Kos­ten­los mit Bus und Bahn

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 8 POLITIK - Tho­mas kirch­ner

Mün­chen – Lu­xem­burg hat seit die­ser Wo­che ei­ne neue Re­gie­rung. Es ist mehr oder we­ni­ger die al­te: Li­be­ra­le, So­zi­al­de­mo­kra­ten und Grü­ne set­zen ih­re Ko­ali­ti­on fort. Xa­vier Bet­tel bleibt Pre­mier, und Je­an As­sel­born darf als Au­ßen- und Flücht­lings­mi­nis­ter wei­ter­hin an das Ge­wis­sen der Eu­ro­pä­er ap­pel­lie­ren. Über­ra­schen­der da­ge­gen sind in­halt­li­che An­kün­di­gun­gen. So will das blau-rot-grü­ne Bünd­nis Her­stel­lung, Kauf und Kon­sum von Can­na­bis für den per­sön­li­chen Be­darf le­ga­li­sie­ren. Das wä­re ei­ne Pre­mie­re in der EU. Noch mehr Be­ach­tung fin­det der Plan, die Be­nut­zung des ge­sam­ten öf­fent­li­chen Ver­kehrs (ÖV) im Land, in­klu­si­ve Bahn, bis 2020 kos­ten­los für al­le zu ma­chen. Das gibt es sonst nir­gends in der Welt. Statt Ju­bel ist aber über­wie­gend Kri­tik zu hö­ren, von meh­re­ren Sei­ten.

Die Idee stammt aus dem Wahl­pro­gramm der Li­be­ra­len, die So­zi­al­de­mo­kra­ten for­dern seit Län­ge­rem das­sel­be. Die Par­tei­en se­hen dar­in ein Mit­tel, die Luft zu ver­bes­sern und die gra­vie­ren­den Ver­kehrs­pro­ble­me zu lin­dern. Rund um die Haupt­stadt kommt es re­gel­mä­ßig zu qual­vol­len Staus, nicht zu­letzt we­gen der 190 000 Pend­ler, die täg­lich aus Frank­reich, Bel­gi­en und Deutsch­land nach Lu­xem­burg fah­ren. Dar­an wird der Gra­tisÖV wohl nichts än­dern. Und ob die Lu­xem­bur­ger um­stei­gen, ist frag­lich. Sie lie­ben ihr Au­to und ihr Haus am Stadt­rand oder auf dem Land. Und schon jetzt kos­tet das Bahn­fah­ren we­nig; für zwei Eu­ro kann man Lu­xem­burg durch­que­ren.

My­lè­ne Bi­an­chy, Vor­sit­zen­de der Trans­port­ge­werk­schaft Sy­pro­lux, spricht von ei­nem „ver­gif­te­ten Ge­schenk“. Die Idee sei ein Schritt zu­rück: „Was nichts kos­tet, taugt auch nichts.“Bei der Bahn gin­gen Ar­beits­plät­ze ver­lo­ren, au­ßer­dem sol­le das Geld aus dem Ti­cket­ver­kauf lie­ber in ei­nen bes­se­ren ÖV in­ves­tiert wer­den. Hier gibt es gro­ßen In­ves­ti­ti­ons­be­darf. Die Bahn gilt als un­pünkt­lich, oft fal­len Zü­ge aus, das Netz ist ver­al­tet. Der al­te Traum von ei­ner lan­des­wei­ten S-Bahn scheint bis auf wei­te­res ein Traum zu blei­ben.

Aus­ge­rech­net der grü­ne Ver­kehrs­mi­nis­ter François Bausch ist eben­falls skep­tisch. Als so­zia­le Maß­nah­me sei der Schritt zu be­grü­ßen, sagt er, doch ver­kehrs­po­li­tisch han­de­le es sich um „Po­pu­lis­mus“.

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