lung be­tont, wie wich­tig kör­per­li­che Ak­ti­vi­tät ist“, sagt Har­vard-Ärz­tin JoAnn Man­son. „Da­durch kön­nen Stür­ze und die Kas­ka­de nach­fol­gen­der Pro­ble­me ver­hin­dert wer­den – das soll­te Gesundheit und Wohl­be­fin­den ver­bes­sern.“Re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung, aber auch Phy­sio­the­ra­pie und Übun­gen zur Ver­bes­se­rung von Gang, Gleich­ge­wicht, Ko­or­di­na­ti­on und Mus­kel­funk­ti­on nütz­ten den Men­schen am meis­ten. Da­durch lie­ßen sich die Stür­ze im Al­ter ins­ge­samt und je­ne mit Ver­let­zungs­fol­gen um 19 Pro­zent ver­rin­gern.

Ähn­lich hilf­reich ist der mul­ti­fak­t­o­ri­el­le An­satz: Schließ­lich ist es im Al­ter nicht nur wich­tig, die Be­weg­lich­keit zu er­hal­ten, son­dern auch die Me­di­ka­ti­on zu über­prü­fen, den Blut­druck rich­tig ein­zu­stel­len und die nach­las­sen­de Seh­kraft zu kor­ri­gie­ren, um wei­te­re Ur­sa­chen für Stür­ze mög­lichst aus­zu­schlie­ßen.

Bes­te Prä­ven­ti­on: Sport und aus­ge­wo­ge­ne Er­näh­rung

Die Analyse hoch­wer­ti­ger Studien mit ins­ge­samt mehr als 50 000 Pa­ti­en­ten konn­te je­doch kei­nen Nut­zen für die Supple­men­ta­ti­on mit Vit­amin D oder Kal­zi­um zei­gen. We­der ein­zeln noch in Kom­bi­na­ti­on kam es zu we­ni­ger Kno­chen­brü­chen bei Men­schen über 50. Da­für tra­ten ver­mehrt Nie­ren­stei­ne auf. „Es gibt kei­ne stich­hal­ti­gen Be­wei­se, dass Men­schen von den Prä­pa­ra­ten pro­fi­tie­ren, das gilt für Frau­en vor wie nach den Wech­sel­jah­ren“, schluss­fol­gern die Ex­per­ten. In jüngs­ter Zeit auf­kom­men­de Hin­wei­se, dass Er­gän­zungs­mit­tel auch das Ri­si­ko für Herz­kreis­lauf­lei­den er­hö­hen, konn­ten nicht be­stä­tigt wer­den.

Vie­len äl­te­ren Men­schen wird Angst ge­macht, dass sie un­wei­ger­lich Os­teo­po­ro­se be­kom­men wür­den, wenn sie nicht den An­prei­sun­gen in­ter­es­sier­ter Ärz­te und der Nah­rungs­er­gän­zungs­in­dus­trie fol­gen. Die­se Sor­ge ist bei aus­ge­wo­ge­ner Er­näh­rung und Be­we­gung un­be­grün­det. Schon 2015 hat­ten schwe­di­sche Ärz­te da­vor ge­warnt, äl­te­re Men­schen in gro­ßem Stil krank zu re­den und die an­geb­li­che Min­dest­men­ge für die täg­li­che Zu­fuhr an Kal­zi­um und Co. zu über­trei­ben. Legt man bei­spiels­wei­se die un­se­ri­ös über­höh­ten Emp­feh­lun­gen der Os­teo­po­ro­se­ver­ei­ni­gung der USA zu­grun­de, wä­re fast je­der über 50 er­höh­ten Ri­si­ken aus­ge­setzt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.