Hal­lo Funk­loch

In Deutsch­land sol­len Men­schen end­lich schnell mo­bil sur­fen kön­nen. Aber Kun­den und Wirt­schaft droht ein De­ba­kel

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - WIRTSCHAFT 29 - Von mar­kus bal­ser und be­ne­dikt mül­ler

Ber­lin/Düs­sel­dorf – Die Hoff­nung auf schnel­le­ren Mo­bil­funk be­steht aus ei­ner Zahl und ei­nem Buch­sta­ben: 5G. Der neue Stan­dard soll Deutsch­land dem Ko­ali­ti­ons­ver­trag der Bun­des­re­gie­rung zu­fol­ge an die Welt­spit­ze der di­gi­ta­len In­fra­struk­tur ka­ta­pul­tie­ren. 5G soll bis zu 20 Mal schnel­ler Da­ten über­tra­gen als das der­zei­ti­ge LTE-Netz. Vor al­lem aber er­laubt es den ver­bun­de­nen Ge­rä­ten, qua­si in Echt­zeit zu kom­mu­ni­zie­ren. Schließ­lich sol­len schon in ein paar Jah­ren au­to­no­me Au­tos durch Deutsch­land fah­ren, Pa­ti­en­ten in je­dem Win­kel des Lan­des di­gi­tal über­wacht wer­den und In­dus­trie­ro­bo­ter ein­an­der Be­feh­le ge­ben – na­tür­lich oh­ne Fun­k­lö­cher. Klaus Mül­ler, Chef des Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­bands.

Doch aus­ge­rech­net in der ent­schei­den­den Pha­se der Ein­füh­rung meh­ren sich Zwei­fel. Die Bun­des­netz­agen­tur will am 26. No­vem­ber die Re­geln für den neu­en Stan­dard fest­le­gen; die Ver­stei­ge­rung ers­ter Fre­quen­zen soll im kom­men­den Jahr be­gin­nen. Schon am Mon­tag will die Be­hör­de ih­ren fi­na­len Vor­schlag an ih­ren Bei­rat ver­schi­cken. Da­mit wird auf Jah­re fest­ge­legt, mit wel­chen An­ge­bo­ten Kun­den rech­nen kön­nen.

Ver­brau­cher­schüt­zer fürch­ten, dass die In­ter­es­sen der Kun­den in der Auk­ti­on auf der Stre­cke blei­ben. „Ver­brau­chern dro­hen wei­ter­hin man­gel­haf­te Qua­li­tät und ho­he Prei­se“, sagt Klaus Mül­ler, Chef des Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­bands. Da­bei ha­be Deutsch­land gro­ßen Nach­hol­be­darf. „Wir ran­gie­ren bei der Qua­li­tät im un­te­ren und beim Preis im obe­ren Drit­tel“, sagt er, „das muss sich än­dern.“

Bis­lang plant die Bun­des­netz­agen­tur Vor­ga­ben für den Mo­bil­funk­aus­bau, wo­nach die Netz­be­trei­ber bis En­de 2022 min­des­tens 98 Pro­zent der Haus­hal­te bun­des­weit mit min­des­tens 100 Me­ga­bit pro Se­kun­de ver­sor­gen müs­sen. „Was gut klingt, be­deu­tet in der Flä­che al­ler­dings nur un­ge­fähr 70 Pro­zent Ver­sor­gung“, warnt Mül­ler. Da­mit sei klar: „Die für Te­le­kom­fir­men we­nig ren­ta­blen länd­li­chen Räu­me blei­ben er­neut auf der Stre­cke.“Fun­k­lö­cher und Ver­brau­cher­frust sei­en vor­pro­gram­miert. „Wir for­dern des­halb von der Re­gie­rung, ein­zu­grei­fen und ei­ne Ab­de­ckung der Flä­che des Lan­des durch­zu­set­zen“, sagt Mül­ler.

Der­zeit tei­len sich drei gro­ße Netz­be­trei­ber den hie­si­gen Mo­bil­funk­markt auf: O2, die Deut­sche Te­le­kom und Vo­da­fo­ne. Um die Auf­la­gen zur Netz­ab­de­ckung zu er­fül­len, soll es nun aus­rei­chen, wenn in je­dem Land­strich min­des­tens ein An­bie­ter sei­nen Kun­den schnel­les Netz bie­tet. Die an­de­ren Kun­den hät­ten da­von nichts. Zwar will der Staat die An­bie­ter ver­pflich­ten, dass sie we­nigs­tens ent­lang von Bun­des­und Land­stra­ßen so­wie Was­ser­we­gen ih­re Funk­mas­ten ge­mein­sam nut­zen müs­sen. Ein so­ge­nann­tes na­tio­na­les Roa­ming – al­so ei­ne sol­che Pflicht für ganz Deutsch­land – ist aber nicht vor­ge­se­hen. Da­bei lie­ßen sich so Ver­sor­gungs­lü­cken schlie­ßen, kri­ti­sie­ren Ver­brau­cher­schüt­zer: „Die An­bie­ter soll­ten hier ko­ope­rie­ren.“

Ganz an­ders sieht das die Te­le­kom. „Wer ver­pflich­ten­des Na­tio­nal Roa­ming for­dert, stellt sich ge­gen den Aus­bau im länd­li­chen Raum“, sagt Vor­stands­chef Tim Hött­ges. Der Kon­zern ver­weist auf ent­spre­chen­de Er­fah­run­gen in Ka­na­da. Dort ist vor we­ni­gen Jah­ren ein vier­ter Netz­be­trei­ber in den Mo­bil­funk­markt ein­ge­stie­gen; die ge­stan­de­nen An­bie­ter muss­ten ihm Zu­gang zu ih­ren Net­zen ge­wäh­ren. Doch ha­be der neue Kon­kur­rent sein schnel­les Netz vor al­lem in den Städ­ten auf­ge­baut, wo es sich am meis­ten lohn­te, Für Mo­bil­funk­an­bie­ter lohnt sich der Aus­bau der Da­ten­über­tra­gung vor al­lem in Städ­ten. Im Bild die Funk­an­la­ge des Olym­pia­turms in Mün­chen.

FO­TO: C. GUTHKNECHT

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