Ve­to löst Eklat aus

Po­len pro­tes­tiert ge­gen Pas­sa­ge in EU-Grund­rech­te-Er­klä­rung

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 8 POLITIK - Sz

Lu­xem­burg – Bei Be­ra­tun­gen über die Um­set­zung der eu­ro­päi­schen Grund­rech­te-Char­ta ist es im Kreis der EU-Jus­tiz­mi­nis­ter zum Eklat mit Po­len ge­kom­men. Das Land pro­tes­tier­te nach An­ga­ben von Di­plo­ma­ten ge­gen ei­nen Hin­weis auf die Dis­kri­mi­nie­rung von Schwu­len und Les­ben und trug ei­ne ge­plan­te Er­klä­rung der Mi­nis­ter nicht mit.

Teil­neh­mer be­rich­te­ten aus der Sit­zung, die Span­nung im Raum sei deut­lich spür­bar ge­we­sen. Ei­ni­ge Ver­tre­ter hät­ten es als Schan­de be­zeich­net, dass sich die EU-Län­der nicht auf ei­ne ge­mein­sa­me Po­si­ti­on beim The­ma Grund­rech­te hät­ten ei­ni­gen kön­nen. „Das ist ein prä­ze­denz­lo­ser Vor­gang“, hieß es in Teil­neh­mer­krei­sen. „Der Un­mut über Po­len ist sehr groß.“Das Land steht seit knapp ei­nem Jahr we­gen mög­li­cher Ge­fähr­dung von EU-Grund­wer­ten durch sei­ne Jus­tiz­re­form am Pran­ger.

Zur De­bat­te am Don­ners­tag stand ei­ne of­fi­zi­el­le Er­klä­rung – so­ge­nann­te Rats­schluss­fol­ge­run­gen – zur Um­set­zung der Char­ta der Grund­rech­te der EU, die je­des Jahr ab­ge­ge­ben wird. Sie ent­hält ei­ne Art Bi­lanz zum Stand der Grund­rech­te in der EU. Der Streit mit Po­len ent­zün­de­te sich laut Teil­neh­mern an ei­ner Pas­sa­ge mit dem Hin­weis, dass se­xu­el­le Min­der­hei­ten häu­fig Op­fer von Dis­kri­mi­nie­rung, Ge­walt und Hass sei­en. Man neh­me die Maß­nah­men der EU-Kom­mis­si­on zur För­de­rung der Gleich­stel­lung von LGBTI-Per­so­nen mit In­ter­es­se zur Kennt­nis. Die­se For­mu­lie­rung ha­be Po­len nicht mit­tra­gen wol­len, hieß es. Da Ein­stim­mig­keit nö­tig war, kam der Be­schluss nicht zu­stan­de.

Statt­des­sen gab es ei­ne gleich­lau­ten­de Er­klä­rung des Rats­vor­sit­zes Ös­ter­reich, der sich al­le an­de­ren EU-Staa­ten bis auf Po­len an­schlos­sen. Auch Un­garn stimm­te zu. Von pol­ni­scher Sei­te ver­lau­te­te, man ha­be den Text auch des­halb nicht mit­tra­gen kön­nen, weil in ei­nem Ab­schnitt über die Dis­kri­mi­nie­rung „re­li­giö­ser Grup­pen“in Eu­ro­pa der ge­wünsch­te Ein­schub „ins­be­son­de­re Chris­ten und Ju­den“fehl­te.

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