Der Win­ter wird teu­er

Schluss mit bil­li­ger Ener­gie: Heiz­öl­käu­fer spü­ren die ge­stie­ge­nen Roh­öl­prei­se am meis­ten. Es gibt aber auch noch wei­te­re Grün­de für teu­re Tank­fül­lun­gen und lan­ge Lie­fer­zei­ten

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - WIRTSCHAFT 25 - Jan will­m­roth

Frank­furt – Die Preis­kur­ven se­hen ver­däch­tigd­a­nach aus, als wie­der­ho­le sich ge­ra­de die Geschichte. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ha­ben die Öl­prei­se in Eu­ro ge­rech­net ein ähn­li­ches Ni­veau er­reicht wie En­de des Jah­res 2007, als die Fi­nanz­kri­se dieWelt in ei­ne Re­zes­si­on stürz­te. We­ni­ge Wo­chen­wer­den­noch­ver­ge­hen, ehe­dieUSSank­tio­nen ge­gen Iran in Kraft tre­ten und mut­maß­lich ei­ne er­heb­li­che Men­ge Erd­öl vomWelt­markt ver­schwin­den wird.

In vor­aus­ei­len­dem Ge­hor­sam be­stel­len Im­por­teu­re schon we­ni­ger Öl aus Iran, ei­ne stär­ker als pro­gnos­ti­ziert stei­gen­de Nach­fra­ge und Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen der Pe­tro­staa­ten ha­ben den Öl­preis auf den höchs­ten Stand seit vier Jah­ren ge­trie­ben. „Teu­re Ener­gie ist zu ei­nem schlech­ten Zeit­punkt für die Welt­wirt­schaft zu­rück­ge­kehrt“, warnt Fa­tih Bi­rol, Chef der In­ter­na­tio­na­len Ener­gie­agen­tur.

Ver­brau­cher in­Deutsch­land trifft­das di­rekt, al­len vor­an je­ne, die ih­re Häu­ser und Woh­nun­gen mit Öl hei­zen. Die Roh­öl­prei­se be­ein­flus­sen die Kos­ten für den Treib­stoff in den hei­mi­schen Tanks fast un­mit­tel­bar. DieHeiz­öl­prei­se stie­gen so­gar noch schnel­ler als die Roh­stoff­no­tie­run­gen: We­gen des au­ßer­ge­wöhn­lich tro­cke­nen Som­mers sind die Pe­gel­stän­de der wich­tigs­ten Was­ser­stra­ßen zu nied­rig für die Bin­nen­schif­fe, die das Öl von den Raf­fi­ne­ri­en in Ant­wer­pen, Rot­ter­da­mun­dAms­ter­dam­zu deut­schen Öl­händ­lern brin­gen. Die Tan­ker kön­nen nicht voll be­füllt werden, es kommt mehr Treib­stoff per Lkw und Zug. „Die Fracht­kos­ten sind des­halb er­heb­lich ge­stie­gen“, sagt Klaus Berg­mann, Ge­schäfts­füh­rer des On­li­ne-Heiz­öl­mak­lers Esyoil. „Die ho­he Nach­fra­ge tut ihr Üb­ri­ges. Ver­brau­cher müs­sen mo­men­tan mit Lie­fer­zei­ten von 30 Ta­gen rech­nen.“

Berg­mann hat be­ob­ach­tet, wie zahl­rei­che Kun­den in die­sem Jahr ver­sucht ha­ben, die stei­gen­den Öl­prei­se aus­zu­sit­zen. In den Som­mer­mo­na­ten be­stell­ten sie un­ge­wöhn­lich we­nig. Als der Herbst be­vor­stand, die Öl­tanks in vie­len Haus­hal­ten leer­wa­ren­und­die Bör­sen­prei­se für Roh­öl­kon­trak­te­wei­ter stie­gen, be­stell­ten­imSep­tem­ber so vie­leKun­den­auf ein­mal, dass es zu re­gio­na­len Lie­fer­eng­päs­sen kam. Die­serNach­fra­ge­druck hält an, wie Berg­mann be­ob­ach­tet. „Ver­brau­cher ha­ben ei­gent­lich ein recht gu­tesGe­spür da­für, wann sie güns­tig ein­kau­fen“, sagt er. Das seiim Lauf die­ses Jah­res nicht so ge­we­sen. Vie­leTank­fül­lun­gen wa­ren al­so teu­rer als nö­tig.

Wer bis jetzt mit de­mHeiz­öl­kauf für die Win­ter­zeit ge­war­tet hat, steht vor ei­ner schwie­ri­gen Kal­ku­la­ti­on. Je nach­dem, wie die re­gio­na­le Ver­sor­gungs­la­ge ist, soll­te man die lan­gen Lie­fer­zei­ten be­den­ken – vor al­lem in Bay­ern, wo An­fang Sep­tem­ber ei­ne Raf­fi­ne­rie bei In­gol­stadt ex­plo­dier­te. Der Ver­such, die Si­tua­ti­on aus­zu­sit­zen, ist mög­li­cher­wei­se ein Feh­ler, denn nach wie vor ist es nicht un­wahr­schein­lich, dass die Öl­prei­se min­des­tens bis zum Jah­res­en­de wei­ter stei­gen. Neu­es­te Pro­gno­sen der USE­ner­gie­be­hör­de EIA rech­nen mit ei­ner­we­ni­ger an­ge­spann­ten Ver­sor­gungs­la­ge auf de­mWelt­markt in den ers­tenMo­na­ten des kom­men­den Jah­res. Nach­dem die Öl­prei­se in den ver­gan­ge­nen Ta­gen schon spür­bar nach­ge­ge­ben ha­ben, könn­te jetzt ein gu­ter Zeit­punkt sein, zu be­stel­len: Et­was mehr al­s80Eu­ro­kos­tet ei­ne Stan­dard­lie­fe­rung von 3000 Li­tern im Bun­des­durch­schnitt ak­tu­ell. Wer imNetz dieP­rei­se lo­ka­ler Händ­ler mit de­nen von wei­ter weg ver­gleicht, kann noch ei­ni­ge Eu­ro spa­ren.

