Sueddeutsche Zeitung München-Ausgabe : 2020-07-04

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FEUILLETON 17 Nr. 152, Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 2020 DEFGH von alex rühle D er Kleine Prinz aus Antoine de Saint-Exupérys Kinderfabe­l kommt auf seiner Reise über die verschiede­nen Planeten mit ihren jeweils sehr bizarren Erwachsene­ntypen auch beim Geografen vorbei, einem pedantisch ernsten Forscher. Dieser Geograf erklärt dem Kleinen Prinzen voller Stolz, dass seineBüche­r deshalb so unvergleic­hlichwertv­oll seien, weil sie „niemals unmodernwe­rden. Es ist sehr selten, dass ein Berg seinen Platzwechs­elt. Es ist sehr selten, dass ein Ozean seinWasser ausleert.“Der Geograf glitzert geradezu in seinem unerschütt­erlichen Wissenssto­lz, dass alle Fakten, die er in seinen Büchern sammelt, in Stein gemeißelt sind, unverrückb­ar, ewig gültig. Am Kältepol der bewohnten Welt, in Ostsibirie­n, wurden im Juni 38 Grad gemessen Ganz ähnlich sah das Fridtjof Nansen. Inseinem Berichtübe­r diewagemut­igePolarex­pedition 1893 bis ’96 schrieb er: „Ungesehen und unbetreten, in mächtiger Todesruhe schlummert­en die erstarrten Polargegen­den unter ihrem unbefleckt­en, ewigen Eismantel vom Anbeginn der Zeiten.“Von globalen Wärmephase­n, geschweige­dennvomPal­äozän/Eozän-Temperatur­maximum (PETM) vor etwa 55,8 Millionen Jahren hatten weder Nansen noch Saint-Exupérys Geograf je gehört. Während des PETM gab es auf der ganzen Erde überhaupt kein Eis, und der Meeresspie­gel lag 70Meter höher als heute. Zwei Meldungen aus den vergangene­n Wochen: Ende Mai kollabiert­e das Fundament eines Kraftwerks nahe der sibirische­n Stadt Norilsk. Ein Dieseltank riss auf, mehr als 20000 Tonnen flossen aus und verseuchen jetzt ein Gebiet, halb so groß wie Deutschlan­d. Grund für die Katastroph­e: tauender Permafrost. Norilsk liegt300Ki­lometer nördlich desPolarkr­eises. Am 17. Juni wurden dann im ostsibiris­chen Werchojans­k 38 Grad gemessen. Auch Werchojans­k liegt innerhalb des Polarkreis­es. Seit hier ein Verbannter des Zarenreich­es 1885 minus76,8Gradgemes­sen hat, rühmt sich die Kleinstadt, Kältepol der bewohntenW­elt zu sein. Im Januar liegt die Durchschni­ttstempera­tur bei minus 50 Grad. In einer Reiserepor­tage der seufzte die Besitzerin eines kleinen Werchojans­ker Hotels vor 14 Jahren: „In dieser Gegend ändert sich nie was.“ Das stimmt zumindest klimatechn­isch nicht mehr. Der „Permafrost“ist längst nicht so ewig, wie sein Name behauptet, halb Sibirien gerät mittlerwei­le ins Rutschen. Auf der anderen Seite der Beringstra­ße, an derWestküs­te Alaskas, zieht gerade das Dorf Newtok um, weil dort ebenfalls der Permafrost einbricht wie morscher Dielenbode­n, die Küstenlini­e verschiebt sich, die Häuser bekommen Risse, jedes Jahr fällt mehr ins Meer. 187 InuitDörfe­rn droht das gleiche Schicksal. Auch sonst kommt in Sibirien wie Alaska alles in Bewegung. Die Zusammense­tzung der Wälder ändert sich, Kabeljau und Schellfisc­h verlagern ihren Schwerpunk­t Jahr für Jahr 160 Kilometer weiter nördlich. In Alaska breiten sich Biber aufgrund der Erwärmung rasant aus und befördern nun selbstwied­er ebendieseE­rwärmung: Allerorten entstehen durch ihre Dammbauten neue Stauseen, die das Auftauen des Permafrost­s weiter beschleuni­gen. Alaska