Woll­milch­sau

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 4 MEINUNG - Clau­dio ca­tuo­gno

Ach, wie ger­ne wür­de sich Uli Ho­en­eß zur Ru­he set­zen. Wenn bloß ein Nach­fol­ger in Sicht wä­re! „Wenn ich wüss­te, der oder der kann das, wür­de ich nächs­tes Jahr auf­hö­ren“, hat der Prä­si­dent des FC Bay­ern Wirt­schafts­ver­tre­tern in Dres­den er­zählt. Bloß: Man müs­se da „die Ei­er le­gen­de Woll­milch­sau fin­den“. Den Ge­dan­ken hat der ein oder an­de­re Ma­na­ger im Au­di­to­ri­um be­stimmt auch schon ge­habt: So gut wie man selbst kann den Job lei­der kei­ner. Al­so macht man ihn noch ein paar Jähr­chen.

Doch oft macht ei­nen ge­ra­de das si­che­re Ge­fühl der Un­ver­zicht­bar­keit ver­zicht­bar. Horst See­ho­fer et­wa: Wursch­tel­te der in der CSU zu­letzt nicht vor al­lem des­halb im­mer wei­ter, um Mar­kus Sö­der von der Macht fern­zu­hal­ten? Jetzt sieht er, was er da­von hat. Wer sein Amt gar nicht her­ge­ben will, dem wird es ge­nom­men.

So weit ist es bei Ho­en­eß noch nicht. Und sei­ne Ver­diens­te kann und will ihm eh nie­mand neh­men. Doch in­zwi­schen steht der Pa­tri­arch auch vie­lem im Weg. Er ver­schlepp­te die letz­te Trai­ner­su­che, weil er sich der Il­lu­si­on hin­gab, sein al­ter Freund Jupp Heynckes wer­de schon noch ein biss­chen wei­ter­ma­chen, mit 72. Und als Ho­en­eß kürz­lich die Pres­se ein­lud, um mehr Re­spekt ein­zu­for­dern, rü­pel­te er der­art re­spekt­frei ge­gen al­les und je­den, dass sich da­nach um­so mehr Hä­me über den FC Bay­ern er­goss. Längst er­in­nern an der Sä­be­ner Stra­ße vie­le dar­an, dass sie den La­den schon auch im Griff hat­ten, als die Woll­milch­sau Ho­en­eß mal für ei­ne Wei­le un­ab­kömm­lich war, da vor­über­ge­hend in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt un­ter­ge­bracht.

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