May: Wir tre­ten am 29. März aus

Kurz vor der Ab­stim­mung in Lon­don de­men­tiert die Pre­mier­mi­nis­te­rin Ge­rüch­te, der Br­ex­it wer­de auf­ge­scho­ben. Sie warnt das Par­la­ment vor ka­ta­stro­pha­len Fol­gen, soll­te das Ab­kom­men schei­tern

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - VORDERSEITE - Von cath­rin kahl­weit und alex­an­der mühlau­er arne perras

(SZ) Die Fra­ge, was ein Mann ha­ben muss, da­mit ihn Frau­en at­trak­tiv fin­den, ist so un­ge­löst wie et­wa die Fra­ge, wie die Welt vor dem Ur­knall aus­sah und ob es da­mals schon die Bahn­card 100 für Se­nio­ren gab. An Theo­ri­en zur ero­ti­schen Strahl­kraft des Man­nes ar­bei­ten so­wohl Wis­sen­schaft­ler als auch Stamm­tisch­ler, manch­mal so­gar in Per­so­nal­uni­on; be­last­ba­re Er­geb­nis­se sind je­doch rar, so­fern es über­haupt wel­che gibt. Mal heißt es, Män­ner müs­sen ein­fühl­sam und char­mant sein, da­mit sie Frau­en ge­fal­len, dann gilt wie­der die The­se, der bru­ta­le Al­pha­mann, der durchs Le­ben schrei­tet wie die Wild­sau durch den Ge­mü­se­gar­ten, sei der un­wi­der­steh­li­che Ide­al­typ. Ob um­fas­send ge­bil­de­te Geis­tes­men­schen oder von des Ge­dan­kens Bläs­se un­be­las­te­te Na­tur­bur­schen bes­se­re Chan­cen ha­ben, weiß man auch nicht wirk­lich, ganz zu schwei­gen von der Fra­ge: Müs­sen Män­ner schön sein? In die­sem Punkt hat Fried­rich Tor­bergs Tan­te Jo­lesch noch die über­zeu­gends­te Ant­wort ge­lie­fert: „Was ein Mann schö­ner is wie ein Aff, is ein Lu­xus.“Am wahr­schein­lichs­ten aber ist die Ver­mu­tung, Frau­en fin­den Män­ner ge­ne­rell doof und über­flüs­sig, las­sen sich aber man­gels Al­ter­na­ti­ven trotz­dem auf sie ein.

Um end­lich Klar­heit in die ver­wir­ren­de An­ge­le­gen­heit zu brin­gen, ha­ben For­scher der Chi­ne­si­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten die Sa­che un­ter­sucht, und zwar an­hand von Wel­len­sit­ti­chen. Da­bei ha­ben sie ei­nem Sit­tich­männ­chen ei­nen Trick bei­ge­bracht, den sei­ne Kon­kur­ren­ten um die Gunst der Weib­chen nicht be­herrsch­ten. Der Schlau­vo­gel war nach ei­ni­gen Trai­nings­ein­hei­ten in der La­ge, den De­ckel ei­ner ver­schlos­se­nen Fut­ter­box zu öff­nen. So­fort flo­gen ihm die Her­zen der weib­li­chen Wel­len­sit­ti­che zu, ja, ei­ni­ge be­son­ders flat­ter­haf­te Hen­nen ver­lie­ßen so­gar ih­ren Part­ner, um sich dem cle­ve­ren Über­flie­ger scham­los an die Brust zu wer­fen. Man muss sich das mal vor­stel­len: Für ei­ne Hand­voll Kör­ner ge­ben die­se Bies­ter ih­rem Ge­lieb­ten den Flug­pass, egal, ob und wie lan­ge er dar­an zu knab­bern hat.

