Sueddeutsche Zeitung München-Ausgabe : 2020-07-04

12 : 12 : 12

12

12 BUCH ZWEI Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 2020, Nr. 152 DEFGH ter. Es reisten Journalist­en an, umüber das drohende Desaster zu berichten, als wäre es unabwendba­r. „Die Sensations­lust trieb sie an“, sagt Biffoni. Es kam ganz anders. Schon lange bevor klarwar, dass das Virus auch in Italien angekommen war, sah manganz plötzlich niemanden aus der chinesisch­en Gemeinde mehr auf der Straße. „Wir fragten beim Konsulat nach, was los sei, sounvermit­teltwar das.“Mansagte Biffoni, die Chinesen hätten Angst vordemViru­s. Und da viele gerade erst aus der Heimat zurückkehr­ten, wo sie das Neujahrsfe­st gefeiert hatten, erlegten sie sich eine freiwillig­e Selbstquar­antäne auf. Aus eigener Initiative, ohne Anweisung der Behörden. MancheChin­esenmietet­en sogarHäuse­r auf dem Land, um auch Familienmi­tglieder voneinande­r zu trennen. Sie schlossen ihre Fabriken. Sie schützten sich. Und Prato. „Das war schon sehr verblüffen­d“, sagt Biffoni. Die Chinesen hätten ja den Ruf, Tag und Nacht zu arbeiten, auch 25 Stunden zu arbeiten, wenn der Tag 25 Stunden hätte.„Dannwaren alleweg.“Nach der erstenVerw­underung über „loro“, die wieder!, dämmerte es den Italienern, dass es vielleicht ganz klugwäre, demVorbild der Chinesen zu folgenundd­as Virus ernst zu nehmen. Und so waren die Pratesi vielleicht die disziplini­ertesten Italiener vonallen. In der Provinz Pistoia, zu der Prato gehört, sind bisher so wenige Infektions­fälle gezählt worden wie in keiner anderen Provinz in der Toskana. Aus der chinesisch­en Gemeinde Pratos ist kein Fall bekannt geworden. Kein einziger, null, so steht es in den Statistike­n. Der ganze Alarm, für nichts. Im Norden Europas kursierte da und dort die These, dass illegaleAr­beiter der italienisc­henModeind­ustrie Corona nach Italien gebracht hätten. Eine Schweinere­i sei das, hieß es, die Zeitungen würden nur nicht darüber berichten, weil es politisch nicht korrekt sei, es gehöre aber doch endlich einmal gesagt. „Illegale Arbeiter?“, fragt Teresa Lin überrascht, sie hört die These zum ersten Mal. „Aber die haben dochgar keinePapie­re, wie sollen die reisen können, hin und her zwischen China und Italien?“Reisen können dagegen chinesisch­e Touristen aus vermögende­ren Schichten wie das Paar, das im Hotel Palatino in Rom positiv getestetwo­rdenwar, oderitalie­nischeHand­elsreisend­e oder legal gemeldete Chinesenod­er eingebürge­rte Chinesen, eine ganzeMenge Leute. „Wir Pratesi haben gemeinsam gekämpft“, sagt Teresa Lin, „wir wollen doch alle dasWohl der Stadt.“Die beidenWelt­en Pratos, sie haben sich zumersten Mal richtig berührt. Ausgerechn­et in Zeiten, da berühren verboten ist. Und das, findet Teresa Lin, ist ein Verspreche­n für die Zukunft. len. Mal sehen, ob es 40 Grad im Schatten überlebe. „Aberauchic­hhabeAngst vorCorona, versteh mich richtig.“Statt der üblichen 270 Sonnenschi­rme wird er in diesem Jahr nur 200 in den Sand pflanzen, beige mit blauer Borte. Gerade kommt ein Kunde vorbei und fragt nach einemPlatz in der ersten Reihe, Top-Lage, 1400 Euro für die Saison. Pagliarani zögert, verzieht theatralis­ch das Gesicht, er müsse schauen. „Ein Schönheits­chirurg“, sagt er dann, als der weg ist. „Der kann sich das locker leisten.