Prä­si­dent Er­doğan droht der EU

Wenn die Kri­tik an der Of­fen­si­ve in Nord­sy­ri­en an­hal­te, kön­ne er für Flücht­lin­ge die „Tü­ren auf­ma­chen“

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - VORDERSEIT­E - Dbr, pkr

32 15 30 31 21 Mün­chen – Die Tür­kei setzt ih­re Of­fen­si­ve ge­gen Zie­le im von kur­di­schen Mi­li­zen kon­trol­lier­ten Nord­sy­ri­en un­ver­min­dert fort und weist die schar­fe in­ter­na­tio­na­le Kri­tik zu­rück. Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­doğan warn­te die Eu­ro­päi­sche Uni­on, von „Be­sat­zung“zu spre­chen. Sonst wer­de er die „Tü­ren auf­ma­chen“, al­so den Pakt mit der EU auf­kün­di­gen und Flücht­lin­gen die Wei­ter­rei­se ge­stat­ten. Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und Deutsch­land hat­ten ei­ne Son­der­sit­zung des UN-Si­cher­heits­ra­tes be­an­tragt.

Frank­reichs Au­ßen­mi­nis­ter Je­an-Yves Le Dri­an for­der­te ein En­de der „uni­la­te­ra­len Ope­ra­ti­on der Tür­kei in Sy­ri­en“. Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) sag­te laut dem Aus­wär­ti­gen Amt in ei­nem Te­le­fo­nat mit sei­nem Kol­le­gen Mev­lüt Ça­vuşoğlu: „Bei al­lem Ver­ständ­nis für die tür­ki­schen Si­cher­heits­in­ter­es­sen“be­fürch­te­ten Deutsch­land und die EU „er­heb­li­che ne­ga­ti­ve Fol­gen“bis hin zum Wie­der­er­star­ken der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat.

Die tür­ki­sche Ar­mee griff mit Kampf­jets und Ar­til­le­rie wei­ter Zie­le in Nord­sy­ri­en an. „Die Ope­ra­ti­on wird der­zeit mit Be­tei­li­gung al­ler un­se­rer Ein­hei­ten fort­ge­setzt“, sag­te Er­doğan vor Mit­glie­dern sei­ner AK-Par­tei in An­ka­ra und füg­te hin­zu, es sei­en be­reits „109 Ter­ro­ris­ten ge­tö­tet wor­den“. Die Kur­den in Sy­ri­en mel­de­ten acht ge­tö­te­te Zi­vi­lis­ten, auch sol­len et­wa 20 Kämp­fer der kur­di­schen YPG-Mi­li­zen um­ge­kom­men sein. Nach An­ga­ben des UNFlücht­lings­hilfs­werks UNHCR ver­such­ten Zehn­tau­sen­de Zi­vi­lis­ten, sich vor dem Be­schuss in Si­cher­heit zu brin­gen. In der Tür­kei schlu­gen Gra­na­ten in Grenz­städ­ten ein, die nach of­fi­zi­el­len An­ga­ben vier Men­schen tö­te­ten und 70 ver­letz­ten.

US-Prä­si­dent Do­nald Trump warn­te die Tür­kei, er wer­de sie „fi­nan­zi­ell und mit Sank­tio­nen sehr hart tref­fen“, wenn sie sich nicht an die Re­geln hal­te – oh­ne aus­zu­füh­ren, wel­che dies sind. Er ha­be klar­ge­macht, dass er die Of­fen­si­ve „für kei­ne gu­te Idee“hal­te, sag­te Trump und ver­such­te da­mit, dem auch bei den Re­pu­bli­ka­nern ge­teil­ten Ein­druck ent­ge­gen­zu­tre­ten, er ha­be Er­doğan mit dem Rück­zug der UST­rup­pen sei­ne Bil­li­gung des Ein­marschs si­gna­li­siert. Se­na­to­ren bei­der Par­tei­en be­rei­te­ten Sank­tio­nen ge­gen die Tür­kei und Er­doğan vor und ver­lang­ten, An­ka­ras Na­toMit­glied­schaft aus­zu­set­zen.

Ei­ne här­te­re Li­nie ge­gen­über An­ka­ra for­dert auch die deut­sche Op­po­si­ti­on. Die Bun­des­re­gie­rung sol­le „un­ver­züg­lich“den tür­ki­schen Botschafte­r ein­be­stel­len, ver­lang­te der au­ßen­po­li­ti­sche Spre­cher der FDP-Bun­des­tags­frak­ti­on, Bi­jan Djir-Sa­rai. Stop­pe die Tür­kei den Vor­marsch nicht, müss­ten Sank­tio­nen ver­hängt wer­den.

Das US-Mi­li­tär in Sy­ri­en nahm un­ter­des­sen et­wa 40 aus­län­di­sche Kämp­fer der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat in Ge­wahr­sam, die bis­her in Ge­fäng­nis­sen der Kur­den fest­ge­hal­ten wur­den. Un­ter ih­nen sind zwei bri­ti­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge, die an der Ent­haup­tung von west­li­chen Gei­seln be­tei­ligt ge­we­sen sein sol­len. Die Kur­den ha­ben Tau­sen­de IS-Kämp­fer in­haf­tiert. Un­klar ist, was mit ih­nen ge­schieht, wenn die Kur­den die Be­wa­cher ab­zie­hen, um sie an der Front ge­gen die Tür­kei ein­set­zen zu kön­nen. An der Saar und süd­lich des Neckars ist es oft son­nig und tro­cken. Im Nor­den wird es wech­sel­haft, dort fällt auch der meis­te Re­gen. Die Tem­pe­ra­tu­ren lie­gen zwi­schen zwölf und 22 Grad. Im Berg­land und im Nor­den wird es stür­misch.

FO­TO: ULI DECK/DPA

Be­am­te der Bun­des­po­li­zei stei­gen mit Ste­phan B. aus ei­nem Hub­schrau­ber. Der 27-Jäh­ri­ge soll dem Haft­rich­ter vor­ge­führt wer­den.

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