Um­bruch in der CDU

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - VORDERSEITE - Von jens schnei­der

Nach ih­rer Wahl zur neu­en Vor­sit­zen­den will An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er die CDU als Par­tei der Mit­te zu neu­er Stär­ke füh­ren. Es ge­he jetzt dar­um, mit al­len Flü­geln und mit al­len Mit­glie­dern die CDU als Volks­par­tei zu er­hal­ten und zu for­men, sag­te sie am frü­hen Frei­tag­abend in Ham­burg. Kramp-Kar­ren­bau­er ist nach An­ge­la Mer­kel die zwei­te Frau an der Spit­ze der CDU. Die bis­he­ri­ge Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin setz­te sich in ei­ner Stich­wahl knapp ge­gen den kon­ser­va­ti­ven Wirt­schafts­an­walt Fried­rich Merz durch.

„Wenn wir Mut ha­ben, dann lö­sen wir die Brem­sen“

Mer­kel hat­te das Amt nach 18 Jah­ren auf­ge­ge­ben. Die neue Vor­sit­zen­de galt als ih­re Wunsch­kan­di­da­tin, auch wenn die Kanz­le­rin sich ei­ner Wahl­emp­feh­lung im Wett­streit um ih­re Nach­fol­ge ent­hal­ten hat­te. Die Wahl von Kramp-Kar­ren­bau­er si­chert der Kanz­le­rin die ge­wünsch­te Kon­ti­nui­tät. Sie gilt als ih­re Ver­trau­te. Zwar hat­te auch ihr Mit­be­wer­ber Merz der Kanz­le­rin sei­ne Loya­li­tät ver­si­chert, den­noch war für den Fall sei­nes Er­folgs mit Span­nun­gen zwi­schen ihm und der Kanz­le­rin ge­rech­net wor­den. Nun kann die gro­ße Ko­ali­ti­on in Ber­lin vor­aus­sicht­lich wie von der Kanz­le­rin ge­plant wei­ter re­gie­ren. Die SPD-Vor­sit­zen­de Andrea Nah­les hat der neu­en CDU-Che­fin ei­ne gu­te Zu­sam­men­ar­beit in der Ko­ali­ti­on an­ge­bo­ten. „Sie tritt in gro­ße Fuß­stap­fen“, sag­te Nah­les über Kramp-Kar­ren­bau­er. „Ich wün­sche ihr da­bei viel Er­folg.“Jetzt ge­he es dar­um, Pro­ble­me zu lö­sen, be­ton­te Nah­les.

Kramp-Kar­ren­bau­er sag­te nach ih­rer Wahl, es ha­be in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ei­nen Wett­be­werb in der CDU ge­ge­ben, um die sie an­de­re Par­tei­en be­nei­de­ten. Die­ser Wett­be­werb ha­be der CDU Auf­trieb ge­ge­ben. Sie wol­le in die­sem Geis­te der Fair­ness wei­ter­ma­chen. Die bei­den un­ter­le­ge­nen Be­wer­ber si­cher­ten Kram­pKar­ren­bau­er ih­re Un­ter­stüt­zung zu.

Die 56 Jah­re al­te Saar­län­de­rin er­hielt in der Stich­wahl 517 der 999 ab­ge­ge­be­nen De­le­gier­ten­stim­men, auf Merz ent­fie­len 482 Stim­men. Im ers­ten Wahl­gang hat­te kei­ner der drei Be­wer­ber ei­ne kla­re Mehr­heit der Stim­men auf sich ver­eint. Kram­pKar­ren­bau­er war mit 45 Pro­zent der Stim­men vorn ge­le­gen, Fried­rich Merz hat­te 39,2 Pro­zent er­zielt, Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn 15,7 Pro­zent.

