Va­le­rie Hols­bo­er, Vor­stand Ar­beits­agen­tur

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - WIRTSCHAFT - Alex­an­der ha­ge­lü­ken

An­ders als man­cher glaubt, ver­dankt sich der deut­sche Boom nicht nur Ex­por­ten – son­dern auch den hei­mi­schen Kon­su­men­ten. Und die for­dern die Un­ter­neh­men im Boom ganz schön her­aus, lern­te Va­le­rie Hols­bo­er, als sie ein Jahr­zehnt den Ver­band der Sys­tem­gas­tro­no­men lei­te­te, zu dem Fast Food ge­hört. „Der An­spruch der Kun­den an Qua­li­tät nahm zu. Es soll nach­hal­tig und ge­sund sein, aber ge­nau­so viel kos­ten wie vor­her. Die Deut­schen sind kon­sum­freu­dig bei ,Geiz ist geil‘.“Hols­bo­er, 42, wech­sel­te in­zwi­schen in den Vor­stand der Bun­des­agen­tur für Ar­beit, die für 2018 nur noch 2,3 Mil­lio­nen Ar­beits­lo­se ver­kün­de­te. Was sich von der Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit der Nul­ler­jah­re mar­kant un­ter­schei­det – und Fir­men vor ein ganz neu­es Pro­blem stellt: Per­so­nal­knapp­heit. Hols­bo­ers Schnell­re­stau­rants wa­ren ge­wohnt, um Mit­ar­bei­ter zu wer­ben, an­de­re Bran­chen nicht, be­ob­ach­tet sie: „Die wa­ren ge­wohnt, aus dem Vol­len zu schöp­fen.“Nun dreht man­cher teu­re Vi­de­os für Youtube, um Kan­di­da­ten zu be­geis­tern. Hols­bo­er rät, lie­ber Jobs zu bie­ten, die Sinn stif­ten. „Wer Plät­ze in Ki­tas hat oder gar bei der Woh­nungs­fin­dung un­ter­stützt, ist ganz weit vor­ne.“Wer Fach­kräf­te­man­gel ver­mei­den will, soll ver­su­chen, aus schwie­ri­gen Be­wer­bern et­wa für ei­ne Lehr­stel­le das Bes­te her­aus­zu­ho­len. Doch die Feh­ler, fürch­tet die Ju­ris­tin, wer­den im­mer in gu­ten Zei­ten wie jetzt ge­macht. Auf al­len Sei­ten. „Je­der, der oh­ne Ab­schluss von der Schu­le ab­geht, hat ein grö­ße­res Ri­si­ko, spä­ter ar­beits­los zu wer­den – und fehlt spä­ter als Fach­kraft.“Die deut­sche Be­völ­ke­rung schrumpft, muss dem Boom da nicht oh­ne­hin bald die Luft aus­ge­hen? Nein, da lässt sich ge­gen­steu­ern, auf ganz ver­schie­de­ne Wei­se, sagt Hols­bo­er, sie ist ers­ter weib­li­cher Vor­stand in der Ge­schich­te der Bun­des­agen­tur für Ar­beit: „Es macht mich wü­tend, dass top aus­ge­bil­de­te Frau­en im Be­kann­ten­kreis nicht ar­bei­ten, weil sie ih­re Kin­der nicht be­treut krie­gen. Da wer­den Res­sour­cen ver­schwen­det.“

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