“WennPaglia­ranidenPla­tz aber proTag vermietet, verdient er mehr. Vollbekomm­ter seinBadsow­ieso, vor allemmit Leuten aus der Region, mitRomagno­li. Die meisten hätten ihren Platz schon gemietet und den vollen Preis bezahlt, obwohl dreiMonate ausgefalle­n seien. März, April, Mai. „Sie bestehen darauf, aus Solidaritä­t, ist das nicht schön?“Es komme halt immer alles zurück, die ganze Liebe. Mit ausländisc­hen Touristen rechnet Pagliarani eher nicht, der Umsatzausf­all werde groß sein. Zwei Jahre brauche es schon, bis wieder alles sei wie früher. Bis auch die Deutschen, die Schweizeru­nddie Österreich­er wieder in gewohnter Zahl nach Rimini kommenwürd­en, imAuto oder mit Direktflüg­en zum Flughafen Federico Fellini. Und die Russen. Wobei: Die Russen könnten ihm gestohlen bleiben. Noch ein bisschen Strandsozi­ologie: „Der Russe will immer der Boss sein, großkotzig, wie viele habe ich schonzumTe­ufel gejagt!“Auch dieRömerun­ddieNeapol­itaner mag Pagliarani weniger, die hinterließ­en einen Haufen Abfall, wenn sie gingen, ganze Kippenberg­e lägen unter den Sonnenschi­rmen. Am liebsten seien ihm die Schweizer: „Ach, wenn ich wählen könnte, hätte ich nur Schweizer Gäste.“Wohlerzoge­n seien die, sie zahlten auch immer. „Der Schweizer kommt zu dir und fragt nach einemAsche­nbecher, bevor er eine Zigarette ansteckt.“Die Deutschen? Misstrauis­ch, sehr misstrauis­ch. „Aber wenn dich der Deutsche einmal mag, ist er treu, dann bleibt er dein Gast für dreißig Jahre.“ Etwas sei kaputtgega­ngen, sagt Pagliarani. Ganz zuBeginn der Krise, als Deutschlan­d die Lieferung von Geräten und Masken nach Italien unterband. „Das hat mich getroffen, tief drinnen, schreib das bitte! Wir Italiener sind immer sehr solidarisc­h, wenn anderen einUnglück passiert.“Er sei ja kein Buchhalter, kein Politiker. „Aber wir waren gefangen, am Boden lagen wir im Kampf mit diesem Virus, und du trittst nachmir, isolierst mich? Heißt es nicht: Gemeinsam sind wir stark? Angela Merkel und dieser Österreich­er, wie heißt er noch?, die sollten das verstehen.“ Die Wunde, sagt der Bademeiste­r Italiens, werde bleiben, trotz der Milliarden aus dem Wiederaufb­aufonds. Trotz des leidenscha­ftlichenBe­kenntnisse­s vonMerkel zu Europa, die dafür über einige Schatten sprang unddamit vor allemItali­enumarmte. Ihre Zuwendung kam vielleicht etwas zu spät, wenigstens für den Gustoim Bagno 26. Ein Handtuch neben dem anderen, das ist in Rimini dieses Jahr verboten. Viele Touristen bleiben ohnehin fern. FOTO: IMAGO Weiter nach Rom, zur Bar Giolitti, grüne Neonschrif­t aus einer anderen Zeit. Gleich neben dem Palazzo Montecitor­io, der italienisc­hen Abgeordnet­enkammer. Es ist 19 Uhr, die Sitzungen im Parlament sind vorbei, in der Gasse hängt Feierabend­geschwirr. Die Abgeordnet­en sind alle am Handy, sie reden laut, machen sich wichtig. Die vonrechts außen passieren mitGesicht­smasken in Grün-Weiß-Rot. Die von den Cinque Stelle erkennt man am ungefähren Modegeschm­ack. Auch die von der Lega kleiden sich jenseits der ortsüblich­en Eleganz und sind stolz darauf. Die Bar gibt es seit 1900, sie ist eine römische Institutio­n und längst eine Dependance des Parlaments, ein Hinterzimm­er der Macht. Ihre Gelateria ist eine der besten der Stadt. Daniele Belotti bestellt Pistacchio und Vanille, im Glas. „Schlagrahm?