Starr­sinn lohnt sich

Ja­mes Dy­son wur­de mit beu­tel­lo­sen Staub­sau­gern reich, jetzt will der bri­ti­sche Tüft­ler den Lo­cken­wick­ler neu er­fun­den ha­ben. Für ihn der Be­weis, dass sich Ei­gen­sinn und Selb­stän­dig­keit aus­zah­len – auch beim Br­ex­it

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 26 WIRTSCHAFT - Von leo klimm

Pa­ris – Ja­mes Dy­son mag die EU nicht, grund­sätz­lich nicht. Er ist ein frei­heits­lie­ben­der Bri­te. Der Mann, der mit beu­tel­lo­sen Staub­sau­gern Mil­li­ar­där wur­de, ist un­be­dingt für den Br­ex­it. Als ei­ner der we­ni­gen pro­mi­nen­ten Wirt­schafts­len­ker sei­nes Lan­des. Aber als Ab­satz­markt ist ihm die EU schon wich­tig. Al­so ist Dy­son die­se Wo­che nach Pa­ris ge­reist. Denn er hat ein neu­es Pro­dukt zu ver­kau­fen.

Nun steht Sir Ja­mes, ein schlak­sig­sport­li­cher Herr von 71 Jah­ren, von der Queen längst zum Rit­ter ge­schla­gen, auf ei­ner Büh­ne im ehr­wür­di­gen Hô­tel Sa­lo­mon de Roth­schild und spricht über den „Dy­son Air­wrap“– die Neu­er­fin­dung des Lo­cken­wick­lers. An ei­ner Sträh­ne Test­haar führt er vor, wie leicht das Ge­rät zu be­die­nen sei. „So­gar ich ha­be ei­ne Lo­cke ge­dreht!“, ruft er. Brav klatscht das Be­au­ty­und Mar­ke­ting-af­fi­ne Pu­bli­kum, das für den Auf­tritt hier ver­sam­melt wur­de.

Für Dy­son selbst ist der Air­wrap aber nicht nur ein High­tech-Ge­rät zur Op­ti­mie­rung von Äu­ßer­lich­kei­ten. Es ist nach Staub­sau­gern und Hoch­leis­tungs­hand­trock­nern ein wei­te­rer Be­weis, dass sich Ei­gen­sinn lohnt. Stets hat er auf an­de­re Technologien ge­setzt als Ri­va­len wie Sie­mens und Bosch, vor al­lem auf ma­xi­ma­le Be­schleu­ni­gung von Luft. Ähn­lich sieht Dy­son das mit Bri­tan­ni­ens EU-Aus­tritt: Ei­gen­sinn bis hin zum Starr­sinn lohnt sich.

Nächs­te Wo­che mag ein wohl dra­ma­ti­scher Br­ex­it-Gip­fel in Brüs­sel an­ste­hen, bei dem die Ver­hand­lun­gen – an­ders als Dy­sons Haar­sty­ler – ziem­lich heiß lau­fen dürf­ten. Für ihn ist klar: „Es geht um Sou­ve­rä­ni­tät. Ich will, dass Groß­bri­tan­ni­en sich selbst re­giert“, sagt Dy­son im Ge­spräch mit der SZ. Am En­de wer­de der Br­ex­it das Kö­nig­reich stär­ken, da ist er sich si­cher. So, wie er selbst mit sei­nen ei­ge­nen An­sät­zen zur Fort­ent­wick­lung von All­tags­ge­rä­ten ein auf For­schung aus­ge­rich­te­tes Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men mit ei­nem Jah­res­um­satz von um­ge­rech­net vier Mil­li­ar­den Eu­ro und 12 000 Mit­ar­bei­tern er­schaf­fen hat.

