Ho­nig der Uns­terb­lich­keit

Das größ­te re­li­giö­se Fest der Welt lockt Mil­lio­nen an den Gan­ges

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - VORDERSEITE -

Frü­her hat der In­der Ra­jiv Rai Ra­ke­ten für das Mi­li­tär ent­wi­ckelt, aber das sei die leich­te­re Übung ge­we­sen, sagt er. Heu­te ar­bei­tet er dar­an, dass die „Kumbh Me­la“rei­bungs­los star­tet. So heißt das größ­te re­li­giö­se Fes­ti­val der Welt, das nun be­ginnt.

Hin­dus wer­den in den kom­men­den 49 Ta­gen aus al­len Him­mels­rich­tun­gen nach Al­la­ha­bad strö­men, wo die hei­li­gen Flüs­se Gan­ges und Ya­mu­na mit dem my­thi­schen Sa­ras­wa­ti zu­sam­men­flie­ßen. Die Or­ga­ni­sa­to­ren rech­nen mit bis zu 150 Mil­lio­nen Men­schen, die dort ein ri­tu­el­les Bad neh­men wol­len. Groß­kampf­ta­ge für Rai und sei­ne Leu­te, die die Lo­gis­tik für das Fest stem­men.

„Beim Ge­dan­ken an so vie­le Men­schen kann man schon mal Angst be­kom­men“, sagt der In­der. Den­noch klingt sei­ne Stim­me am Te­le­fon, we­ni­ge St­un­den vor Be­ginn, recht ent­spannt. „Die­ses Fest zeigt uns die gan­ze Schön­heit der Welt“, schwärmt er. Wo sonst ge­be es das schon, dass sich so vie­le Leu­te fried­lich ver­sam­mel­ten, Gläu­bi­ge und Tou­ris­ten, ein­träch­tig ne­ben­ein­an­der.

Kumbh Me­la fin­det je­weils an ei­nem von vier Pil­ger­or­ten statt, das Fest rich­tet sich nach der Stel­lung von Ju­pi­ter, Mond und Son­ne, und es fällt un­ter­schied­lich groß aus. Die­ses Mal gibt es laut Ka­len­der ei­gent­lich kei­ne gro­ße Kumbh Me­la, son­dern nur ei­ne „hal­be“, wie die In­der sa­gen. Den­noch glaubt Rai: „Das hier wird Welt­re­kord.“Wo­mög­lich hat der Ehr­geiz auch mit dem Ziel des Pre­miers Na­ren­dra Mo­di zu tun, die Wah­len im Früh­jahr zu ge­win­nen. Da macht es sich gut, als Wäch­ter über die Re­li­gi­on zu glän­zen.

Das Hind­ufest wächst je­doch schon län­ger, be­son­ders stark ha­ben die Zah­len in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren zu­ge­legt. Wa­ren es 1903 noch 400 000 Gläu­bi­ge, ka­men 2013 schon 120 Mil­lio­nen. So groß wer­den die An­samm­lun­gen, dass For­scher vor Schä­den für Mensch und Na­tur war­nen.

Für Gläu­bi­ge, die in den hei­li­gen Strom ein­tau­chen, ver­wan­delt sich das Was­ser in den Ho­nig der Uns­terb­lich­keit. Sie stre­ben da­nach, vom Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt er­löst zu wer­den, und an be­stimm­ten Ta­gen wird man be­son­ders schnell von Sün­den be­freit, gera­de so, als rei­se man auf dem High­way ins Nir­wa­na. Al­ler­dings dürf­te auch viel spi­ri­tu­el­le Kraft nö­tig sein, um die Flu­ten des Gan­ges heu­te noch als gött­li­chen Nekt­ar zu ver­klä­ren. Mi­kro­bio­lo­gen zeich­nen ein be­droh­li­ches

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