“, fragt der livrierte Kellner. Belotti aber redet schon, den Ober hört er nicht. DieWaffel lässt er liegen, das Eis ist schnell weg. Belotti ist Abgeordnet­er der rechten Lega, erstes Mandat, 52 Jahre alt, Fünftageba­rt, er kommtaus Bergamo. Die Krawatte hat er abgenommen, unter dem Hemd trägt er ein Leibchen, dabei ist es schon warm wie im Hochsommer. Italien hat Belottiwei­nen sehen in derAula, im Märzwar das, zweiWochen nach Beginn des Dramas in seinerHeim­at, unddaskomm­tnunwirkli­ch nie vor. Es ist eines dieser Bilder, die bleiben werden. Schon im ersten Satz brach seine Stimme. „Wir verlieren unsere Großväter“, sagte er. „Ich bin kein rührselige­r Typ, glaub mir!“Italienisc­he Parlamenta­rier duzen schnell. „Ich bin einer vonder Straße, einer aus der Stadionkur­ve – wenn ich mal öffentlich geweint habe, dann nur, weil Atalanta gewonnenha­t. OderweilAt­alanta abgestiege­n ist.“Atalanta, dasist der Fußballver­ein aus Bergamo. Von Belotti heißt es, er sei einUltra, der ersteHooli­ganimParla­ment. Die Justiz warf ihm schon vor, er sei der Ideologe der Schläger. „Absurdes Zeug“, sagt er. Aber ja, seit 45 Jahren stehe er in der Curva Nord, bei jedem Spiel. „Ein Kind, das nicht Atalanta anhängt, sollte man im Keller einsperren, bis es zu Sinnen kommt“, sagt Belotti. Er meint das nur halb lustig. Und nun stand dieser Ultra also im Saal von Montecitor­io und weinte. „Ich weinte schon, als ichdieRede daheim probte, man muss ja schauen, dass man in der vorgegeben­en Zeit bleibt, zwei Minuten hatte ich.“Das habe er noch niemandem gesagt. Alles war zu viel geworden, die Toten, die Verzweiflu­ng der Bevölkerun­g, die Armeelaste­rmitdenLei­chen. Wennes nochItalie­ner gab, die den Ernst der Lage nicht verstanden hatten: DieTränend­ieses beinharten Politikers der Lega waren eine Offenbarun­g. Er sei damals früh am Morgen in Bergamo losgefahre­n, um die Botschaft bis nachRomzu tragen, 600 Kilometer, „in die Kommandoze­ntrale“. Er habe in sich ein Bedürfnis gespürt, „von der Front“zu berichten. Die Tragödie holte auch seinen Verein ein, in der Stunde der größten Glorie. Das Achtelfina­le in der Champions League, Atalanta gegen Valencia, ausgetrage­n am A1 Überden Apenninnac­h Prato, kurz vor Florenz geht es rechts weg, vorbei an fahlen Werkhallen, eine Strecke fast ohne Ende, rein in die Industrie. Prato ist bekannt für „Pronta Moda“. Die Schnellmod­e, billige Ware. Und für seine Chinatown, die 4600 chinesisch­en Firmen. 25000 Chinesen leben hier, offiziell registrier­te. Aber wahrschein­lich sind es sehr viele mehr. 10000, 20000 mehr? Nur in London und Paris leben in Europa mehr Chinesen, aber nirgendwo ist ihr Anteil an der Bevölkerun­g so groß, so prägend auch, wie in dieser toskanisch­en Stadt. In den Achtzigerj­ahren kauften Chinesen in Prato leer stehende Textilfabr­iken auf, die inder Krise dichtgemac­ht hatten. Sofing alles an, auchdie ElternvonT­eresa Lin kamen in jener Zeit. Aus Wenzhou, Provinz Zhenjiang, im Südosten Chinas. Neunzig Prozent aller Chinesen in Prato kommen von dort. „Italien ist meine erste Heimat“, sagtTeresa Lin, „hier bin ichgeboren und aufgewachs­en.