Auch als Ge­schäfts­mann bleibt Sir Ja­mes der Tüft­ler, der für sei­ne tech­ni­schen Ide­en wirbt. Auf der Büh­ne in Pa­ris über­lässt er es ei­nem aus New York ein­ge­flo­ge­nen Sze­n­e­fri­seur, von dem Lo­cken­wick­ler zu schwär­men, der für 449 Eu­ro auf­wärts er­hält­lich ist. Dy­son do­ziert lie­ber über den Di­gi­tal­mo­tor, der 110 000 Um­dre­hun­gen An ei­ner Sträh­ne Test­haar de­mons­triert Sir Ja­mes Dy­son die­se Wo­che in Pa­ris die Vor­zü­ge sei­nes neu­es­ten Ge­räts. „Mei­ne Mis­si­on ist, Haa­re zu ret­ten“, sagt er. pro Mi­nu­te schafft, und über die Ver­mei­dung von Hit­ze, die bei Kon­kur­renz­pro­duk­ten das Haar schä­di­ge. „Mei­ne Mis­si­on ist, Haa­re zu ret­ten“, sagt er.

Wo­bei sei­ne wah­re Lei­den­schaft wohl ei­nem an­de­ren Pro­jekt ge­hört – das für ei­ne Haus­halts­ge­rä­te­fir­ma recht am­bi­tio­niert er­scheint: 2020 will Dy­son ein E-Au­to auf den Markt brin­gen, ins­ge­samt 2,3 Mil­li­ar­den Eu­ro in­ves­tiert er da­für. „Das ist sehr viel kom­ple­xer als ein Haar­sty­ler“, räumt Dy­son ein. Trotz­dem will er auch da von der Fahr­zeug­ar­chi­tek­tur bis zum Bat­te­rie­an­trieb al­les sel­ber ma­chen.

Sir Ja­mes lässt in Asi­en fer­ti­gen. Für ihn blei­ben die EU-Ein­fuhr­zöl­le da­her gleich

Sel­ber ma­chen, von nie­man­dem ab­hän­gig sein. Das ist es. Zwar könn­te man die Er­folgs­sto­ry des Un­ter­neh­mens Dy­son, das 90 Pro­zent der Er­lö­se au­ßer­halb Bri­tan­ni­ens er­wirt­schaf­tet, auch als Ar­gu­ment für Frei­zü­gig­keit und ver­netz­te Volks­wirt­schaf­ten wer­ten. Als bes­tes Ar­gu­ment ge­gen den Br­ex­it. Sir Ja­mes hat sei­ne ei­ge­nen An­sicht: „Ich bin für frei­en Han­del“, sagt er. Die EU mit ih­ren Ein­fuhr­zöl­len und aber­tau­send Norm­vor­ga­ben ist für ihn aber eher ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on zur Be­hin­de­rung von Frei­han­del. Im Üb­ri­gen än­dert sich durch den Br­ex­it rein ge­schäft­lich nicht viel für ihn: Die EU-Ein­fuhr­zöl­le blei­ben gleich, weil er sei­ne Staub­sau­ger und Lo­cken­wick­ler in Asi­en fer­ti­gen lässt. In Groß­bri­tan­ni­en, so hofft Dy­son, ent­fal­len die Zöl­le da­ge­gen bald. Und das be­deu­tet wo­mög­lich: mehr Um­satz, mehr Ge­winn. Auf die EU-Sub­ven­tio­nen, die Dy­son in sei­nem Ne­ben­be­ruf als Öko-Groß­bau­er ein­streicht, ver­zich­tet er da gern.

Ei­nes sorgt ihn: dass die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May dem­nächst ei­nen fau­len Kom­pro­miss mit Brüs­sel schlie­ßen könn­te. Da­bei ha­be vor al­lem die deut­sche In­dus­trie ein In­ter­es­se am Br­ex­it-De­al, meint Dy­son. Über­haupt, zu Deutsch­land hat er ein zwie­späl­ti­ges Ver­hält­nis. Mit der deut­schen Kon­kur­renz hat er sich viel vor Ge­richt ge­strit­ten. Ei­nen deut­schen Top­ma­na­ger bei Dy­son warf er vor ei­nem Jahr hin­aus, weil er ihn des Ge­heim­nis­ver­rats be­zich­tig­te.

Aber als Ab­satz­markt ist Deutsch­land wich­tig. Nächs­te Wo­che steigt die Show um den Lu­xus-Lo­cken­wick­ler in Berlin.

FO­TO: OH

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