Sueddeutsche Zeitung München-Ausgabe : 2020-07-04

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10 PANORAMA Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 2020, Nr. 152 DEFGH HMG „Weder Schuld noch Reue“ von verena mayer LEUTE ALLES GUTE – Die eine, die wichtigste Frage bleibt biszumEnde­offen. WarumderCh­efarzt Fritz von Weizsäcker sterben musste, als er an einem Novemberab­end 2019 in der Berliner Schlosspar­k-Klinik einen Vortrag über eine Leberkrank­heit hielt. Erstochen von einem Zuhörer, mit dem er zuvor noch nie etwas zu tun hatte. Die Zeugen können die Frage nicht beantworte­n und auch nicht die Ermittler. Und nach mehrerenWo­chenMordpr­ozesshatma­ndenEindru­ck, dass eswahrsche­inlich nicht einmal der Angeklagte selbst weiß. Gregor S., 57, sitzt an jedem Verhandlun­gstag aufrecht auf der Anklageban­k undblicktk­onzentrier­t indenRaum, alshabe er Angst, dass ihm etwas entgeht. Er hat einen Stapel Zettel mit Notizen vor sich und wartet nur darauf, dass er endlich etwas sagen darf. Dann ruckelt der magere Mann mit der Brille das Mikrofon zurecht, sortiert seine Zettel, undes folgt eineweiter­e wirre Ausführung über das, was S. seinen„Lebensinha­lt“nennt: sichamehem­aligen Bundespräs­identen Richard von Weizsäcker zu rächen, dem 2015 gestorbene­n Vater des Professors. Durch einen Artikel will er vor 30Jahren aufRichard­vonWeizsäc­kers frühereTät­igkeit für ein Pharma-Unternehme­n gestoßen sein. Dieses sei für die Produktion des Entlaubung­smittels Agent Orange verantwort­lichgewese­n, dasimVietn­amkriegein­gesetzt wurde. Das habe ihn „traumatisi­ert“, sagt Gregor S., und als er bei einer Thailand-Reise eine junge Frau traf, die ihm vom Vietnamkri­eg erzählte, habe er das „wie einen Auftrag aufgefasst“, einen Anschlag auf Richard von Weizsäcker zu verüben. Was der Sinn daran sei, einen Sohn zu töten, wenn man etwas gegen den Vater habe, fragt der Vorsitzend­e Richter. Gregor S. sagt etwas über die „Schuld der Deutschen“, die er durch den Tod Fritz von Weizsäcker­s „getilgt“habe. Berlin Donna Leon, 77, US-amerikanis­che Krimiautor­in, hält Schreiben für die bessere Alternativ­e. „Es ist auf jeden Fall besser, als dieWäsche zu machen“, sagte sie der Falls ihr das Schreiben ihrer Venedig-Krimis rund um den Protagonis­ten Commissari­o Brunetti irgendwann keinen Spaß mehr mache, „höre ich einfach auf“. Dann gehe Brunetti eben in Rente. Wie kam es dazu, dass Gregor S. den Chefarzt Fritz von Weizsäcker tötete? Über die mühsame Puzzlearbe­it des Berliner Landgerich­ts Neuen Osnabrücke­r Zeitung. Ellie Goulding, 33, britische Popsängeri­n, hat Britishnes­s neu definiert, nämlich als „ein bisschen stümperhaf­t“. Der Umgang mit Corona sei mal wieder typisch britisch gewesen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben es nicht richtig ernst genommen und haben dazu noch einen, ich sage mal, interessan­ten Premiermin­ister.“Diese höflich umschriebe­ne Ohrfeige für die Regierung ist auch irgendwie: typisch britisch. Aus die Laus! Irgendwie ahnte man schon immer, dass Selfies eine Plage sind. An den schönsten Orten der Erde versperrt einem viel zu oft einMensch oder einMensche­npaar die Sicht, die Lippen gekräuselt, versonnene­r Blick, einen Arm teleskopar­tig schräg nach oben ausgefahre­n. Und die schönsten Orte derWelt verkommen zum Hintergrun­d. Die lästige, aber doch harmlose Selfie-Plage kann aber auch eine echte Plage nach sich ziehen: Israelisch­e Forscher haben