USA ver­schär­fen Asyl­recht

Flücht­lin­ge müs­sen An­trag künf­tig an der Gren­ze stel­len

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Afp, epd

Wa­shing­ton – Die US-Re­gie­rung ver­schärft das Asyl­recht. Künf­tig sol­len Men­schen nur noch dann Asyl be­an­tra­gen kön­nen, wenn sie an ei­nem of­fi­zi­el­len Grenz­über­gang in die USA ein­rei­sen. Il­le­gal Ein­ge­reis­te dür­fen dem­nach kein Asyl be­an­tra­gen. Prä­si­dent Do­nald Trump un­ter­zeich­ne­te am Frei­tag ein ent­spre­chen­des De­kret – der Schritt ist um­strit­ten und dürf­te schon sehr bald die Ge­rich­te be­schäf­ti­gen. Die so­ge­nann­te Pro­kla­ma­ti­on soll vor al­lem je­nen Mi­gran­ten die Chan­ce auf Asyl ver­wei­gern, die il­le­gal die Gren­ze über­schrit­ten ha­ben und da­bei von Be­am­ten er­wischt wor­den sind.

Trump hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che ei­nen Prä­si­den­ten­er­lass für ei­ne Ver­schär­fung des Asyl­rechts an­ge­kün­digt. Vor den Kon­gress­wah­len am Diens­tag hat­te der Prä­si­dent sei­ne Rhe­to­rik ge­gen Ein­wan­de­rer ver­schärft, re­gel­mä­ßig warn­te er vor ei­ner an­geb­li­chen „In­va­si­on“durch il­le­gal Ein­ge­wan­der­te.

Mit der Ver­schär­fung des Asyl­rechts sol­le auf ei­nen „bei­spiel­lo­sen Miss­brauch un­se­res Ein­wan­de­rungs­sys­tems“re­agiert wer­den, sag­te ein Re­gie­rungs­ver­tre­ter. „Un­ser Asyl­sys­tem bricht un­ter ei­ner zu gro­ßen Zahl un­ge­recht­fer­tig­ter Asyl­an­trä­ge zu­sam­men“, er­klär­te das Hei­mat­schutz­mi­nis­te­ri­um. Dies scha­de auch den Men­schen, die recht­mä­ßig Asyl be­an­trag­ten. Dem Mi­nis­te­ri­um zu­fol­ge hat der Prä­si­dent das Recht, ei­ne Ein­rei­se von Aus­län­dern ein­zu­schrän­ken, wenn dies im „na­tio­na­len In­ter­es­se“ist.

Die Re­gie­rung ar­gu­men­tiert, Trump kön­ne Ein­rei­sen un­ter Be­ru­fung auf die na­tio­na­le Si­cher­heit un­ter­sa­gen. Der Prä­si­dent hat­te sich dar­auf be­reits bei sei­nen um­strit­te­nen Ein­rei­se­ver­bo­ten ge­gen Bür­ger aus meh­re­ren mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Staa­ten be­ru­fen. Dies­mal geht es ge­gen Mit­tel­ame­ri­ka­ner.

Die Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Ame­ri­can Ci­vil Li­ber­ties Uni­on be­zeich­ne­te die Plä­ne am Don­ners­tag als „il­le­gal“. Das ame­ri­ka­ni­sche Recht er­lau­be Men­schen ei­nen Asyl­an­trag un­ab­hän­gig da­von, ob sie sich an ei­nem Grenz­über­gang be­fin­den oder nicht. Dies kön­ne nicht durch ein De­kret um­gan­gen wer­den. Die Or­ga­ni­sa­ti­on New York Im­mi­gra­ti­on Co­ali­ti­on kün­dig­te an, die Ver­schär­fung des Asyl­rechts „be­kämp­fen“zu wol­len.

In ei­nem Fern­seh­in­ter­view hat­te Trump jüngst ge­droht, er wol­le das Recht ein­schrän­ken, durch Ge­burt US-Staats­an­ge­hö­ri­ger zu wer­den. Ju­ris­ten wand­ten ein, die­ses Recht sei in der ame­ri­ka­ni­schen Ver­fas­sung ver­an­kert.

Kar­la Mar­tí­nez, 30, Hon­du­ra­ne­rin

Der Weg bis hier­her war sehr schwer. Aber Gott weiß: Wenn es uns gut gin­ge in Hon­du­ras, dann wä­ren wir nicht von dort weg­ge­gan­gen.“

Am Frei­tag de­mons­trier­ten Ver­tre­ter der Mi­gran­ten vor dem Bü­ro des ört­li­chen UNVer­tre­ters und ba­ten dar­um, man mö­ge ih­nen Bus­se zur Ver­fü­gung stel­len, oh­ne Er­folg. Bis zur US-Gren­ze sind es noch gut 2000 Ki­lo­me­ter, vie­le da­von durch Wüs­te und Ter­ri­to­ri­um der Dro­gen­kar­tel­le. Am Abend ent­schie­den ei­ni­ge hun­dert, dann eben so wei­ter­zu­zie­hen, oh­ne Bus. An­de­re ha­ben ge­nug und wol­len in Me­xi­ko blei­ben, das ih­nen – wohl auf Druck der USA – ein Blei­be­recht an­ge­bo­ten hat. Ni­dia Pé­rez Cruz hat sich da­für ent­schie­den, sie ist im sieb­ten Mo­nat schwan­ger. „Un­ser Sohn soll hier auf die Welt kom­men und sich als Me­xi­ka­ner re­gis­trie­ren kön­nen“, sag­te sie der dpa.

Tau­sen­de Mit­tel­ame­ri­ka­ner sind noch in ver­schie­de­nen ca­ra­va­nas auf dem Weg, jun­ge Män­ner, aber auch vie­le Fa­mi­li­en, Paa­re mit Kin­der­wa­gen, so­gar Roll­stuhl­fah­rer und Min­der­jäh­ri­ge. Et­wa 2000 Kin­der wol­len die Be­hör­den in Gua­te­ma­la auf­ge­grif­fen

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