Druck­wel­len ge­gen das Kö­nigs­haus

Saudi-Arabien wird be­schul­digt, den Jour­na­lis­ten Khas­hog­gi ge­tö­tet zu ha­ben. Ver­bün­de­te drin­gen auf Auf­klä­rung, Un­ter­neh­men dis­tan­zie­ren sich

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK 9 - Cas­par bus­se, cers­tin gam­melin, paul-an­ton krü­ger

München – Die Tür­kei hat die US-Re­gie­rung in­for­miert, dass sie über Vi­deo- und Ton­auf­nah­men ver­fü­ge, die be­le­gen sol­len, dass der ver­schwun­de­ne saudi-ara­bi­sche Jour­na­list Ja­mal Khas­hog­gi im Ge­ne­ral­kon­su­lat des Kö­nig­reichs in Istan­bul ge­tö­tet wor­den ist. Das be­rich­tet die Wa­shing­ton Post un­ter Be­ru­fung auf ame­ri­ka­ni­sche und tür­ki­sche Re­gie­rungs­mit­ar­bei­ter. Of­fen ist, ob An­ka­ra den US-Be­hör­den die Auf­nah­men vor­ge­führt hat. Khas­hog­gi sei ver­hört, ge­fol­tert und um­ge­bracht wor­den, das ge­he aus den Auf­nah­men her­vor, auf de­nen sei­ne Stim­me und wei­te­re Män­ner zu hö­ren sei­en, die Ara­bisch spre­chen.

Die Tür­kei hat die Auf­nah­men nicht pu­blik ge­macht, wo­mög­lich weil sie Rück­schlüs­se dar­auf zu­las­sen, wie tür­ki­sche Si­cher­heits­be­hör­den die Ver­tre­tung über­wach­ten oder wie sich die Ge­heim­diens­te die In­for­ma­tio­nen an­der­wei­tig be­schafft ha­ben; Khas­hog­gi trug ei­ne elek­tro­ni­sche Uhr. Der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­doğan hat Saudi-Arabien auf­ge­for­dert, Be­wei­se für die Be­haup­tung vor­zu­le­gen, dass der Kri­ti­ker von Kron­prinz Mo­ham­med bin Sal­man das Kon­su­lat le­bend ver­las­sen ha­be. Er macht sich die Mord­vor­wür­fe nicht of­fi­zi­ell zu ei­gen. Er will wohl Ab­stim­mung mit den USA er­mög­li­chen und die Mög­lich­keit ei­ner für bei­de Sei­ten ge­sichts­wah­ren­den Lö­sung of­fen­hal­ten.

Da­für spricht auch, dass An­ka­ra sich auf Wunsch Riads zu ge­mein­sa­men Er­mitt­lun­gen mit Saudi-Arabien be­reit er­klärt hat. An die­sem Sams­tag soll ei­ne sau­di­sche De­le­ga­ti­on in An­ka­ra ein­tref­fen. Dar­an knüpft die Tür­kei die Er­war­tung, bald das Kon­su­lat durch­su­chen zu dür­fen. Da­zu hat­te der Kron­prinz per­sön­lich die tür­ki­schen Be­hör­den ein­ge­la­den.

In­zwi­schen steigt der in­ter­na­tio­na­le Druck auf das Kö­nigs­haus, Khas­hog­gis Ver­schwin­den auf­zu­klä­ren. Zwar sprach sich US-Prä­si­dent Do­nald Trump da­ge­gen aus, Waf­fen­lie­fe­run­gen an Saudi-Arabien zu stop­pen, weil sonst Russ­land oder Chi­na das Ge­schäft ma­chen wür­den. Sei­ne Re­gie­rung steht aber un­ter mas­si­vem Druck von Se­na­to­ren bei­der Par­tei­en, die ein Un­ter­su­chungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet ha­ben.

„Wenn sich be­wahr­hei­tet, was wir heu­te al­le den­ken, dann wird es Sank­tio­nen auf höchs­ter Ebe­ne ge­ben müs­sen“, sag­te der Re­pu­bli­ka­ner Bob Cor­ker, Vor­sit­zen­der des Aus­schus­ses für aus­wär­ti­ge An­ge­le­gen­hei­ten. Soll­te es Be­wei­se ge­ben, dass Saudi-Arabien Khas­hog­gi ha­be er­mor­den las­sen, wer­de das die Be­zie­hun­gen zu den USA ver­än­dern. Trumps Si­cher­heits­be­ra­ter John Bol­ton, sein Be­ra­ter Ja­red Kush­ner so­wie Au­ßen­mi­nis­ter Mi­ke Pom­peo te­le­fo­nier­ten mit dem sau­di­schen Kron­prin­zen und dran­gen auf Auf­klä­rung. Bei der Rück­kehr von Bot­schaf­ter Kha­lid bin Sal­man, Bru­der des Kron­prin­zen, von Ri­ad nach Wa­shing­ton, er­war­te man In­for­ma­tio­nen, teil­te das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um mit.

