Ma­ma, Pa­pa, Stress

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 14 FORUM & LESERBRIEFE -

„Lasst Pa­pa mal ran“vom 6./7. Ok­to­ber:

Nur der Sonn­tag ge­hört uns

Fa­mi­lie und die ent­spre­chen­de All­tags­or­ga­ni­sa­ti­on sind bei uns die The­men. Hier die nack­ten Fak­ten: Wir sind bei­de Mit­te drei­ßig, ha­ben ein Kind. El­tern­zeit: Je­der sie­ben Mo­na­te und auch sonst ist al­les fair auf­ge­teilt. Es gin­ge gar nicht an­ders. Ar­beit: Bei­de Voll­zeit, ge­gen­läu­fi­ge Schich­ten, da­mit ei­ner das Kind in den Kin­der­gar­ten brin­gen und der an­de­re es von dort wie­der ab­ho­len kann. Un­se­re Jobs er­lau­ben we­der Ho­me­of­fice noch ar­beits­zeit­li­che Fle­xi­bi­li­tät. Wir Er­wach­se­ne ha­ben mehr Kon­takt mit den Kol­le­gen als mit­ein­an­der als Fa­mi­lie. Nur der Sonn­tag ge­hört uns drei­en. Wir ver­die­nen zu we­nig, um in Teil­zeit zu ge­hen, und zu viel, um staat­lich ali­men­tiert werden zu kön­nen. Ich nen­ne das Gan­ze gern die Voll­zeit­fal­le. Wir brau­chen das Geld, das wir ver­die­nen jetzt und nicht ir­gend­wann, wenn das Kind groß ist. Des­halb ar­bei­ten wir jetzt in Voll­zeit und sto­cken nicht spä­ter wie­der auf.

Und hier die Fra­gen: Soll es das jetzt ge­we­sen sein? Was ist denn nun mit uns als stram­peln­der Fa­mi­lie? Was kommt zu­rück? Wo bleibt die (staat­li­che) Un­ter­stüt­zung, die uns Raum und Zeit für­ein­an­der schafft? Die so herr­lich ro­man­ti­sier­te fai­re Auf­tei­lung al­ler Her­aus­for­de­run­gen des All­tags ist tü­ckisch und not­wen­dig zu­gleich. Sie er­schafft ein Rä­der­werk des blo­ßen Funk­tio­nie­rens (gut für Ge­sell­schaft und Staat) und ver­gisst, dass Fa­mi­lie Raum für Krea­ti­vi­tät und Mu­ße braucht. Es geht bei Kin­dern und Fa­mi­lie nicht nur um Gut­ver­die­ner, die Teil­zeit in Er­wä­gung zie­hen kön­nen. Es gibt auch die ganz nor­ma­len Be­ru­fe, am un­te­ren Rand der mitt­le­ren Ein­kom­men, wenn man so will. Ger­ne wür­den wir „nur“vier Ta­ge, das heißt 30/32 St­un­den in der Wo­che ar­bei­ten. Es geht aber nicht oh­ne ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich da­für. Schließ­lich zie­hen wir (al­le El­tern) neue Steu­er­zah­ler, al­so Ar­beit­neh­mer und Wäh­ler her­an.

Wie wä­re bei­spiels­wei­se ein Fa­mi­li­en­grund­ein­kom­men? Viel­leicht in Stu­fen aus­schlei­chend mit Zu­nah­me der kind­li­chen Selbst­stän­dig­keit nach Schul­ein­tritt. Es muss hier staat­li­cher­seits ein­fach noch viel mehr pas­sie­ren. Kat­ja Hr­di­na, Berlin