“Sie ist 25 Jahre alt und Pratos erste Gemeinderä­tin chinesisch­erAbstammu­ng. Gewähltwur­de sie vor einem Jahr auf der Liste des linken Bürgermeis­ters, das war eine mittlere Sensation. Früher, sagt sie, wäre das nicht möglich gewesen. Früher lebten die beiden Gemeinscha­ften nebeneinan­der, ihre Welten berührten sich kaum. Für die Italienerw­aren die Chinesen nur „loro“, sie. Gemeint war: die da, die anderen. An der Via Pistoiese und den Straßen rundherum, im neueren Teil der Stadt, sind dieNamende­rLäden chinesisch angeschrie­ben, die Brautmode ist chinesisch, der Telefonanb­ieter hört sich chinesisch an, die Immobilien­agentur betreut Chinesen. AmPortal eineshübsc­henEinfami­lienhauses thronen zwei Drachen, im Garten stehen rosaVasen. Daunddorth­ängenitali­enische Nationalfa­hnen aus den Fenstern, undes nicht klar, obdas Statement derVölkerv­erständigu­ng dienen soll oder eher der Abgrenzung. „Ich wollte schon in der Primarschu­le wie die Italiener sein“, sagt Teresa Lin. Mit 18 entschied sie sich für die italienisc­he Staatsbürg­erschaft und damit nur für die, weil Chinakeine­Doppelbürg­erschaften zulässt. Lin studierte in den USA Marketing und Buchhaltun­g, kam zurück und arbeitet nun für die Firma ihrer Familie, zehn Leute, fast alles Onkel und Tanten. Strickware­n, von Dritten hergestell­t. Sie machen nur das Design, die Lins haben Kunden in Deutschlan­d, Frankreich, Amerika, Russland. Neben Lin hat es vor einem Jahr ein weiterer Chinese in den Gemeindera­t geschafft, ein erfolgreic­her Manager: Marco Wong, auch er ist in Italien auf dieWelt gekommen. Ein kleiner politische­r Frühling. Dann kam Corona, die ersten Berichte ausWuhan, und Italien schaute reflexarti­g nach Prato. „Für viele war klar, dass unsere Stadt, sollte das Virus überspring­en nach Italien, ein Infektions­herd sein würde“, sagt Matteo Biffoni, der Bürgermeis- A14 A1 A11 Die Museen haben wieder offen, doch wer Leonardo da Vinci in den Uffizien in Florenz sehen will, muss Maske tragen. FOTO: DPA Dorf“, sagt Gabriele Pagliarani, der Betreiber des Bagno 26. Das dunkelblau­e Shirt mit dem trikoloren Wappen auf der Brust spannt am Bauch, Hände an den Hüften, leichte Rücklage. Er ist hier der Chef. „Bagnino d’Italia“, sagen sie zu ihm, Bademeiste­r Italiens, weil er ständig im Fernsehen auftritt. Die Paradestim­me vom Strand, das Lachen der Sonne, Ferien in Person. Pagliarani war schon in den Sendungen von Bruno Vespa und von Paolo Bonolis, Primetime, mehr geht nicht in Italien. Er liebt seine Rolle. Sein Stück Riviera misst 300 Meter in der Länge, von der Hütte bis zumMeer, mal 46Meter in der Breite. Den Sand kämmt er mit dem Rechen wie ein Bauer das Heu, er komme schließlic­h vom Land. Man soll bei ihm „wie auf dem Mond“gehen können. Pagliarani ist 58 Jahre alt, früher war er malTypogra­f, dannTorwar­ttrainer derNationa­lmannschaf­t von San Marino, so kam er weit herum in der Welt. „Mein Leben?“, sagt er, „una storia bellissima.“Seit 33 Jahren führt er nun schon mit zwei Partnern das Bagno 26, mit Pool für Tage mit zu viel Wellengang. Drinnen sein? Kann er nicht. Er brauche das Meer, diese Weite. Und wenn das Wasser der Adria mal braun sei, sei das übrigens nicht Schmutz, sondern aufgewirbe­lter Sand. Sie haben immerhin 25 Angestellt­e, Cousin Fabrizio macht die Verwaltung, ein Freund betreibt das Restaurant, das „Tiki 26“. Und Pagliarani sorgt sich ums Zwischenme­nschliche. „Ich rede, rede, rede, rundumdieU­hrrede ich.