SPRACHLABOR

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 16 FORUM & LESERBRIEFE - Her­mann un­ter­stö­ger

MIT VIEL HERZ wur­de die von der Po­li­tik oft stief­müt­ter­lich be­han­del­te Kin­der­gärt­ne­rin zur „Mit­ar­bei­te­rin der Wo­che“er­nannt. Das Herz al­lein bringt es aber nicht, fin­det un­se­re Le­se­rin B.-Z., wenn ihm nicht Sach­ver­stand zur Sei­te steht – in die­sem Fall das Wis­sen, dass es die Be­rufs­be­zeich­nung Kin­der­gärt­ne­rin schon län­ge­re Zeit nicht mehr gibt. Wir könn­ten uns jetzt hin­ter Job­bör­sen wie Kar­rie­re­sprung.de ver­schan­zen, die am al­ten Be­rufs­na­men er­sicht­lich nichts Eh­ren­rüh­ri­ges fin­den. Das tun wir aber nicht. Viel­mehr ver­wei­sen wir aufs Recht, bei­spiels­wei­se auf die baye­ri­sche Fach­aka­de­mie­ord­nung (FakO), die von der „Staat­lich an­er­kann­ten Er­zie­he­rin“und dem „Staat­lich an­er­kann­ten Er­zie­her“spricht.

ZUM DRIT­TEN UND LETZ­TEN MAL sei, dies­mal auf An­re­gung von Le­se­rin B., dar­an er­in­nert, dass Pf­rün­de nicht der Plu­ral von Pf­rund ist, son­dern dass es sich bei die­sem Wort ver­hält wie bei der Sün­de: ei­ne Sün­de, meh­re­re Sün­den. Hier­zu ein Sch­man­kerl aus dem Grimm: „PFRÜNDENFRESSER, m. so hies­zen in der re­for­ma­ti­ons­zeit die so­ge­nann­ten cur­ti­sa­nen, wel­che vor­ga­ben, vom päpst­li­chen Ho­fe an­wei­sung auf pfrün­den zu be­sit­zen, und sol­che in be­sitz nah­men.“

VON EI­NEM GASTAUTOR stamm­te fol­gen­der Satz: „Mit ei­ner sol­chen Ge­set­zes­än­de­rung könn­te die ka­tho­li­sche Kir­che mit Papst Fran­zis­kus ver­lo­re­ne Glaub­wür­dig­keit zu­rück­ge­win­nen.“Le­ser E. hält es für „fast schon tra­gisch“, dass der Au­tor, ein füh­ren­der Kir­chen­recht­ler ne­ben­bei, aus­ge­rech­net sei­ne Con­clu­sio so miss­ver­ständ­lich for­mu­liert, dass sich zwei völ­lig ge­gen­sätz­li­che Les­ar­ten zur Rol­le des Paps­tes dar­aus ab­lei­ten las­sen: „Hat die Kir­che ih­re Glaub­wür­dig­keit mit ihm ver­lo­ren oder soll sie die­se (vor­her ver­lo­re­ne) mit ihm nun zu­rück­ge­win­nen?“Herrn E. zu­fol­ge hät­te ein Re­la­tiv­satz für Klar­heit ge­sorgt. Noch leich­ter wä­re es ge­we­sen, wenn die Re­dak­ti­on im Rah­men ih­rer Au­to­ren­pfle­ge ein die ein­ge­setzt hät­te, sei es nun vor oder hin­ter dem Papst.

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