Die Chefs meh­re­rer Kon­zer­ne sa­gen die Teil­nah­me an ei­ner In­ves­to­ren­kon­fe­renz in Ri­ad ab

Auch Frank­reich ver­langt Auf­klä­rung, eben­so die Bun­des­re­gie­rung. Ihr Spre­cher Stef­fen Sei­bert sag­te, Khas­hog­gis Schick­sal müs­se „so schnell und gründ­lich wie mög­lich auf­ge­klärt“werden. Dann ent­schei­de man über das wei­te­re Vor­ge­hen. Der sau­di­sche Bot­schaf­ter in Deutsch­land war erst jüngst nach Berlin zu­rück­ge­kehrt, nach­dem Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas mo­na­te­lan­ge Ver­stim­mun­gen in Ri­ad über Äu­ße­run­gen sei­nes Vor­gän­gers Sig­mar Ga­b­ri­el aus­ge­räumt hat­te.

Saudi-Arabien be­strei­tet ve­he­ment, et­was mit dem Ver­schwin­den Khas­hog­gis zu tun zu ha­ben. Trotz­dem dis­tan­zier­ten sich ei­ni­ge Un­ter­neh­mer und Vor­stands­chefs, die mit dem Kö­nig­reich Ge­schäf­te ma­chen oder an der be­vor­ste­hen­den In­ves­to­ren­kon­fe­renz „Fu­ture In­vest­ment Initia­ti­ve“En­de Ok­to­ber in Ri­ad teil­neh­men soll­ten, die un­ter der Schirm­herr­schaft des Kron­prin­zen steht. Der Mil­li­ar­där Richard Bran­son, Chef der Vir­gin Group, setz­te sei­ne Ge­schäfts­be­zie­hun­gen mit Saudi-Arabien aus. Die Chefs der Un­ter­neh­men Uber, Vi­a­com und der Mil­li­ar­där Ste­ve Ca­se sag­ten ih­re Teil­nah­me ab. Die New York Ti­mes kün­dig­te ih­re Part­ner­schaft mit der Kon­fe­renz, die Fi­nan­ci­al Ti­mes, der Eco­no­mist und kün­dig­ten an fern­zu­blei­ben.

Da­ge­gen hält der deut­sche Sie­men­sKon­zern, der als „stra­te­gi­scher Part­ner“der Kon­fe­renz auf­tritt, an der Zu­sam­men­ar­beit und der Teil­nah­me des Vor­stands­chefs fest. Ein Sie­mens-Spre­cher sag­te der Süd­deut­schen Zei­tung: „Wir be­ob­ach­ten die Si­tua­ti­on und ver­fol­gen den Fall sehr ge­nau. Nach der­zei­ti­gem Stand plant Joe Ka­e­ser die Teil­nah­me an der Kon­fe­renz.“Die Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Ro­land Ber­ger teil­te mit, man be­ob­ach­te die Si­tua­ti­on und ha­be noch kei­ne ab­schlie­ßen­de Ent­schei­dung ge­trof­fen. Sie ist als „Gip­fel­part­ner“der Kon­fe­renz aus­ge­wie­sen, Un­ter­neh­mens­chef Charles-Édouard Bouée soll­te dort wie Ka­e­ser auf­tre­ten.

Teil­neh­men sol­len auch hoch­ran­gi­ge Po­li­ti­ker, et­wa US-Fi­nanz­mi­nis­ter Ste­ven Mnu­ch­in und die Che­fin des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF), Chris­ti­ne La­g­ar­de. Ein IWF-Spre­cher sag­te der SZ, die IWF-Che­fin „plant Mit­te Ok­to­ber ei­ne grö­ße­re Rei­se in die Re­gi­on, die Re­de auf dem Wirt­schafts­fo­rum ist nur ei­ne Sta­ti­on von meh­re­ren“. Der IWF ver­fol­ge die Ent­wick­lung in dem Fall sehr ge­nau und wer­de „nach der der­zeit statt­fin­den­den IWF-Jah­res­ta­gung auf Ba­li ent­schei­den, ob Frau La­g­ar­de wie ge­plant die Re­de hal­ten wird.“

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