Dia­na Vish­ne­va

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 16 FEUILLETON - Do­ri­on weick­mann

Per Twit­ter ver­kün­de­te die Pri­ma­bal­le­ri­na Dia­na Vish­ne­va im Mai die­ses Jah­res die Ge­burt ih­res ers­ten Kin­des. Ei­ne Über­ra­schung, denn die Schwan­ger­schaft war an der bal­let­t­in­ter­es­sier­ten Öf­fent­lich­keit vor­bei­ge­gan­gen. Die Tän­ze­rin hat­te sich zu­rück­ge­zo­gen, was kaum auf­fiel, weil sie auch sonst stän­dig zwi­schen New York, Sankt Pe­ters­burg und an­de­ren Bal­lett-Me­tro­po­len un­ter­wegs ist. Wie al­les im Le­ben der Rus­sin schien die Nie­der­kunft per­fekt ge­timt zu sein. Pünkt­lich zum Mut­ter­tag kam der Nach­wuchs auf die Welt. Er hört auf den Na­men Ru­dolf Vic­tor, ei­ne Re­ve­renz vor Nu­re­jew, den gro­ßen Bal­le­ri­no, und den Groß­va­ter müt­ter­li­cher­seits.

Vish­ne­va, 42 Jah­re alt, war und ist ei­ne Aus­nah­me­künst­le­rin. Ei­ne fu­rio­se Tän­ze­rin, die zwi­schen En­gel und Erin­nye je­de Aus­drucks­far­be be­herrscht und welt­weit als Gast­star ge­bucht wird. Noch ver­schwen­det sie kei­nen Ge­dan­ken ans Auf­hö­ren, geht lie­ber be­hut­sam mit sich und ih­rem im Tanz­all­tag stra­pa­zier­ten Kör­per um. Sechs Wo­chen ver­bo­ten ihr die Ärz­te das Trai­ning, da­nach durf­te sie noch im­mer nicht viel tun. In ei­nem In­ter­view sag­te sie, Mus­kel­ge­dächt­nis hin oder her, „ich stand ganz am An­fang.“Den­noch steht sie wie­der auf der Büh­ne, ge­ra­de erst in Pa­ris mit ei­nem „Bo­lé­ro“von Ohad Na­ha­rin – ein Tri­umph.

Frei­lich ist La Vish­ne­va klug ge­nug, um für die Zu­kunft zu pla­nen. Schon in den letz­ten Jah­ren hat sie ihr Ge­schäfts­feld be­trächt­lich er­wei­tert. Zum Bei­spiel mit der Grün­dung ei­nes ei­ge­nen Stu­di­os oder als Ko­pro­du­zen­tin ver­schie­de­ner Events. Im De­zem­ber hebt sie „Sleeping Be­au­ty Dreams“in den USA mit aus der Tau­fe, ei­ne tie­fen­psy­cho­lo­gi­sche und mul­ti­me­dia­le „Dorn­rös­chen“-Va­ri­an­te in der Cho­reo­gra­fie von Ed­ward Clug. Aber zu­erst fin­det von 15. Ok­to­ber an die fünf­te Aus­ga­be von „Con­text“statt, ihr mit vie­len Meis­ter­tän­zern be­stück­tes Fes­ti­val für zeit­ge­nös­si­schen Tanz in Mos­kau und Sankt Pe­ters­burg. Längst hat sie auch an­de­re Städ­te im Blick, Je­ka­te­r­in­burg und Perm in Russ­land, au­ßer­dem Tel Aviv und London. Ge­ra­de scheint ihr ei­gent­lich so gut wie al­les zu ge­lin­gen, viel­leicht liegt es an ih­rem Cre­do, so na­iv wie un­schlag­bar: „Sei du selbst, bleib du selbst – was im­mer pas­siert.“

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