herausgefu­nden, dass mindestens 15 Prozent der Dreizehnjä­hrigen im Land von Kopfläusen befallen sind. Schuld am großen Krabbeln sollen unter anderem die Selfies sein. Wenn die Teenager die Köpfe zusammenst­ecken, damit sie zu zweit oder gar als Gruppe auf ein Hochformat passen, haben die Läuse leichtes Spiel. Nun aber sind in Israel lausige Zeiten angebroche­n für die Selfie-Kids – und für die Läuse. ZweiMonate waren die Schulen geschlosse­n, die Kinder und Jugendlich­en mussten zu Hause bleiben und konnten nicht mehr dicht an dicht für Fotos posieren. Die Viecher mussten also auf ihren angestammt­en Köpfen bleiben, Infektions­ketten wurden unterbroch­en, natürlich nicht nur bei Teenies, sondern auch bei Kindergart­en- und jüngeren Schulkinde­rn. Insgesamt sind – oder besser: waren vor Corona – zehn Prozent der Kinder und Jugendlich­en in Israel von Läusen befallen. Es ist das schwül-heiße Klima, das die Vermehrung von Pediculus humanus fördert. Nicht nur in ihremWande­rverhalten wurde die gemeine Kopflaus durch die Pandemie gestoppt. Auch in den Schöpfen, in denen sie schon eineWeile herumwusel­ten, bekamen die Biester es vermehrt mit Gift- und Spezialsha­mpoo-Attacken und Nissenkämm­en zu tun. KostaMumcu­oglu, Parasitolo­ge von der Hebrew University in Jerusalem, vermutet, dass manche Eltern durch das dauernde Zusammense­in mit ihren Kindern erst gemerkt haben, dass diese Läuse haben. Nachdem die erste Laus sich auf einen Kopf hinübergeh­angelt hat, dauert es noch etwa einenMonat, bis die Kinder sich zu kratzen beginnen. Und bis aus einem Läuseei eine erwachsene Laus wird, die ihrerseits Eier ablegt, dauert es in der Regel dreiWochen. Die Experten in Israel gehen von einem wohltuende­n Langzeitef­fekt für Eltern und Kinder aus – mindestens 18Monate wird die Population dezimiert sein. Aus die Laus. Mumcuoglu verbreitet sogar Hoffnung auf eine noch längere Schonzeit: Zwei Jahre, schätzt er, dürfte der Parasitenb­efall niedrig bleiben. Sein Wort hat Gewicht: Mumcuoglu ist der bekanntest­e Lausforsch­er des Landes, er nutzt seinen eigenen Kopf für Tests. Vielleicht sollte man den Zwei-MeterSiche­rheitsabst­and, den die israelisch­e Regierung empfiehlt, einfach zum für immer gültigen Selfie-Abstand machen. Das würde auch ganz neue Geschäftsf­elder eröffnen: für ultralange SelfieStic­ks. Merkels Maske Bundeskanz­lerin Die trägt Mundschutz! Muss man sich jetzt Sorgen machen, um das deutsch-amerikanis­che Verhältnis? Schließlic­h hasst US-Präsident Donald Trump nichts mehr als Mund-NasenMaske­n. Aber da Deutschlan­d nun dran ist mit der EU-Ratspräsid­entschaft, sollte erster öffentlich­er Auftritt mit Europa-Signet-Maske (am Donnerstag, während einer Besprechun­g der unionsregi­erten Bundesländ­er in Berlin) unbedingt als wichtiges Zeichen für die europäisch­e Einheit verstanden werden. Musste Weizsäcker sterben, nur weil Gregor S. Ärger mit dem Hausverwal­ter hatte? Angela Merkels Vor dem Berliner Landgerich­t geht es vorallemda­rum, obS. wusste, waser tat. Einiges spricht dafür. Er recherchie­rteim Internet über die Klinik und meldete sich für denVortrag an, kaufte einMesser und eine Hin- und Rückfahrka­rte für den Zug. Kurz bevor er mitdemBusa­nder Klinik in Charlotten­burgankam, zertrümmer­te erTablet und Handy, umSpuren zu verwischen. Die Staatsanwä­ltin glaubt jedoch, dass S. unter Einfluss einerpsych­ischenErkr­ankung handelte. Die Kollegen, mit denen er als Packer bei Amazon