Bot­schaf­ten mit Sei­ten­hieb

Zum Ab­schied ver­tei­digt An­ge­la Mer­kel durch­aus selbst­iro­nisch ih­ren Stil – und so man­che Ent­schei­dung, die ihr par­tei­in­tern Kri­tik ein­ge­bracht hat. Da­bei skiz­ziert sie auch ihr po­li­ti­sches Ver­mächt­nis.

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 2 THEMA DER WOCHE -

nicht die Kanz­le­rin – sei „das Bes­te für das Land“, hat­te Schäu­b­le ge­sagt. Das war so­gar Horst See­ho­fer zu viel. Die Kanz­le­rin sei „die Bes­te“, sag­te der CSU-Chef am Frei­tag dem Spie­gel – be­stimmt nicht oh­ne Hin­ter­sinn. Ver­mut­lich liegt es auch an die­ser Pas­sa­ge der Mer­kel-Re­de, dass Schäu­b­le am En­de nur in ho­möo­pa­thi­schen Do­sen klat­schen wird.

Mer­kel er­in­nert aber auch – nicht oh­ne Selbst­iro­nie – an die De­bat­te über das Mot­to des Par­tei­tags 2000. Sie ha­be da­mals das Mot­to „Zur Sa­che“ge­wählt, und vie­le hät­ten das schon da­mals als Be­leg für ih­re „kno­chen­tro­cke­ne“Art ge­se­hen. Ge­nau­so wie das Mot­to des dies­jäh­ri­gen Par­tei­tags: Zu­sam­men­füh­ren – und zu­sam­men füh­ren. „Wie­der ty­pisch Mer­kel: Wo steht hier Deutsch­land, was von Zu­kunft, von Wer­ten, von Si­cher­heit? Nir­gends“, sagt Mer­kel. Doch der Zu­sam­men­halt sei ihr gro­ßer Wunsch auch für die Zu­kunft. Wo­hin an­dau­ern­der Streit füh­re, das hät­ten CDU und CSU zu­letzt doch „bit­ter er­fah­ren“.

Sie wis­se, dass sie ih­rer Par­tei mit ih­rem aus­glei­chen­den, nüch­ter­nen Stil in den ver­gan­ge­nen 18 Jah­ren vie­les zu­ge­mu­tet ha­be, ge­steht Mer­kel ein. Sie er­in­nert an die 72 Land­tags-, Bun­des­tags- und Eu­ro­pa­wahl­kämp­fe, die die CDU un­ter ih­rer Füh­rung be­strit­ten hat. Und sie lässt die vie­len Weg­mar­ken die­ser Zeit Re­vue pas­sie­ren: die Ab­schaf­fung der Wehr­pflicht, die Ener­gie­wen­de, die Ein­füh­rung des Min­dest­lohns oder der Um­gang mit der Staats­schul­den­kri­se. Vie­le hät­ten ger­ne ge­se­hen, wenn sie här­te­re Atta­cken auf den po­li­ti­schen Geg­ner ge­fah­ren hät­te, sagt Mer­kel, „ich weiß, dass ich Eu­re Ner­ven sehr auf die Pro­be ge­stellt ha­be“.

Die Flücht­lings­po­li­tik er­wähnt Mer­kel nur als ein The­ma un­ter vie­len. Wie scharf die in­ner­par­tei­li­che Kri­tik an ihr seit 2015 ist, deu­tet sie nur an: „Ja, wir ha­ben uns auch ge­gen­sei­tig et­was zu­ge­mu­tet. Ich euch. Aber ich er­lau­be mir zu sa­gen, dass es – ganz ganz sel­ten na­tür­lich – auch ein­mal um­ge­kehrt war.“

Die CDU sei „heu­te ei­ne an­de­re als im Jahr 2000 – und das ist gut so“, sagt Mer­kel. Es ist ei­ne der bei­den Kern­bot­schaf­ten ih­rer Re­de.

Um zu er­mes­sen, was die Kanz­le­rin da­mit meint, reicht ein Blick zu­rück auf den 10. April 2000 – den Tag, an dem sie Par­tei­che­fin wur­de. Die letz­te Re­de vor Mer­kels Wahl hält da­mals Hans Fil­bin­ger. Der Mann muss­te als Mi­nis­ter­prä­si­dent von Ba­den-Würt­tem­berg zu­rück­tre­ten, weil er als NS-Ma­ri­ne­rich­ter To­des­ur­tei­le ge­gen

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