Wer am lau­tes­ten brüllt

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG - Na­dia pan­tel

Zu Be­ginn war die Be­we­gung der so­ge­nann­ten Gelb­wes­ten un­ge­wöhn­lich zor­nig. In­zwi­schen ist sie vor al­lem un­ge­wöhn­lich er­folg­reich. Die Gi­lets jau­nes ha­ben ei­ne Steu­er ge­kippt, Zu­ge­ständ­nis­se an Ge­ring­ver­die­ner er­kämpft und Frank­reichs Prä­si­den­ten Em­ma­nu­el Ma­cron ins Strau­cheln ge­bracht. Zu­dem ha­ben die Men­schen in Warn­wes­ten nicht nur in Frank­reich, son­dern in ganz Eu­ro­pa De­bat­ten über ge­rech­te Löh­ne und die Ver­tei­lung von Wohl­stand an­ge­sto­ßen.

Doch dem Er­folg der Gi­lets jau­nes haf­tet ein üb­ler Bei­ge­schmack an. Ih­re Macht ent­stand nicht, weil sie be­son­ders vie­le wä­ren. Sie wur­den ge­hört, weil sie Wo­che­n­en­de um Wo­che­n­en­de Pa­ris zer­leg­ten. Die Zer­stö­rungs­lust wur­de nicht von Kra­wall­tou­ris­ten in die De­mons­tra­tio­nen ge­tra­gen, sie ent­stand in­ner­halb der Be­we­gung. Ja, die gro­ße Mehr­heit hat fried­lich de­mons­triert. Aber die ver­gleichs­wei­se ge­walt­frei­en Blo­cka­den der An­fangs­zeit wa­ren von der Re­gie­rung noch klein­ge­re­det wor­den. Erst die Aus­schrei­tun­gen brach­ten in Tei­len das er­hoff­te Ein­len­ken und nun den Brief des Prä­si­den­ten.

Ma­cron hat sich ent­schie­den, den Un­mut der Gelb­wes­ten ernst zu neh­men. Das ist rich­tig und nö­tig. Noch nö­ti­ger wä­re es aber, Un­zu­frie­de­nen und Aus­ge­grenz­ten auch dann ein Po­di­um zu bie­ten, wenn sie dar­auf ver­zich­ten, Au­tos und Häu­ser an­zu­zün­den.

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