Es geht um Macht, nicht um Zah­len

Ita­li­ens Par­la­ment bil­ligt den Etat­plan der Re­gie­rung – und so die Kol­li­si­on mit Brüs­sel

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 8 POLITIK - Oli­ver mei­ler

Rom – Die fi­na­le Macht­pro­be zwi­schen Rom und Brüs­sel um die ita­lie­ni­schen Haus­halts­plä­ne lässt sich wohl nicht mehr ver­hin­dern. Trotz Vor­be­hal­ten al­ler na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Wirt­schafts­und Fi­nanz­in­sti­tu­tio­nen hat das rö­mi­sche Par­la­ment das „Do­cu­men­to di eco­no­mia e fi­nan­za“, bes­ser be­kannt un­ter dem Akro­nym „Def“, der po­pu­lis­ti­schen Re­gie­rung von den Cin­que Stel­le und der rech­ten Le­ga ge­bil­ligt. Am Mon­tag soll das Do­ku­ment der EU-Kom­mis­si­on un­ter­brei­tet werden. Die hat be­reits mehr­mals ver­lau­ten las­sen, dass sie die Plä­ne miss­bil­ligt. Not­falls könn­te sie Sank­tio­nen ge­gen Ita­li­en ver­hän­gen.

Def gibt nur die gro­ßen Li­ni­en des künf­ti­gen ita­lie­ni­schen Etats an. Die ge­nau­en Maß­nah­men, Ter­mi­nie­rung und Fi­nan­zie­rung sol­len in ei­nem zwei­ten Schritt, bei der Etat­de­bat­te im Par­la­ment, be­stimmt werden. Im Def in­ter­es­siert nur ei­ne Pro­zent­zahl: 2,4 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP), mit so viel De­fi­zit rech­net die Re­gie­rung für 2019. Das BIP lag 2017 bei rund 1,7 Bil­lio­nen Eu­ro, dann wür­den 2,4 Pro­zent rund 40 Mil­li­ar­den Eu­ro be­tra­gen. Das ist des­halb höchst um­strit­ten, weil Ita­li­en nach Grie­chen­land die zweit­höchs­ten Staats­schul­den hat und mit Brüs­sel ein De­fi­zit von 0,8 Pro­zent aus­ge­macht war, da­mit der Schul­den­berg von rund 2,3 Bil­lio­nen Eu­ro (132 Pro­zent des BIP) et­was ab­ge­tra­gen werden kann. Mit 2,4 Pro­zent wächst er wei­ter.

„Ich selbst hät­te ja lie­ber noch viel mehr De­fi­zit ge­macht“, sagt der Vi­ze­pre­mier

Der Streit han­delt nur vor­der­grün­dig vom Bud­get und der Uner­schwing­lich­keit der Wahl­ver­spre­chen: des Bür­ger­gelds vor al­lem, ei­ner Ren­ten­auf­bes­se­rung und der Steu­er­er­leich­te­rung für Hun­dert­tau­sen­de Klein­fir­men. Die Po­pu­lis­ten su­chen den Kon­flikt vor al­lem aus po­li­ti­schen Grün­den. So ist auch die jüngs­te Aus­sa­ge von Pre­mier Gi­u­sep­pe Con­te zu ver­ste­hen: „Das Par­la­ment hat ge­spro­chen, und es ver­tritt das Volk“, sag­te er. Die Re­gie­rung sei über­zeugt von dem, was sie tue, egal, wie Brüs­sel und die Märk­te re­agier­ten. In­nen­mi­nis­ter Mat­teo Sal­vi­ni, star­ker Mann im Ka­bi­nett, füg­te an, man wer­de dem Druck nicht nach­ge­ben. „Ich selbst hät­te ja lie­ber noch viel mehr De­fi­zit ge­macht“, sag­te er. „Aber ei­nes nach dem an­de­ren.“

Staats­prä­si­dent Ser­gio Mat­ta­rel­la fühl­te sich er­neut ge­drängt, den Mäch­ti­gen ih­re Gren­zen auf­zu­zei­gen. Macht be­rau­sche, sag­te er. Die Ver­fas­sung aber schüt­ze die Un­ab­hän­gig­keit re­pu­bli­ka­ni­scher Kon­troll­in­stan­zen und In­sti­tu­tio­nen. Er mein­te auch die Zen­tral­bank Ban­ca d’Ita­lia. Vi­ze­pre­mier Lu­i­gi Di Maio von den Fünf Ster­nen hat­te nach de­ren Kri­tik ge­sagt, die Zen­tral­ban­ker könn­ten ja bei der nächs­ten Wahl kan­di­die­ren, wenn ih­nen das Bud­get nicht pas­se.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.