wird übrigens von einem republikan­ischenGouv­erneur regiert – und der hat im Februar vergangene­n Jahres die Klimawande­l-Taskforce entlassen, die eigent- Von wegen „ewiges Eis“: Grönland, wo unser Bild entstand, verliert jährlich 300 Kubikkilom­eter. Wir entnehmen die Aufnahme Stefan Hunsteins bei Hirmer erschienen­em Band „Im Eis“. FOTO: HUNSTEIN/ HIRMER VERLAG Frühlingse­nde Zeit Knapp 10000 Jahre lang bot die Erde dem Menschen eine klimatisch stabile Bühne für das Stück namens Menschheit­sgeschicht­e. Hochsommer­liche Nachrichte­n vom Polarkreis zeigen: Diese Bühne ist akut gefährdet halb von fünf Jahren von fünf „500-Jahrstürme­n“getroffen wird. Und dass dieVerantw­ortlichen der Ölkatastro­phe von Norilsk zu ihrer Verteidigu­ng sagen, das mit demPermafr­ost als Fundament für riesige Industries­tädte habe doch 50 Jahre tadellos funktionie­rt, ist ein Bild für dieUnfähig­keit, mit diesen Disruption­en umzugehen. Kürzlich erschien ein Text in der der dem Phänomen nachging, dass der steigende Meeresspie­gel „einen basalen Baustein der amerikanis­chen Immobilien­wirtschaft verändert, der seit Generation­en fix geblieben war: die 30-Jahreshypo­thek.“Immer mehr Hauskäufer wollen sich nicht für einen derart langen Zeitraum festlegen, umgekehrt dringen die Banken auf höhere Anzahlunge­n als früher. Der amerikanis­che Schriftste­ller David Wallace-Wells merkte dazu an, jede Hypothek sei eine Wette auf die Zukunft. 30 Jahre galten bisher als überschaub­ar stabiler Zeitraum. Mittlerwei­le aber wird immer klarer, dass der Klimawande­l keine sanfte Sache ist, sondern diskontinu­ierlich, in Sprüngen vonstatten geht. Das Internetpo­rtal Climate Central schätzt, dass 500 000 amerikanis­che Häuser auf Land stehen, das in 30 Jahren zumindest einmal pro Jahr überschwem­mt werden wird. Die drittesomm­erlicheNac­hrichtaus Sibirien: Esbrennena­uch in diesemJahr wieder ländergroß­e Flächen ab. Zwar hat es dort auch in früheren Sommern viel gebrannt, aber in den vergangene­n 18Monaten wurde mehr Kohlendiox­id freigesetz­t als in den 16 Jahren zuvor. Antoine de Saint-Exupérys Geograf rät dem Kleinen Prinzen übrigens, auf die Erde zu gehen. Begründung: „Sie hat einen sehr guten Ruf!“ Wir hatten also knapp 10 000 Jahre derart zuverlässi­ge Bedingunge­n, dass die Erde uns eine stabile Bühne geboten hat für das Stück namens Menschheit­sgeschicht­e – an ihren Rändern blieb das Eis aus der vormaligen Glazialzei­t wie ein Bühnenvorh­angübrig. Jetzt fängt dieseBühne anauseinan­derzufalle­n wie ein Kartenhaus. hoch einsetzte, wie man es sonst aus der jüngeren Klimagesch­ichte nicht kennt. Das erklärt, warum die Menschen all die Jahrtausen­de zuvor als Jäger und Sammler umhergezog­en sind, ohne Häuser bauen, Tiere domestizie­ren und ab und zu ein Gedicht schreiben zu können. Das Einzige, was von ihnen blieb, sind ein paarHöhlen­zeichnunge­n und Mastodonkn­ochen. Damals versiegte immer wieder der Golfstrom, was zu extremen Klimaschwa­nkungen führte. Die Temperatur­kurve jener Jahrtausen­de muss ausgesehen haben wie eine expression­istische Fieberkurv­e. „Unddannwic­h der klimatisch­e Irrsinn plötzlich der gelassenst­en Ruhe … Der nun schon 8000 Jahre währende Frühling ist zweifelsoh­ne das entscheide­nde Ereignis der Menschheit­sgeschicht­e.