Wil­li Pfaff und Bir­git Neumann, Bio-Händ­ler

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - WIRTSCHAFT - Max ferstl

Im Sep­tem­ber ha­ben Wil­li Pfaff und Bir­git Neumann

mal wie­der ex­pan­diert: Die 18. Fi­lia­le ih­res Bio­f­ach­han­dels Voll­cor­ner im Münch­ner Fo­rum Schwanthal­er­hö­he ist die bis­lang größ­te, Ver­kaufs­flä­che: 1000 Qua­drat­me­ter. Voll­cor­ner wächst. Die Zahl der Fi­lia­len hat sich seit 2011 ver­dop­pelt. Hin­zu kom­men: ei­ne ei­ge­ne Kü­che für Fer­tig­ge­rich­te, ein Wein­ge­schäft, ein Re­stau­rant. Die Ge­schich­te der Voll­cor­ner-Lä­den und des Ehe­paars Pfaff und Neumann passt zum Bio-Boom. „Bei uns läuft es al­ler­dings nicht ganz so wie in der rest­li­chen Kon­junk­tur“, sagt Pfaff. Der Um­satz wach­se, das schon, aber nicht mehr so spek­ta­ku­lär zwei­stel­lig wie in den 2000er-Jah­ren. Das Bio-Ge­schäft hat sich ra­sant ver­än­dert. Al­lein im Jahr 2017 hat die Bran­che zehn Mil­li­ar­den Eu­ro um­ge­setzt, fast sechs Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Da­von pro­fi­tier­ten aber we­ni­ger Fach­ge­schäf­te wie Voll­cor­ner, son­dern vor al­lem gro­ße Dis­coun­ter. Dort hat man ge­merkt, dass es Ver­brau­chern wich­ti­ger wird, ob das an­ge­bo­te­ne Huhn vor­her ein gu­tes Le­ben ge­führt hat und ob die To­ma­ten oh­ne Pes­ti­zi­de ge­wach­sen sind. „Bio ist in der Mit­te der Ge­sell­schaft an­ge­kom­men“, sagt Neumann. Im Grun­de freu­en sich die Ge­schäfts­füh­rer über die Ent­wick­lung, auch wenn der Markt nun um­kämpft ist. Frü­her ha­ben Fach­händ­ler zwei Drit­tel des Um­sat­zes mit Bio­le­bens­mit­teln er­wirt­schaf­tet, mitt­ler­wei­le füh­ren Su­per­märk­te mit Bio­re­gal deut­lich. „Wir woll­ten mal Bio für al­le – da kön­nen wir uns nicht be­schwe­ren, wenn es jetzt vie­le an­bie­ten“, sagt Pfaff. Den ers­ten La­den hat er 1988 er­öff­net, Bio steck­te in der Ni­sche fest. Seit­dem hat sich – auch un­ter dem Ein­druck di­ver­ser Le­bens­mit­tel­skan­da­le – das Be­wusst­sein ver­än­dert: „Die Men­schen wol­len wis­sen, was in ih­rem Es­sen drin ist“, so Pfaff. Das In­ter­es­se sei stark ge­wach­sen, un­ab­hän­gig vom Auf­schwung. Des­halb ist Pfaff nicht ban­ge, wenn die Wirt­schaft er­neut schwä­cheln soll­te. „Die Men­schen wer­den sich in Zu­kunft eher noch mehr Ge­dan­ken um ihr Es­sen ma­chen.“

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