SPU­REN­SU­CHE

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 18 FEUILLETON -

Die Welt ver­än­dert sich stän­dig, die gro­ßen Fra­gen aber blei­ben. Wir su­chen in Zeit­ge­sche­hen und Kunst nach wie­der­keh­ren­den Mo­ti­ven. Dies­mal mehr oder we­ni­ger sub­ti­le Tricks und ver­rä­te­ri­sche Ges­ten

Die be­dau­er­lichs­te Fi­gur im jüngs­ten Hand­ge­men­ge, ach was, in der Leis­tungs­ge­sell­schaft gros­so mo­do ist die Prak­ti­kan­tin. Ei­ne nicht na­ment­lich be­kann­te Frau in die­ser Po­si­ti­on woll­te sich pro­fi­lie­ren, in­dem sie dem CNN-Re­por­ter Jim Acos­ta bei ei­ner Pres­se­kon­fe­renz mit Do­nald Trump das Mi­kro­fon weg­nahm. An­schlie­ßend wur­de sie, das hat sie da­von, vor­ge­scho­ben um zu er­klä­ren, war­um man dem Jour­na­lis­ten die Ak­kre­di­tie­rung für das Wei­ße Haus ent­zo­gen hat. Das zeigt, was die Trump-Ad­mi­nis­tra­ti­on von Pres­se­frei­heit hält. Aber der Vor­wurf, Acos­ta ha­be „Hand an die jun­ge Frau ge­legt“, ist auch nicht oh­ne. Des­halb starrt die Welt auf die­se Hand­be­we­gun­gen: Acostas an­kla­gen­de Lin­ke, die gleich scharf her­un­ter­fährt, die Prak­ti­kan­tin­nen­hand be­herzt grei­fend, die Rech­te des Jour­na­lis­ten fest ums Mi­kro­fon ge­schlos­sen, da­ne­ben die nächs­te Wort­mel­dung.

So kla­re Ges­ten krie­gen sonst nur die Ma­ler des Chia­ros­cu­ro hin, der auch me­ta­pho­risch im Zwie­licht des Mensch­li­chen spie­len­den Sze­nen. In der „Ver­leug­nung Pe­tri“des Nie­der­län­ders Ger­rit van Hont­horst hat die ver­rä­te­ri­sche Magd (Prak­ti­kan­tin der Früh­zeit) den Apos­tel am Re­vers, der an­kla­gen­de Fin­ger ei­nes Hä­schers deu­tet auf ihn, Pe­trus kehrt die Hand­flä­che ab­weh­rend nach au­ßen, so ver­leug­net er den Herrn.

FO­TO: NET­FLIX

Schlacht um den schot­ti­schen Thron: Die Re­bel­len wol­len die En­g­län­der aus ih­rem Land ver­trei­ben.

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