Uner­schüt­ter­li­che Ver­tei­di­ge­rin

Trump no­mi­niert Au­ßen­amts­spre­che­rin als UN-Bot­schaf­te­rin

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Hu­bert wetzel

Wa­shing­ton – Die der­zei­ti­ge Spre­che­rin des US-Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums, Hea­ther Nau­ert, soll neue Bot­schaf­te­rin bei den UN in New York wer­den. Das sag­te Prä­si­dent Do­nald Trump am Frei­tag. Be­vor Nau­ert ihr neu­es Amt an­tre­ten kann, muss sie vom US-Se­nat be­stä­tigt wer­den.

Der Bot­schaf­ter­pos­ten bei den UN ist frei­ge­wor­den, weil die bis­he­ri­ge In­ha­be­rin Nik­ki Ha­ley das Amt zum Jah­res­en­de auf­gibt. In Wa­shing­ton wird dar­über spe­ku­liert, dass die Neu­be­set­zung mit Nau­ert mit ei­ner deut­li­chen Ab­wer­tung des Pos­tens in der Re­gie­rungs­hier­ar­chie ein­her­ge­hen wird. Bis­her wa­ren die UN-Bot­schaf­ter zugleich Ka­bi­netts­mit­glie­der. Sie wa­ren als Di­plo­ma­ten zwar dem US-Au­ßen­mi­nis­ter un­ter­stellt, hat­ten aber auch ei­nen di­rek­ten Zu­gang zum Prä­si­den­ten. Ob auch Nau­ert den Sta­tus ei­nes Ka­bi­netts­mit­glieds ha­ben wird, war am Frei­tag noch nicht be­kannt.

Si­cher ist al­ler­dings, dass Nau­erts po­li­ti­sches und di­plo­ma­ti­sches Ge­wicht nicht an­nä­he­rend dem ih­rer Vor­gän­ge­rin so­wie frü­he­rer ame­ri­ka­ni­scher UN-Bot­schaf­ter ent­spricht. Die 48 Jah­re al­te Nau­ert hat vor ih­rer Zeit in der Re­gie­rung als Fern­seh­jour­na­lis­tin ge­ar­bei­tet, un­ter an­de­rem für ABC und Fox News. Bei Fox war sie zu­letzt ei­ne der Mo­de­ra­to­rin­nen der mor­gend­li­chen Sen­dung „Fox & Fri­ends“– ei­ne von Prä­si­dent Trumps Lieb­lings­sen­dun­gen. Im April 2017 wech­sel­te sie in den Re­gie­rungs­dienst und wur­de Spre­che­rin des da­ma­li­gen Au­ßen­mi­nis­ters Rex Til­ler­son.

Nau­erts Ver­hält­nis zu Til­ler­son galt als schlecht. Der Mi­nis­ter ver­trau­te nur ei­ner Hand­voll en­ger Mit­ar­bei­te, zu de­nen Nau­ert nicht ge­hör­te. An­geb­lich war Til­ler­son, der oft mit Trump über­kreuz lag, der An­sicht, dass Nau­ert ei­ne Ver­bün­de­te des Wei­ßen Hau­ses sei.

Die­ser eins­ti­ge Ma­kel ist in­zwi­schen frei­lich zu ei­nem Vor­teil ge­wor­den. Til­ler­sons Nach­fol­ger Mi­ke Pom­peo ist, zu­min­dest in der Öf­fent­lich­keit, ein treu­er Ge­folgs­mann Trumps, der des­sen „Ame­ri­ca­first“-Po­li­tik um­setzt. Und ob­wohl aus­län­di­sche Be­su­cher im­mer wie­der über­rascht sind, wie harsch vie­le US-Di­plo­ma­ten Trump un­ter vier Au­gen kri­ti­sie­ren – Nau­ert hat sich den Ruf ei­ner un­er­schüt­ter­li­chen Ver­tei­di­ge­rin ih­res um­strit­te­nen Prä­si­den­ten er­ar­bei­tet.

Trumps Po­li­tik zu er­klä­ren, vor al­lem aber zu ver­tei­di­gen, wird ver­mut­lich auch Nau­erts wich­tigs­ter Job in New York sein. Das ist aus Trumps Sicht die Haupt­auf­ga­be sei­ner Bot­schaf­ter und ein Grund, war­um er zum Bei­spiel den ame­ri­ka­ni­schen Ver­tre­ter in Ber­lin, Richard Gren­ell, so schätzt. Gren­ell, der an­geb­lich für den Pos­ten in New York im Ge­spräch war, hat oft Fern­seh­auf­trit­te oder schreibt Tweets, in de­nen er Trump lobt. Gilt Trump ge­gen­über als loy­al: Hea­ther Nau­ert.

Nau­erts Ar­beits­platz­be­schrei­bung wür­de sich in die­sem Fall al­ler­dings von der Ha­leys un­ter­schei­den. Die bis­he­ri­ge UNBot­schaf­te­rin be­saß durch­aus po­li­ti­schen Ehr­geiz und hat das Wei­ße Haus und die Welt zu­wei­len mit ei­ge­nen di­plo­ma­ti­schen Vor­stö­ßen über­rascht. So be­für­wor­te­te Ha­ley zum Bei­spiel ge­gen­über Russ­land ei­ne här­te­re Li­nie als der Prä­si­dent.

Zwar hat­te auch Ha­ley vor ih­rem Amts­an­tritt in New York kei­ne di­plo­ma­ti­sche oder au­ßen­po­li­ti­sche Er­fah­rung. Doch im Ge­gen­satz zu Nau­ert hat­te sie als ehe­ma­li­ge Gou­ver­neu­rin des Bun­des­staats South Ca­ro­li­na po­li­ti­sches Ge­wicht und gu­te Ver­bin­dun­gen in der Re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei. Das gab Ha­ley ei­ne ge­wis­se Un­ab­hän­gig­keit von Trump.

Die­se Un­ab­hän­gig­keit be­sitzt Nau­ert nicht. Zu­dem wird sie es bei ih­rer täg­li­chen di­plo­ma­ti­schen Ar­beit in New York mit zwei äu­ßerst macht­be­wuss­ten und zu­wei­len nicht zim­per­li­chen Män­nern in Wa­shing­ton zu tun ha­ben: Au­ßen­mi­nis­ter Mi­ke Pom­peo und Trumps Si­cher­heits­be­ra­ter John Bol­ton ge­hö­ren nicht zu de­nen, sie sich von ei­ner No­vi­zin Kon­kur­renz ma­chen las­sen.

FO­TO: AFP

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