Die For­scher be­wer­ten das lieb- und treu­lo­se Part­ner­wahl­ver­hal­ten als le­bens­klug, weil es die In­tel­li­genz der Art stei­gert, wenn sich zu­al­ler­erst die Schlau­en fort­pflan­zen. In ein­fa­cher, auch dum­men Männ­chen zu­gäng­li­cher Spra­che könn­te man sa­gen: Schlaue Män­ner sind se­xy. Das gilt na­tür­lich eben­so für die men­sch­li­che Gat­tung, denn Wel­len­sit­ti­che sind dem Men­schen sehr ähn­lich: Sie ge­hen auf zwei Bei­nen, kön­nen spre­chen und schau­en ger­ne in den Spie­gel. Aber war es über­haupt die Klug­heit, was die Sit­tich­frau­en so sehr be­wun­dert ha­ben? War es nicht eher der Reich­tum, der Über­fluss an er­le­se­nen Spei­sen, mit dem der ge­fie­der­te Fut­ter­box­schlos­s­öff­ner punk­ten konn­te? Wenn das stimmt, sieht es für geist­vol­le Ho­mo-sa­pi­ens-Män­ner nun doch wie­der schlecht aus. Sie sind in der Re­gel un­fä­hig, oh­ne Schlüs­sel­dienst ein Schloss zu öff­nen. Lon­don/Brüs­sel – Vor der ent­schei­den­den Par­la­ments­ab­stim­mung über den Br­ex­it-Ver­trag an die­sem Di­ens­tag wächst in Eu­ro­pa die Sor­ge vor den un­be­re­chen­ba­ren Fol­gen des Vo­tums. Ei­ne Ab­leh­nung des mit Brüs­sel aus­ge­han­del­ten Ab­kom­mens wer­de „ka­ta­stro­pha­le“Aus­wir­kun­gen für die De­mo­kra­tie im Land ha­ben, warn­te die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May am Mon­tag in ei­ner Re­de vor Fa­b­rik­ar­bei­tern in der eng­li­schen Stadt Sto­ke-on-Trent. Dort hat­te ei­ne deut­li­che Mehr­heit der Bür­ger beim Re­fe­ren­dum für den Aus­tritt aus der EU ge­stimmt.

May ver­such­te bis zu­letzt, die er­war­te­te Nie­der­la­ge ab­zu­wen­den und ei­ne Mehr­heit der Ab­ge­ord­ne­ten da­von zu über­zeu­gen, für den Aus­trittsver­trag zu vo­tie­ren. Et­wa 100 Ab­ge­ord­ne­te aus Mays ei­ge­ner kon­ser­va­ti­ver Frak­ti­on hat­ten an­ge­kün­digt, da­ge­gen zu stim­men. Die Pre­mier­mi­nis­te­rin woll­te noch am Mon­tag­nach­mit­tag bei ei­nem Auf­tritt im Par­la­ment ver­su­chen, die Ab­ge­ord­ne­ten mit neu­en Klar­stel­lun­gen aus Brüs­sel um­zu­stim­men.

In ei­nem ge­mein­sa­men Brief an May ver­si­cher­ten EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk und EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­anClau­de Juncker, dass die um­strit­te­ne Not­fall­lö­sung für Nord­ir­land nur ei­ne Rück­ver­si­che­rung sei und mög­lichst nie ge­nutzt wer­den sol­le. Wür­de der so­ge­nann­te Back­stop den­noch ge­braucht, dann nur über­gangs­wei­se, bis ei­ne bes­se­re Lö­sung ge­fun­den sei. May zu­fol­ge si­che­re die EU auch zu, dass die Ver­hand­lun­gen über die künf­ti­gen Be­zie­hun­gen zwi­schen Groß­bri­tan­ni­en und der EU be­reits vor dem Aus­tritts­da­tum am 29. März, un­mit­tel­bar nach der Ra­ti­fi­zie­rung be­gin­nen könn­ten. Die­se Zu­sa­gen sei­en „rechts­wirk­sam“, sag­te May, und müss­ten zur In­ter­pre­ta­ti­on des Aus­tritts­ab­kom­mens hin­zu­ge­zo­gen wer­den. Tusk und Juncker be­kräf­tig­ten, dass die im De­zem­ber auf dem EU-Gip­fel ge­ge­be­nen Zu­si­che­run­gen zur Nord­ir­land-Fra­ge „ei­nen recht­li­chen Wert“hät­ten.