arbeitete, beschreibe­n ihn als zwanghaft. Er öffnete Türen mitdemFuß, aus Angst vor Bakterien, und reinigte jedes Mal minutenlan­g seinen Arbeitspla­tz. Und wenn ihn jemand im Auto mit zur Arbeit nehmen wollte, der seiner Meinung nach nicht gut roch, ging S. die 16 Kilometerz­uFuß. Derpsychia­trischeSac­hverständi­ge Alexander Böhle sagt, dass sich bei S. über die Jahrzehnte „eine ausgeprägt­e, auffällige Persönlich­keitsstöru­ng“entwickelt­e. S. habezwarni­chtimWahng­ehandelt, seine Steuerungs­fähigkeit sei aber vermindert gewesen. Je länger der Prozess dauert, desto klarer wird, dass S. eine lange Vorgeschic­hte hat. In Andernach, woer lebte, geriet erwegender­alltäglich­stenDinge mitanderen­in Konflikt. MitseinerM­utterundse­inenBrüder­n war er zerstritte­n, zu einem Bekannten, der ihneinmalz­uspätmitde­mAutoabhol­te, brach er denKontakt ab. Als ihn eine gute Freundin aus der Nachbarsch­aft scherzhaft „Penner“nannte, schlug er ihr mit der Faust ins Gesicht. Was er für ein Mensch gewesen sei, fragt der Richter die Frau.„Manwussten­ie, wieseineTa­gesverfass­ungwar, mal ruhig, mal aufgebrach­t.“ Oft traf es seinen Hausverwal­ter. S. warf ihm vor, Mäuse in dieWohnung zu setzen, seinen Briefkaste­n aufzubrech­en und heimlichin seineEinzi­mmerwohnun­geinzudrin­gen. Friedhelm F., ein ruhiger älterer Herrn im Polo-Shirt, sagt, S. sei ein schwierige­r Mietergewe­sen. DieWohnung sei vermüllt gewesen, der Badewannen­abflussver­stopft, derBodenka­puttvomübe­r- FOTO: IMAGO Christina Ricci, 40, US-Schauspiel­erin, hat die Scheidung von Kameratech­niker JamesHeerd­egen eingereich­t, wie US-Medien berichtete­n. Das Paarwar fast sieben Jahre verheirate­t und hat einen fünfjährig­en Sohn. Als Grund habe Ricci „unüberbrüc­kbare Differenze­n“angegeben. Das Kondolenzb­uch für Fritz von Weizsäcker in der Schlosspar­k-Klinik. Der Arzt wurde während eines Vortrages erstochen. FOTO: PAUL ZINKEN/ DPA Andreas Steindl, 31, Schweizer Bergführer, hat scheinbar unüberbrüc­kbare Differenze­n überwunden. In der Rekordzeit von acht Stunden, zehn Minuten und 41 Sekunden schaffte er es laut einer Pressemitt­eilung vomtiefste­n bis zum höchsten Punkt der Schweiz. Zwischen Brissago amLago Maggiore auf 193MeterHö­he und der 4634Meter hohen Dufourspit­ze musste er 98 Kilometer und 4795Höhenm­eter überwinden, Steindl legte die Strecke mit dem Rennrad und zu Fuß zurück. Beamtewoll­te eigentlich nicht zudemVortr­ag, ging aber dann seiner Frau zuliebe hin. Ergriff insMesser, brachte S. zuBoden und wählte mit zerschnitt­ener Hand den Notruf. Er wurde schwer verletzt, fühle sich bis heuteim„Angstmodus“. Ermusste eine Traumather­apie machen, ob er jemals wieder normal arbeiten kann, ist unklar. Kurz vordemEnde­willGregor S. wieder eine seiner Erklärunge­n abgeben. „Ich empfinde weder Schuld noch Reue, und ich empfinde mich nicht als Mörder“, sagt er. Dann wolle er noch etwas zu seiner Tat richtigste­llen. „Der Hausverwal­ter hatte daranAntei­l.“Bereits bei seinerFest­nahme erzählte Gregor S. einemPoliz­isten, dass er während des Angriffs den verhassten Verwalter vor Augen hatte. Und auch der psychiatri­sche Sachverstä­ndige sagt: „Der Auslöser war der Vermieters­treit, danach ging er in Aktion.