Zu­vor hat­ten sich die drei Be­wer­ber um die Nach­fol­ge Mer­kels mit tem­pe­ra­ment­vol­len Re­den vor­ge­stellt. Da­bei be­ton­te Kramp-Kar­ren­bau­er aus­drück­lich die Kon­ti­nui­tät zu An­ge­la Mer­kel. Kram­pKar­ren­bau­er sprach die Kanz­le­rin vom Red­ner­pult aus di­rekt an und be­dank­te sich für de­ren Wir­ken. Die frü­he­re Mi­nis­ter­prä­si­den­tin des Saar­lands warb für sich mit dem Ver­weis auf ih­re Er­fah­rung als Mi­nis­ter­prä­si­den­tin und als er­folg­rei­che Wahl­kämp­fe­rin. Sie ha­be ge­lernt, was es hei­ße zu füh­ren, sag­te Kramp-Kar­ren­bau­er. Da­zu ge­hö­re für sie auch die Er­fah­rung, dass es mehr auf in­ne­re Stär­ke an­kom­me als auf äu­ße­re Laut­stär­ke.

Den meis­ten Bei­fall er­hielt Kramp-Kar­ren­bau­er, als sie in ih­rer Re­de Pro­gno­sen von Be­ob­ach­tern der Par­tei wi­der­sprach, die der CDU für die Zeit nach der Vor­sit­zen­den Mer­kel ei­ne Spal­tung zwi­schen ver­schie­de­nen Bot­schaf­ten mit Sei­ten­hieb: Mer­kels Ab­schieds­re­de ist ein vor­ge­zo­ge­nes po­li­ti­sches Ver­mächt­nis

Ta­ge wie die­ser: Mit dem Sieg von Kram­pKar­ren­bau­er hat sich die Kanz­le­rin selbst im Ab­gang durch­ge­setzt See­len­pfle­ge­rin: Die neue Vor­sit­zen­de hat das Zeug, die bei­den La­ger der Par­tei zu ver­söh­nen.

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Flü­geln vor­her­sa­gen. Kram­pKar­ren­bau­er sag­te da­zu, dass kei­ner der drei Kan­di­da­ten um den Vor­sitz „der Un­ter­gang für die­se Par­tei sein wird“. Sie be­ton­te die Ein­heit der CDU und sag­te, dass es für sie nicht ei­ne kon­ser­va­ti­ve und ei­ne li­be­ra­le und ei­ne wirt­schafts­freund­li­che CDU ge­be, son­dern nur „die ei­ne Uni­on“. Ihr Ziel sei, dass die CDU als Volks­par­tei der Mit­te er­folg­reich blei­be: „Wir sind so et­was wie das letz­te Ein­horn in Eu­ro­pa – die letz­te gro­ße exis­tie­ren­de Volks­par­tei“, sag­te sie mit Blick auf den Nie­der­gang der christ­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas.

Die bis­he­ri­ge Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin for­der­te in­halt­lich von der CDU mehr Mut zu kla­ren Po­si­tio­nen. Die Par­tei dür­fe sich da­bei aber nicht von den Par­tei­en der po­li­ti­schen Rän­der trei­ben las­sen. „Wir sind kein po­li­ti­scher Ge­mischt­wa­ren­la­den“, warn­te sie. „Wenn wir Mut ha­ben, dann lö­sen wir die Brem­sen für die im Land, die et­was tun wol­len.“

Zu­vor hat­te die CDU Kanz­le­rin Mer­kel nach gut 18 Jah­ren im Amt der Par­tei­che­fin ver­ab­schie­det. Mer­kel hat­te in ih­rer emo­tio­na­len Re­de an die Ein­heit der Par­tei ap­pel­liert: „Wo­hin uns nicht en­den wol­len­der Streit führt, das ha­ben CDU und CSU in den letz­ten Jah­ren bit­ter er­fah­ren.“Über ih­re künf­ti­ge Po­si­ti­on sag­te sie: „Für mei­ne Ver­bun­den­heit mit der Par­tei brau­che ich kei­nen Par­tei­vor­sitz – und Bun­des­kanz­le­rin bin ich ja auch noch.“

Ap­plaus von der Vor­gän­ge­rin: An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er freut sich nach ih­rer Wahl, Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel wirkt zu­frie­den.

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