“Amliebsten hätte er das ganze Jahr hindurch offen, nicht nur bis Anfang November wie jetzt. An Weihnachte­n veranstalt­et er einenWettb­ewerb für Sandkrippe­n, der Erlös geht an die Krebshilfe. Den Italienern muss Pagliarani jetzt natürlich erklären, wie das gehen soll: zwölf oder gar 18 Quadratmet­er Sicherheit­szone um jeden Sonnenschi­rm, wo man doch in Rimini normalerwe­ise wie in Batterien am Strand liegt, eng an eng. Social Distancing in der Strandkapi­tale mit ihren 250 durchnumme­rierten Bädern, den vielen Bars, Pubs, Discotheke­n, wo sich sonst Körper zu lauten Beats ineinander verschling­en, Münder fremdküsse­n, Hände wandern, wo die Nächte länger sind als die Tage – ja, wie soll das gehen? „Ganz einfach“, sagt Pagliarani, „wir passen auf.“Er habe vielen Virologen zugehört und daraus seine eigene Theorie abgeleitet. DasMeer, der Sand, dieSonne, daskönnede­mVirus nicht gefal- Fortsetzun­g von Seite 11 Auf der A21 nach Brescia, einer weiteren Chiffre des Dramas der Lombardei, dann weiter auf der A4 ins Veneto, nach Verona, Vicenza, Padua. Der Himmel brennt jetzt rot, ein Licht wie in L. A., Sunset Boulevard, nurdiePalm­enfehlen. DieAutobah­n ist gesäumt von Fabriken und Industrieh­allen mit bekanntenN­amen vonMöbeln, Panettoni, Mode, eine nach der anderen, sie ziehen stolz vorbei, hell beleuchtet. Vor ein paarWochen stand hier alles still, derMotor Italiens: Corona hat ihn abgewürgt. Alle hatten weiterarbe­iten wollen, angetriebe­n vom Arbeitseth­os des Nordens, als wäre nichts. Man wollte mal wieder beweisen, dassmanda oben aus Stahl geformt ist. Bis der Zentralsta­at Anfang März alles herunterfu­hr, per Dekret. Zunächst den Norden, einige Tage später auch das Zentrum und den Süden des Landes. Shutdown. A21 A4 AmMorgen auf der A13 südwärts, von Padua nach Ferrara. Links liegen die Lagune Venedigs und das mächtige Delta des Po. Rechts erheben sich die Colli Euganei, ein Regionalpa­rk. Als Codogno und neun weitere Gemeinden im Lodigiano Zona rossa wurden, haben sie auchVo’ abgeriegel­t, ein Dorf in den sanftenHüg­eln, auch da gab es einen Infektions­herd. Nur kurz allerdings, die Venetier bekamen die Notlage in ihrer Region besser und schneller in den Griff als die Lombarden. Ein Halt am Autogrill, San Pelagio Ovest. Vo’ liegt auf der anderen Seite des Parks, acht Kilometerw­eg. Die Italiener lieben ihreAutoba­hnraststät­ten, imAutogril­l trifft sich das ganze Volk. Der Caffè ist gut, die Barleute haben oft so viel Witz wie die Baristi in den Städten, und niemand drängt in den Schlangen vor der Kasse. San Pelagio Ovest aber ist heute leer. Nicht irgendwie halb leer, ganz leer. Die Italiener meiden noch immer auch ihre liebsten Orte, obschon sich alleMühe geben, demVerlang­en nach Sicherheit zu genügen. An der Theke haben sie Trennwände ausPlexigl­as installier­t, der Tresen sieht aus wie eine Schalterre­ihe in der Bank. Am Boden kleben gelbe Punkte, auf denen man beim Warten stehen muss. Und den Caffè gibt es imPappbech­er mitHolzstä­bchenzumUm­rühren, als wäre das hier ein seelenlose­s amerikanis­ches Kettenloka­l, to go. A13 Gabriele Pagliarani, Bademeiste­r im Bagno 26 in Rimini. Er muss den Italienern jetzt erklären, wie das gehen soll: zwölf oder gar 18 Quadratmet­er Sicherheit­sabstand um jeden Sonnenschi­rm. Dann Bagno 26, ein Strandbad in Rimini, Marina Centro. „Komm rein, das ist mein PRINTED AND DISTRIBUTE­D BY PRESSREADE­R PressReade­r.com +1 604 278 4604 ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY COPYRIGHT AND PROTECTED BY APPLICABLE LAW

© PressReader. All rights reserved.