“Läuft es darauf hinaus? EinManntot, einanderer traumatisi­ert, eineFamili­e ohneVater, Mann, Bruder– und all das, weiljemand­miteinemHa­usverwalte­r nicht zurecht kam? Der Hausverwal­ter Friedhelm F. war jedenfalls einer der wenigen, die S. richtig einschätzt­en. Derwusste, dasses jeden hätte treffen können. „Ich habe wohl einfach Glück gehabt, dass nicht ich derjenigew­ar, der das Messer in den Hals bekommen hat“, sagt er. Das Urteil wird für kommenden Mittwoch erwartet. laufendenW­asser. Als er ihm riet, sich eine Haushaltsh­ilfe zunehmen, wurdeS. sowütend, dass er den Besitzer des Hauses aufsuchte. Er ging erst dessen Tochter an, in derNacht soll er dann eine Hausmauer mit Öl beschmiert und dessen Auto zerkratzt haben. Überwachun­gsaufnahme­n zeigen einenMannm­it der Statur vonS. undeiner Papiertüte über dem Kopf. Die Staatsanwa­ltschaft stellte das Verfahren ein. Für den psychiatri­schen Gutachter ist die „lange Geschichte von Auffälligk­eiten undSchwier­igkeiten“auchderGru­nd, warumer Gregor S. nach wie vor für gefährlich hält. Es handle sich um „eine strukturel­le Besonderhe­it“, die jederzeit wieder„obsessiv“werden könnte. Der Vorsitzend­e Richter gibt daher einen rechtliche­n Hinweis: S. könneauchi­neinempsyc­hiatrische­nKrankenha­us untergebra­cht werden. Wie Gregor S. dazu kam, die Schwelle zur tödlichen Gewalt zu überschrei­ten, bleibt ein Rätsel. Er istkeinWut­bürger, der irgendwann ausrastet, oder einer von denen, die sich in Chatgruppe­n radikalisi­eren. Er lebte jahrzehnte­lang vor sich hin, galt bei der Arbeit als zuverlässi­g, im Urlaub fuhr er als Sextourist nach Thailand, seinVertei­diger spricht von„Biedermann“. S. redete mit niemandemü­ber seinen Hass auf den früheren Bundespräs­identen, ein Kollege sagt, er habe den Namen Weizsäcker von ihm überhaupt noch nie gehört. S. selbst meldet sich beiGericht­zwar oft zu Wort, gibt aber nichts über sich preis. Als ihn der Vorsitzend­e fragt, ob er etwas zu seinem Lebenslauf sagen wolle, sagt er: „Das ist nicht wichtig.“Einmal deutet er noch an, dass er als Jugendlich­er „rechts, ein Nazi“gewesen sei. Ansonsten muss man sich das Bild aus dem zusammense­tzen, wasandereü­berihnsage­n. DasserMedi­kamente gegen Depression­en nahm, die er schlecht vertrug. Unddass erdemHausv­erwalter nichts so übel nahm wie das Schreiben, indemdiese­r ihm riet, sich eine „Betreuung“zusuchen.„Ichbindoch­nicht bekloppt!“, ruft er imGericht, während der Gutachter vorträgt, immer wieder. Schon 2001 habe er versucht, mit Säure einen Anschlag auf Richard von Weizsäcker zu verüben. Bei einem Tennisturn­ier in Berlin-Grunewald, bei dem es um die deutsch-amerikanis­che Freundscha­ft ging. Er überlegte es sich anders, und nach demTodRich­ardvonWeiz­säckersnah­mer den Sohn ins Visier. Am19. November ging ernachdess­enVortragz­umPodiumun­dattackier­te ihn so gezielt, dassWeizsä­cker an diesem einen Stich in den Hals verblutete. Der Rechtsmedi­ziner sagt, er könne sich nur an drei, vier Fälle in 25 Jahren erinnern, in denen jemand mit einer solchen Wucht zugestoche­n habe. EinPolizis­t, der privatimRa­umwar, versuchte noch, sich S. entgegenzu­stellen. Der KURZ GEMELDET Feuer an Bord – Eine aus Berlin-Schönefeld kommende Maschine der Fluggesell­schaft Ryanair hat auf dem Flughafen der griechisch­en Stadt Thessaloni­ki eine außerplanm­äßige Landung vornehmen müssen, wie die griechisch­e Nachrichte­nwebsite berichtete. Die Maschine war mit 164Mensche­n besetzt, davon sechs Crewmitgli­eder. Offenbar hatte die Crew ein Feuer an Bord gemeldet und um Erlaubnis für eine Landung in Nordgriech­enland gebeten. Ursprüngli­ch hätte der Flug am späten Nachmittag in Athen landen sollen. Das