Po­li­ti­sches Ma­nö­ver

Ei­ne Wie­ner Fir­ma soll die deut­sche Pkw-Maut kon­trol­lie­ren. Der Auf­trag könn­te Ös­ter­reich in Ver­le­gen­heit brin­gen

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 26 WIRTSCHAFT - Mar­kus bal­ser

Berlin – Nach hit­zi­gen Dis­kus­sio­nen um die ge­plan­te Pkw-Maut in Deutsch­land war es zu­letzt still ge­wor­ben um das Pres­ti­ge­vor­ha­ben der CSU. Doch in die­sen Ta­gen wird klar: Die Vor­be­rei­tun­gen für ei­nen Start der um­strit­te­nen Ab­ga­belau­fen hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren wei­ter. Den Auf­trag für den Be­trieb des Kon­troll­sys­tems an den Au­to­bah­nen will das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um an den ös­ter­rei­chi­schen An­bie­ter Kapsch ver­ge­ben. Es geht da­bei nicht nur um viel Geld. Son­dern mög­li­cher­wei­se auch um den Ver­such, das durch ei­nen Rechts­streit ge­fähr­de­te Groß­pro­jekt zu ret­ten.

Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) hat­te zu­letzt an­ge­kün­digt, das vom Bun­des­tag be­schlos­se­ne Vor­ha­ben noch in die­ser Wahl­pe­ri­ode um­zu­set­zen, die Maut al­so spä­tes­tens 2021 ein­zu­füh­ren. Noch ist al­ler­dings vie­les of­fen, et­wa wer die Maut ei­gent­lich er­hebt. Die­ses noch grö­ße­re Be­wer­bungs­ver­fah­ren mit An­ge­bo­ten meh­re­rer Kon­sor­ti­en läuft der­zeit noch. Die nun ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung für den ös­ter­rei­chi­schen Be­wer­ber gilt al­ler­dings auch als po­li­ti­scher Vor­stoß. Denn der Bun­des­re­gie­rung droht bei der Pkw-Maut ein erns­tes Pro­blem. Und das hat vor al­lem mit dem Nach­bar­land Ös­ter­reich zu tun.

Denn die Re­gie­rung in Wi­en hat­te ge­gen das deut­sche Vor­ha­ben vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) ge­klagt, weil die deut­sche Maut letzt­lich nur aus­län­di­sche Au­to­fah­rer trifft und da­mit EUAus­län­der be­nach­tei­ligt. Deut­sche Hal­ter werden in Hö­he der Maut über die Kf­zS­teu­er ent­las­tet, zah­len al­so nicht drauf. Mit der Ver­ga­be bringt Scheu­er die ös­ter­rei­chi­sche Re­gie­rung in ei­ne schwie­ri­ge La­ge. Hält sie an der Kla­ge fest, scha­det sie mög­li­cher­wei­se der ei­ge­nen Wirt­schaft. Denn der Kla­ge, der sich auch die Nie­der­lan­de an­ge­schlos­sen ha­ben, räu­men Ju­ris­ten gar kei­ne schlech­ten Chan­cen ein. Sie könn­te die Maut-Ein­füh­rung letzt­lich aus­brem­sen.

Kä­me es zur Ein­füh­rung, be­kä­me das Wie­ner Un­ter­neh­men ei­nen lu­kra­ti­ven Auf­trag. Der Ver­trag soll über zwölf Jah­re lau­fen und kann auf bis zu 15 Jah­re ver­län­gert werden. Er hat nach An­ga­ben des Un­ter­neh­mens ein Vo­lu­men von bis zu 120 Mil­lio­nen Eu­ro. Kon­kret geht es laut der Aus­schrei­bung um das vor­ge­se­he­ne fes­te Kon­troll­sys­tem. Es soll 100 An­la­gen an Au­to­bah­nen um­fas­sen. Da­bei sol­len Maut­zah­ler nicht an auf­ge­kleb­ten Vi­g­net­ten, son­dern über ei­ne elek­tro­ni­sche Kenn­zei­chen-Prü­fung er­kannt werden. Das Ver­fol­gen von Maut-Ver­stö­ßen ist nicht Teil des Auf­trags.

Das Un­ter­neh­men Kapsch Traf­ficCom hat nach ei­ge­nen An­ga­ben be­reits in mehr als 50 Län­dern Pro­jek­te für Ver­kehrs­sys­te­me um­ge­setzt. Da­zu ge­hö­ren Maut­sys­te­me in Ös­ter­reich, der Schweiz und Bul­ga­ri­en. Der Ver­trag für die deut­sche Pk­wMaut soll mit der MTS Maut & Tele­ma­tik Ser­vices GmbH ge­schlos­sen werden, ei­ner ge­mäß der Aus­schrei­bung ei­gens ge­grün­de­ten 100-pro­zen­ti­gen Toch­ter mit Sitz in Berlin.

Die Maut soll in Deutsch­land auf Bun­des­stra­ßen und Au­to­bah­nen kas­siert werden. CSU-Par­tei­chef Horst See­ho­fer, heu­te Bun­des­in­nen­mi­nis­ter, hat­te sie 2015 ge­gen den Wi­der­stand von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) durch­ge­setzt. Ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren der EU wur­de in­zwi­schen ein­ge­stellt. Scheu­er deu­te­te zu­letzt an, dass es auch zu ei­ner au­ßer­ge­richt­li­chen Ei­ni­gung mit den Nach­barn kom­men könn­te. Man be­fin­de sich in kon­struk­ti­ven Ge­sprä­chen über ei­ne ein­ver­nehm­li­che Lö­sung, er­klär­te er.

Aus dem ös­ter­rei­chi­schen Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um ver­lau­te­te da­ge­gen zu­letzt, die Kla­ge der Re­gie­rung vor dem EuGH lau­fe vor­erst wei­ter. Soll­te Deutsch­land die Maut trotz des Rechts­streits ein­füh­ren, könn­te auch Ös­ter­reich hö­he­re Maut­sät­ze für Aus­län­der prü­fen, kün­dig­te FPÖ-Ver­kehrs­mi­nis­ter Nor­bert Ho­fer an. Da­von wä­ren vor al­lem deut­sche Rei­sen­de be­trof­fen.

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