SPRACHLABOR

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 14 FORUM & LESERBRIEFE - Her­mann un­ter­stö­ger

DEM FREMDSCHÄMEN fiel Le­ser T. an­heim, als er auf die Wen­dung „in keins­ter Wei­se“stieß. In der Tat gilt die Stei­ge­rung des In­de­fi­nit­pro­no­mens kein als ab­so­lut ver­pönt, um nicht zu sa­gen als ga­ga bzw. No-Go. Da­zu ein Gol­de­nes Wort aus Grimms Wör­ter­buch: „Was den Ge­brauch von kein be­trifft, so hat es sich von je­her nach sei­nem Va­ter ein als sei­nem Vor­bild ge­rich­tet“– und ein zu stei­gern ist bis­her kei­nem ein­ge­fal­len. Man fin­det zur keins­ten Wei­se im In­ter­net im­mer wie­der den Hin­weis, es hand­le sich da­bei um ei­nen Ela­tiv, ei­ne Art von Su­per­la­tiv hoch zwei. Das ist weit her­ge­holt und in­so­fern nicht stich­hal­tig, als der Ela­tiv üb­li­cher­wei­se von Ad­jek­ti­ven oder ad­ver­bi­al ge­brauch­ten Ad­jek­ti­ven ge­bil­det wird: ge­fäl­lig, ge­fäl­ligst. Die Flos­kel in keins­ter Wei­se ist um­gangs­sprach­lich und kommt, wie ein Blick ins Archiv lehrt, haupt­säch­lich in Zi­ta­ten von Lan­des­und Bun­des­po­li­ti­kern vor.

DAS PLUSQUAMPERFEKT gilt als so we­nig se­xy wie das 2. Fu­tur und wird dar­über hin­aus oft für falsch ge­hal­ten. Un­ser Le­ser M. bringt da­für die­sen (ver­kürz­ten) Satz aus ei­ner Agen­tur­mel­dung bei: „Die Are­na war als Olym­pia­sta­di­on ge­plant ge­we­sen.“Sei­ner An­sicht nach hät­te es „war/wur­de ge­plant“oder „ist ge­plant wor­den“hei­ßen müs­sen, da Haupt­sät­ze nicht mit dem Plusquamperfekt zu bil­den sei­en. Das ist im Prin­zip rich­tig und lässt sich da­mit sinn­fäl­lig ma­chen, dass man nicht „Ich war im Kino ge­we­sen“sagt, son­dern „Ich war im Kino“. An­ders wird die Sa­che, wenn das Plusquamperfekt in sei­ner Funk­ti­on als re­la­ti­ves Tem­pus auf­tritt, wenn mit ihm al­so, wie die Du­den-Gram­ma­tik sagt, „die Zeit ei­ner zwei­ten Ver­hal­tens­wei­se auf die Zeit ei­ner ers­ten be­zo­gen“wird. Un­se­re Agen­tur­mel­dung fuhr mit der Aus­sa­ge fort, dass die Plä­ne ge­än­dert wur­den und aus dem Olym­pia- ein Fuß­ball­sta­di­on wur­de. Mi­t­hin stellt die ur­sprüng­li­che Pla­nung ein in der Ver­gan­gen­heit ab­ge­schlos­se­nes Ge­sche­hen dar und hat al­les Recht, im Plusquamperfekt vor­ge­stellt zu werden.

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