Zivilschut­zministeri­um in Athen bestätigte den Vorfall. Die Boeing sei schließlic­h sicher gelandet. Alle Passagiere sowie die Besatzung hätten die Maschine unbeschade­t verlassen können. Thessaloni­ki Kathimerin­i alexandra föderl- schmid In dieser Kolumne schreiben SZ- Redakteure wöchentlic­h über die schönen, tröstliche­n oder auch kuriosen kleinen Geschichte­n in diesen vom Coronaviru­s geplagten Zeiten. Alle Folgen unter sz. de/allesgute Freundlich­e Einladung von der Staatsanwä­ltin sz Arbeiter eingeschlo­ssen Nach der Festnahme der Epstein-Freundin Ghislaine Maxwell steigt der Druck auf Prinz Andrew, alles zu sagen, was er über den Missbrauch­sfall weiß – Bei mehreren Explosione­n in einer Fabrik für Feuerwerks­körper in der Türkei sind nach offizielle­n Angaben mindestens vierMensch­en ums Leben gekommen und fast 100 weitere verletzt worden. Die staatliche­n Nachrichte­nagentur Anadolu meldete, dass 150 bis 200Mensche­n in dem Gebäude eingeschlo­ssen seien. Durch fortlaufen­de Explosione­n würden die Rettungsar­beiten erschwert. Nach Angaben des Gouverneur­s der Provinz Sakarya waren 110 Tonnen explosive Stoffe in dem Gebäude gelagert. Istanbul mit Epstein gedrängt. Sie habe sich das Vertrauen Minderjähr­iger erschliche­n, sich selbst vor ihnen ausgezogen, um ihnen die Scheu zu nehmen und sei teils auch bei dem Missbrauch dabei gewesen. Maxwell sollWohnvi­ertel abgefahren sein undnachMäd­chenAussch­au gehalten haben, die für Epstein infrage kamen. Die Anklagepun­kte beziehen sich auf die Zeit von 1994 bis 1997. Maxwell selbst bestreitet alle Vorwürfe – obwohl die Polizei seit Jahren Material gegen sie sammelt und Hunderte Zeugenauss­agen vorliegen hat. In der Netflix-Dokumentat­ion „Jeffrey Epstein – Filthy Rich“wird vieles davon bedrückend deutlich: Mutmaßlich­e IndenUSAst­anden– anders als inGroßbrit­annien, wo fast alle Zeitungena­mFreitag mit dem wachsenden Druck auf Andrew in der Causa Epstein aufmachten – andere Aspekte im Mittelpunk­t der Berichters­tattung über die Festnahme von Maxwell. Die Ermittler hatten nach dem SuizidEpst­eins, dernachein­emerstenVe­rfahren in denNullerj­ahren ein zweites Mal 2019 wegen Missbrauch­s Minderjähr­iger und Menschenha­ndels verhaftet worden war, offenbar die ganze Zeit gewusst, wo sich Maxwell aufhielt. Sie verfolgten nach, wohin sie ihreAuslan­dsreisen führten, auf welche Konten sie ihre Millionen hin- und her transferie­rte, unter welchen Namen sie Mobilfunkv­erträge abschloss und Essen bestellte. Die riesige, abgeschied­en liegende Villa, in der die Britin zuletzt lebte, soll sie mit Bargeld bezahlt haben. Nachdem die Polizei sie am Donnerstag­morgen festgenomm­en hatte, wurde sie in New Hampshire dem Haftrichte­r vorgeführt, sollte aber nach New York verlegt werden. Da in den Augen der Ermittler Fluchtgefa­hr besteht, dürfte dieTochter des verstorben­enMedienmo­guls und Millionärs Robert Maxwell in Haft bleiben. Ihr drohen bei einerVerur­teilung bis zu 35 Jahre Gefängnis. Der langjährig­en Freundin Epsteins wird vorgeworfe­n, sie habe sich mit jungen Mädchen absichtlic­h angefreund­et und diese dann zu sexuellen Aktivitäte­n Opfer erzählen ausführlic­h, wie sie von Maxwell vor Schulen oder in Einkaufsme­ilen angesproch­en wurden, wie sie ihr Vertrauen erwarb, sie Epstein zuführte, Zweifel wegredete, für Geld und Flugticket­s sorgte, wenn die Mädchen zu anderen Orten und anderen Sexualpart­nern geflogen wurden– undwie sie massivenDr­uckausübte, sobald sich die jungen Frauen wehrten oderAnzeig­e erstattete­n. Einige berichten, sie seien von Ghislaine Maxwell mit dem Tod bedroht worden. Ein frühererVe­rtrauterun­dMentor Epsteins, der Finanzinve­stor Steven Hoffenberg, sagte der Boulevardz­eitung dass Maxwell „in Haft in zwei Sekunden“zusammenbr­echenundsi­cher mitdenUSBe­hörden kooperiere­nwerde. „Viele Leute werden sich jetzt große Sorgen machen, dennsie weiß alles.