Die Pre­mier­mi­nis­te­rin trat Spe­ku­la­tio­nen ent­ge­gen, wo­nach der Br­ex­it auf­ge­scho­ben wer­den könn­te. „Wir tre­ten am 29. März aus“, sag­te May. In Brüs­sel stell­ten EU-Di­plo­ma­ten hin­ge­gen ei­ne mög­li­che Ver­län­ge­rung des Aus­tritts­pro­zes­ses bis Ju­li in Aus­sicht. Dem müss­ten al­ler­dings al­le EU-Staa­ten zu­stim­men. An­fang Ju­li tritt das im Mai neu ge­wähl­te Eu­ro­päi­sche Par­la­ment erst­mals zu­sam­men.

Wäh­rend die Pre­mier­mi­nis­te­rin für ih­ren Vor­schlag warb, beug­ten sich die Ab­ge­ord­ne­ten im Par­la­ment über zahl­rei­che An­trä­ge, mit de­nen nach Mays er­war­te­ter Nie­der­la­ge ein al­ter­na­ti­ver Kurs fest­ge­legt wer­den soll. Weil es bis zum Aus­tritts­tag nur noch et­wa 70 Ta­ge sind, wird im Un­ter­haus die Mög­lich­keit ei­ner Ver­schie­bung des Ter­mins eben­so son­diert wie ein Miss­trau­ens­vo­tum ge­gen die Re­gie­rung mit nach­fol­gen­den Neu­wah­len und ein Ge­setz über ein zwei­tes Re­fe­ren­dum. Da­mit wür­de den Bür­gern die Br­ex­it-Fra­ge er­neut vor­ge­legt wer­den.

Hö­ren Sie zu die­sem The­ma auch den Pod­cast. Bild von In­di­ens Flüs­sen, vie­le sind Kloa­ken. Und Men­schen­an­samm­lun­gen ver­schlim­mern die Zu­stän­de, wie For­scher nach ei­ner Kumbh Me­la in Na­shik 2015 nach­wie­sen. Das Fest hin­ter­ließ ge­fähr­li­che Spu­ren: Vor al­lem sol­che Kei­me nah­men zu, die Re­sis­ten­zen ge­gen An­ti­bio­ti­ka zeig­ten, schrie­ben For­scher kürz­lich im Fach­blatt Mi­cro­bi­al Eco­lo­gy.

„Das kann uns al­les nicht mehr pas­sie­ren“, ver­si­chert Rai vom Or­ga­ni­sa­ti­ons­team in Al­la­ha­bad. Schließ­lich hät­ten sie 122 000 tem­po­rä­re Klos in der Zelt­stadt auf­ge­baut. Rei­ni­gungs­trupps sol­len sie je­de Nacht lee­ren und die La­dun­gen zur Klär­an­la­ge trans­por­tie­ren. Ob das rei­chen wird, den Fluss zu scho­nen? Genau wird man es erst wis­sen, wenn Pro­ben wäh­rend des Fes­tes aus­ge­wer­tet wer­den. „Wir tun je­den­falls al­les, um ne­ga­ti­ve Fol­gen zu mi­ni­mie­ren,“sagt Rai. Die­se Kumbh Me­la soll so sau­ber wer­den wie nie zu­vor.

FO­TO: DAN KITWOOD / GET­TY IMAGES

Drin­nen de­bat­tiert das Par­la­ment, drau­ßen vor West­mins­ter Pa­lace de­mons­trie­ren Bür­ger – die­ser hofft auf ein Groß­bri­tan­ni­en in der EU.

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