Trumps weib­li­che Trup­pen

Nicht nur in sei­ner Re­gie­rung kann der Prä­si­dent pro­fi­lier­te Frau­en vor­wei­sen, auch in den Me­di­en un­ter­stüt­zen ihn kon­ser­va­ti­ve Kom­men­ta­to­rin­nen

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 2 THEMA DER WOCHE - Chris­ti­an zasch­ke

Ei­ne der wich­tigs­ten weib­li­chen Stim­men beim kon­ser­va­ti­ven Sen­der Fox News ist Jea­ni­ne Pir­ro, ei­ne ehe­ma­li­ge Rich­te­rin. Sie hat den Wahl­kämp­fer Trump 2016 früh un­ter­stützt, noch be­vor klar war, dass er Kan­di­dat der Re­pu­bli­ka­ner wer­den wür­de. Als Ton­auf­nah­men auf­tauch­ten, auf de­nen Trump sich da­mit brüs­te­te, er kön­ne Frau­en an den Ge­ni­ta­li­en be­rüh­ren, weil er so be­rühmt sei („Du kannst sie an der Mu­schi grei­fen“), ver­tei­dig­te sie ihn. Sie ha­be Trump in „Mil­lio­nen von Si­tua­tio­nen“er­lebt, sag­te sie, und im­mer ha­be er sich wie ein Gen­tle­man ver­hal­ten. Es war da­mals ent­schei­dend für das po­li­ti­sche Über­le­ben Trumps, dass pro­mi­nen­te Frau­en nach dem Auf­tau­chen der Auf­nah­me für ihn Par­tei er­grif­fen. Das half an­de­ren Frau­en, dar­über hin­weg­zu­se­hen, dass Trump ein Frau­en­ver­äch­ter ist.

Man müss­te ei­gent­lich da­von aus­ge­hen, dass ein Mann, der sich in die­ser Wei­se äußert, für die gro­ße Mehr­heit der Frau­en un­wähl­bar ist. Im Fall Trump lie­gen die Din­ge an­ders. 2016 ha­ben 52 Pro­zent der wei­ßen Ame­ri­ka­ne­rin­nen für ihn ge­stimmt. Bei den Kon­gress­wah­len am ver­gan­ge­nen Diens­tag ha­ben so­gar 54 Pro­zent der wei­ßen Frau­en für die Re­pu­bli­ka­ner vo­tiert. Trump stand zwar dies­mal nicht auf dem Wahl­zet­tel, aber er hat­te selbst ge­sagt, dass es in die­ser Ab­stim­mung vor al­len Din­gen um ihn selbst ge­he, was in­so­fern kon­se­quent war, als es im­mer nur um ihn selbst geht.

Bei Frau­en ins­ge­samt ka­men die Re­pu­bli­ka­ner auf 40 Pro­zent – be­acht­lich für ei­ne Par­tei, de­ren Chef sich Frau­en ge­gen­über her­ab­las­send ver­hält und be­son­ders schwar­ze Frau­en im­mer wie­der ver­höhnt. Fragt man bei Frau­en nach, war­um sie für die­sen Mann stim­men, er­hält man stets zur Ant­wort, es ge­he nicht um des­sen Per­sön­lich­keit, son­dern um sei­ne Po­si­tio­nen.

Wei­te Tei­le des kon­ser­va­ti­ven Ame­ri­kas, ganz gleich ob männ­lich oder weib­lich, sor­gen sich um das Recht auf Waf­fen­be­sitz, sie ste­hen der Ein­wan­de­rung skep­tisch ge­gen­über, und es ist wohl nicht ganz falsch zu sa­gen, dass der la­ten­te Ras­sis­mus des Prä­si­den­ten in man­chen wei­ßen Krei­sen gut an­kommt. Und nicht zu­letzt, so hört man im­mer wie­der, mag Trump zwar nicht der größ­te Frau­en­för­de­rer sein, aber setzt er nicht trotz­dem Frau­en an be­deu­ten­de Pos­ten sei­ner Re­gie­rung?