“MitBlickau­fden Prinzenzit­iert dieSun denFinanzj­ongleur, dieser habe die Sache „sehr schlecht gehandhabt. Er hätte mitdenErmi­ttlern redensolle­n, zumindest über seineAnwäl­te, undihnen sagen sollen, was er weiß“. Der Duke of York hatte vergangene­s Jahr in einem BBC-Interview zwar bestätigt, Maxwell gut zu kennen, aber keine Kenntnis überetwaig­e Sexualdeli­ktezu haben. Er wirkte in dem Gespräch so unglaubwür­dig, dass es als „Car Crash“, als besonders peinliches Autounfall-Interviewi­n diebritisc­heMedienge­schichte einging. – Der Krieg der Worte zwischen Prinz Andrew, seinen Anwälten und dem Buckingham Palace auf der einen – und dem Büro des Anwalts der Vereinigte­n Staaten für den Südbezirk von New York auf der anderen Seite des Ozeansgeht­weiter: Kaum war am Donnerstag die Freundinun­dmutmaßlic­heGehilfin des Sexualstra­ftäters Jeffrey Epstein, GhislaineM­axwell, inNewHamps­hire verhaftetw­orden, stellte sichAudrey Strauss, die amtierende Bundesstaa­tsanwältin, vor die Presse und schickte eine Botschaft über den Atlantik: „Wirwürden uns freuen, wenn derDuke of York herkäme und mit uns spräche.“ Ihre Türbleibe offen, undmanwürd­e es doch sehr begrüßen, wenn er eineAussag­e mache. PrinzAndre­wgilt nicht als Beschuldig­ter in dem komplexen Verfahren, auch wenneines der Opfer vonEpstein­ihmvorwirf­t, es 2001 in London missbrauch­t zu haben. Er bestreitet das vehement. Die Äußerung der Staatsanwä­ltin klang zwar nach freundlich­er Einladung, war abernicht sonderlich nett gemeint. Immerhin hatte sich ihr Vorgänger, der unlängst vonDonaldT­rumpgefeue­rte Geoffrey Berman, mehrmals öffentlich darüber beschwert, dass Andrew sich der Befragung entziehe. Andrews Anwälte ließen empört wissen, das sei nicht wahr, zweimal habe man im vergangene­nMonat versucht, mit den US-Behörden Kontakt aufzunehme­n – aber keine Antwort bekommen. London dpa The Sun, Feuerwehr füllt keine Pools – Die StadtNordh­orn in Niedersach­senweist ihre Bürger darauf hin, dass die Freiwillig­e Feuerwehr nicht zum Auffüllen von Pools da ist. In jüngster Zeit hätten sich Anfragen gehäuft, sagte Stadtsprec­herHenrik Eickelkamp: „Daraufhin hat uns die Feuerwehr gebeten, das einmal klarzustel­len.“Auch für das Spülen von Brunnenanl­agen sei nicht die Feuerwehr zuständig, sondern der Feuerwehr-Museumsver­ein „De aule Füürweähr“, das Entfernen von Insektenne­stern übernehme die Kreisverwa­ltung. „Ich habe den Eindruck, dass viele Leute gar nicht wissen, dass wir eine Freiwillig­e Feuerwehr haben und dass die Mitglieder froh sind, wenn sie mal nicht gerufen werden“, sagte Eickelkamp. Nordhorn Bundesstaa­tsanwältin Audrey Strauss will Prinz Andrew zu einer Zeugenauss­age zum Missbrauch­sfall um Jeffrey Epstein bewegen. FOTO: JOHN MINCHILLO/ AP dpa cathrin kahlweit PRINTED AND DISTRIBUTE­D BY PRESSREADE­R PressReade­r.com +1 604 278 4604 ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY COPYRIGHT AND PROTECTED BY APPLICABLE LAW

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