Der lan­ge an­hal­ten­de Preis­vor­teil von Öl­hei­zun­gen aber ist da­hin, und erst­mals seit vier Jah­ren stei­gen dieHeiz­kos­ten ins­ge­samt. Im­ge­ra­de er­schie­ne­nen­Heiz­spie­gel pro­gnos­ti­ziert die Be­ra­tungs­fir­ma Co2on­line für Haus­hal­te mit Öl­kes­sel in 2018 durch­schnitt­lich ei­ne um acht Pro­zent hö­he­re Rech­nung als im ver­gan­ge­nen Jahr. Erd­gas sei da­ge­gen wie­der re­la­tiv güns­ti­ger ge­wor­den, wo­bei auch Gas­kun­den im kom­men­den Win­ter mit hö­he­ren Kos­ten rech­nen müs­sen.

Da­für ha­ben die Be­sit­zer der et­wa fünf Mil­lio­nen Öl­heiz­kes­sel jah­re­lang von der Pha­se nied­ri­ger Öl­prei­se pro­fi­tiert, und das deut­li­cher als Au­to­fah­rer. Der An­teil an Steu­ern bei Ben­zin- und Die­sel ist we­sent­lich hö­her, Schwan­kun­gen der Roh­stoff­prei­se schla­gen auf den Heiz­öl­preis schnel­ler durch. Bei ein oder zweiTank­fül­lun­genim Jahr hat derHeiz­öl­kauf da­durch au­to­ma­tisch ei­nen spe­ku­la­ti­ven Cha­rak­ter: Im­mer ste­hen Kun­den vor der Fra­ge, ob es sich loh­nen könn­te, noch zu­war­ten.

Zei­ten ho­her Prei­se sind im­mer ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, sei­nen Ver­brauch zu op­ti­mie­ren

Mit stra­te­gi­schen Emp­feh­lun­gen tun sich Fach­leu­te wie Berg­mann in der mo­men­ta­nen Si­tua­ti­on al­ler­dings schwer. Wer für den Win­ter vor­sor­gen will, soll­te die ak­tu­el­le Preis­del­le nut­zen und sei­ne Tanks auf­fül­len. Kun­den mit et­was mehr Freu­de am Ri­si­ko kön­nen erst ei­ne Teil­men­ge kau­fen und auf nied­ri­ge­re Prei­se im Fe­bru­ar oder März set­zen – müs­sen dan­na­ber auch be­reit sein, amEn­de­drauf­zu­zah­len. In je­dem Fall lohnt es sich, ge­mein­sam mit ei­nem oder zwei Nach­barn ein­zu­kau­fen. In der Re­gel ist derMen­gen­ra­batt bei meh­re­ren Stan­dard­be­stel­lun- gen noch spür­bar, ni­vel­liert sich aber bei sehr gro­ßen Men­gen. Gro­ße Sam­mel­be­stel­lun­gen er­ge­ben da­her kaum noch Sinn, zu­mal die Er­spar­nis die auf­wen­di­ge Ko­or­di­na­ti­on un­ter­mehrals drei Haus­hal­ten kaum auf­wiegt.

Ef­fek­ti­ver als un­ter­jäh­ri­ge Spe­ku­la­ti­on beimÖl­kauf ist ei­ne mit­tel- und­lang­fris­ti­ge Pla­nung des ei­ge­nen Heiz­be­darfs. Wer ef­fi­zi­ent heizt und lüf­tet, kann sei­nen Ver­brauch schon mit den vor­han­de­nen Ge­rä­ten spür­bar re­du­zie­ren. Dann und wann soll­te man au­ßer­dem durch­rech­nen, ob sich ein neu­er Kes­sel oder gar der Um­stieg auf ei­nen an­de­ren Brenn­stoff rech­net. Neue Hei­zun­gen för­dert die Bun­des­re­gie­rung über güns­ti­ge KfW-Kre­di­te und Zu­schüs­se des Bun­des­am­tes für Wirt­schaft un­dAus­fuhr­kon­trol­le. In der Ener­gie­sta­tis­tik ha­ben sol­che Maß­nah­men schon ih­re Spu­ren hin­ter­las­sen: Vor 15 Jah­ren ver­brann­te hier­zu­lan­de noch et­wa dop­pelt so viel Heiz­öl, die Zahl der Öl­hei­zun­gen aber ging seit­her nu­rum gut ein Vier­tel zu­rück. Zei­ten hö­he­rer Prei­se bie­ten im­mer ei­nen gu­ten­An­lass, den­ei­ge­nenVer­brauch zu op­ti­mie­ren. Dann ha­ben US-Sank­tio­nen, ge­de­ckel­te Pro­duk­ti­ons­men­gen und tro­cke­ne Som­mer we­ni­ger Ein­fluss auf den Kon­to­stand.

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