Sei­ne Spre­che­rin ist Sa­rah Huck­a­bee San­ders, wenn man so will: das Ge­sicht der Re­gie­rung. Kirst­jen Niel­sen lei­tet das wich­ti­ge Mi­nis­te­ri­um für Hei­mat­schutz. Die Res­sorts für Ver­kehr und Bil­dung wer­den eben­falls von Frau­en ge­führt, auch an der Spit­ze der CIA steht ei­ne Frau. Ei­ne der wich­tigs­ten Be­ra­te­rin­nen Trumps ist Kel­lyan­ne Con­way. Und nicht zu­letzt ist da Nik­ki Ha­ley, die deut­lich sicht­bars­te Frau der Re­gie­rung Trump. Ha­ley ist als ame­ri­ka­ni­sche Bot­schaf­te­rin bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen zu ei­ner der ein­fluss­reichs­ten re­pu­bli­ka­ni­schen Po­li­ti­ke­rin­nen ge­wor­den. Zwar hat sie an­ge­kün­digt, dass sie den Pos­ten am En­de des Jah­res räu­men wer­de, es gilt je­doch als si­cher, dass sie das vor al­len Din­gen tut, weil sie hö­he­re Am­bi­tio­nen hat.

Ha­ley hat­te sich ur­sprüng­lich ge­gen Trump ge­stellt, sich nach des­sen Wahl al­ler­dings rasch ar­ran­giert. Sie ist zu ei­ner loya­len Un­ter­stüt­ze­rin des Prä­si­den­ten ge­wor­den. Wei­ße Frau­en wähl­ten 2016 häu­fi­ger Do­nald Trump als Hil­la­ry Cl­in­ton, auch bei den Zwi­schen­wah­len ent­schie­den sie sich mehr­heit­lich für die Re­pu­bli­ka­ner. Das brach­te ihr auch den Re­spekt der ein­fluss­rei­chen Frau­en in den kon­ser­va­ti­ven Me­di­en ein, was im re­pu­bli­ka­ni­schen Uni­ver­sum wich­tig ist. Vor al­lem beim Sen­der Fox News ar­bei­ten ei­ni­ge der glü­hends­ten An­hän­ge­rin­nen Trumps. Um Ob­jek­ti­vi­tät schert sich der Sen­der eben­so we­nig wie sein li­be­ra­les Pen­dant MSNBC. Wäh­rend Trump auf Fox News so gut wie nichts falsch ma­chen kann, wird er auf MSNBC für ab­so­lut al­les kri­ti­siert.

Da­bei geht es bei den Frau­en eben­so scho­nungs­los zu wie bei den Män­nern. Die ehe­ma­li­ge Rich­te­rin Pir­ro ist zum Bei­spiel der An­sicht, man sol­le die Be­hör­den von Trump-Kri­ti­kern „säu­bern“. Von den De­mo­kra­ten sprach sie kürz­lich als „De­mo­r­at­ten“. Da­mit un­ter­schei­det sie sich im Ton nicht we­sent­lich von an­de­ren ein­fluss­rei­chen Frau­en auf Fox News: der schlau­en und zy­ni­schen Lau­ra Ing­ra­ham, der ag­gres­si­ven To­mi Lah­ren oder der ver­bind­li­chen Ains­ley Ear­hardt, die Co-Mo­de­ra­to­rin von Trumps mor­gend­li­cher Lieb­lings­sen­dung „Fox & Fri­ends“ist.

Ein gern ge­se­he­ner Gast beim Sen­der ist die Pu­bli­zis­tin Ann Coul­ter, die kürz­lich, als Bil­der von wei­nen­den Kin­dern um die Welt gin­gen, die an der Gren­ze zu Me­xi­ko von ih­ren El­tern ge­trennt wor­den wa­ren, den Prä­si­den­ten warn­te, bloß nicht auf die­se Kin­der­dar­stel­ler her­ein­zu­fal­len. Coul­ter lehnt die Evo­lu­ti­ons­theo­rie ab, die zu­neh­men­de Be­liebt­heit des Fuß­balls in den USA deu­tet sie als Zei­chen mo­ra­li­schen Ver­falls und nach der jüngs­ten Atta­cke na­he Los An­ge­les, bei der ein ehe­ma­li­ger Sol­dat zwölf Men­schen in ei­ner Bar er­schoss, be­haup­te­te sie, das wä­re nicht pas­siert, wenn die Bar­be­su­cher al­le be­waff­net ge­we­sen wä­ren. Sie ist ei­ne der prä­sen­tes­ten weib­li­chen Stim­men des kon­ser­va­ti­ven Ame­ri­kas.

EVAN VUC­CI / AP

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.