Bit­te nicht ab­qua­li­fi­zie­ren

Im Mit­tel­teil des Ar­ti­kels geht die Au­to­rin kurz dar­auf ein, was die El­tern an ih­re Kin­der der jet­zi­gen El­tern­ge­ne­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben ha­ben. Ih­re sehr kur­ze Darstel­lung ist mei­nes Erach­tens zu pau­schal. Mei­ne Mut­ter, Jahr­gang 1934, hat mir zum Bei­spiel ne­ben vie­len an­de­ren Din­gen mit­ge­ge­ben, dass es wich­tig für Frau­en ist, ei­nen Be­ruf zu er­ler­nen und selb­stän­dig zu sein. Gleich­zei­tig be­stand sie in Ge­sprä­chen dar­auf, dass nicht nur Be­rufs­tä­ti­ge ar­bei­ten, son­dern auch Haus­frau­en/Haus­män­ner. In Ih­rem Ar­ti­kel klingt das je­doch ganz an­ders: „… die glu­cken­den Frau­en, die gar nicht ar­bei­ten wol­len“, „Ent­schei­det sel­ber, ob Ihr bei­de ar­bei­ten wollt“oder „dass sich Ar­bei­ten für ver­hei­ra­te­te Frau­en nicht lohnt“. Bit­te nicht die Frau­en durch die Wort­wahl ab­qua­li­fi­zie­ren! Ka­rin Feld­mann, Aachen

Gleich mit ge­recht ver­wech­selt

Ja, wir wol­len Wahl­frei­heit! Aber ech­te Wahl­frei­heit! Es ver­är­gert uns, wenn „gleich“mit „ge­recht“ver­wech­selt wird und tra­di­tio­nel­le Fa­mi­li­en als rück­stän­dig und un­eman­zi­piert hin­ge­stellt werden. Po­li­tisch ge­ben wir der Au­to­rin da­bei weit­ge­hend recht: Ehe­gat­ten­split­ting ge­hört ab­ge­schafft, die vie­len Ver­su­che, fa­mi­li­en­po­li­tisch durch di­ver­se Son­der­zah­lun­gen (ziem­lich er­folg­los) Ein­fluss zu neh­men, ge­hö­ren ver­ein­facht.

Aber war­um sol­len Fa­mi­li­en nicht selbst wäh­len kön­nen, nach wel­cher Art sie die Ar­bei­ten auf­tei­len wol­len? War­um ist das schwe­di­sche Mo­dell an­geb­lich bes­ser, wenn es wie­der die Wahl­frei­heit ein­schränkt, in­dem die Prä­mi­en­zah­lun­gen von der Auf­tei­lung der El­tern­zeit ab­hän­gen – beim Ehe­gat­ten­split­ting wur­de die­se ein­sei­ti­ge Be­vor­zu­gung noch als ka­ta­stro­phal und un­ge­recht hin­ge­stellt? Es mag zwar „glei­cher“sein, wenn Ar­beit in zwei ge­nau glei­che Por­tio­nen auf­ge­teilt wird, „ge­rech­ter“ist dies aber si­cher nicht und qua­li­ta­tiv wert­vol­ler auch nicht. Uns ist es lie­ber, wenn ein Part­ner sehr gut ko­chen kann, der an­de­re da­für die Or­ga­ni­sa­ti­on der Kin­der­ter­mi­ne meis­tert, als dass bei­de nur Spie­gel­ei­er ko­chen und das ge­mein­sa­me Or­ga­ni­sie­ren miss­lingt. Auch dass bei uns die Ehe­frau we­ni­ger Ein­kom­men nach Hau­se bringt und da­mit auch we­ni­ger Ren­te er­hal­ten wird, stört uns nicht, weil wir uns nicht als Kon­kur­ren­ten se­hen. Un­ser Ge­samt­sys­tem Fa­mi­lie lei­det nicht un­ter ei­ner deut­li­chen Ar­beits­tei­lung, son­dern pro­fi­tiert da­von.

Wer die an­geb­lich so mo­der­ne Gleich­ma­che­rei prüft, der ver­strickt sich sehr schnell in Wi­der­sprü­che. Das könn­te ein Hin­weis dar­auf sein, dass ein tra­di­tio­nel­les Fa­mi­li­en­bild eben nicht nur Nach­tei­le hat. Den „Schnul­ler un­ter dem So­fa“kann Pa­pa auch nach Fei­er­abend mal su­chen. Das Stil­len aber kann er schlecht über­neh­men, wes­halb wir es ziem­lich un­ver­ant­wort­lich fin­den, dass Neu­see­lands Pre­mier­mi­nis­te­rin nur sechs Wo­chen zu Hau­se blieb. Hel­gund und Holger Nach­ti­gall

Sach­sen­ried

SZ-ZEICHNUNG: KA­RIN MIHM

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