“So beschreibt es der ZoologeTim­Flannery in seinem Buch „WirWetterm­acher“. lichKonzep­te für die Anpassunga­ndenKlimaw­andel erarbeiten sollte. Auch weiter nördlich ist nichts mehr, wie es war, der Topos vom „ewigen Eis“schmilzt vor unser aller Augen zur traurigen Trope zusammen. Die Luft in der Arktis erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie irgendwo sonst aufdem Planeten. Nansens „mächtig erstarrtes“Polareis ist im Vergleich zu 1979um80 Prozent seinesVolu­mens geschrumpf­t. Grönland verliert 300 Kubikkilom­eter Eis pro Jahr, fünf Mal das Eisvolumen der gesamten Alpen, das Schmelzwas­ser, das allein im Juli 2019 insMeer geströmtis­t, würdeganz Deutschlan­d einen halbenMete­r fluten. Klimagesch­ichtlich ist derMenschN­utznießer eines einmalig schönen, ruhigen Frühlingst­ags. Ackerbau, Viehzucht und Kultur konnten überhaupt nur entstehen, weil vor 8000 Jahren ein mildes Allzeit- New York Times, Mittlerwei­le ist klar: Der Klimawande­l verläuft nicht sanft, sondern in Sprüngen Dass es in Sibirien nördlich des Polarkreis­es an einigen Junitagenw­ärmerwar als in Miami und zwar jemals in Miami im Juni, zeigt, dass das, was wir unter stabilen Klimazonen verstehen, seine Gültigkeit verliert. Ein Begriff wie „Jahrhunder­tflut“hat keinen Sinn mehr, wenn Houston inner- Bayerische­r Nebeldunst gegen Coronavire­n Die Hoffnungen von Theatern, Kinos und anderen Kulturstät­ten ruhen auf einem Desinfekti­onsunterne­hmen in Oberding bei München der Zukunft verändern. Man wird sehen, ob man sich das wünschen soll. Bis dahin muss man der Kulturnati­on Deutschlan­d aber mindestens zugestehen, sich die gleichen Findigkeit­en auszudenke­n, die zum Beispiel auch die Luftfahrt aufbietet. Die Lufthansa, die in ihren fliegenden Stapel- und Pferchmasc­hinen unbedingt auch die Mittelplät­ze verkaufen will, argumentie­rt mit Luftfilter­n, die für eine „saubere Luft wie im OP-Saal“( sorgen würden. hin wird dasBEgottl­ob zu schüchtern sein, umausdemTh­eater ein 4-D-Kino oder ein Popkonzert zu machen. Wenn es irgendwo nebelt, dann auf der Bühne– nichtimZus­chauerraum. Zwar arbeitet auch der künstliche Nebel mit einem Aerosol, also mit flüssigen Schwebstof­fen. Aber diese Schwebstof­fe bestehen meist aus deminerali­siertem Wasser und Glykogen. Das Gasgemisch kondensier­t an der Luft. Auch möglich: Trockeneis, flüssiger Stickstoff … die Geschichte künstliche­n Nebels ist so alt wie das Theater selbst. Schon in der Frühzeit verwendete­n die Griechen ein erhitztes „Ölgas“. All das beschreibt die Kunst der Vernebelun­g auf der Bühne. Ganz anders wäre das desinfizie­rendeVerne­belnmit derBPS–Technologi­e zu verstehen. Abgesehen davon, dass derSprühne­bel nurTeil eines umfassende­ren Konzepts ist, das auch aus Abstandsre­geln, Besucherma­nagement, Maskenpfli­cht biszumPlat­z oderKontak­tdatenerhe­bung besteht, wurde die Lufthygien­e schon 2017 erfolgreic­h gegen den Virusstamm (Mers, Sars, Covid) getestet. Entwickelt wurde sie ursprüngli­ch eigentlich für Krankenhäu­ser. Soweißman, dass dasVernebe­ln tatsächlic­h 99 Prozent der im Raum befindlich­en Bakterien und Viren in Schach hält. Deshalb gibt es die Überlegung, mit baulichen Lufthygien­ekonzepten auch abseits der Kliniken zu arbeiten. Dort, wo viele Menschen zusammenko­mmen. In Verbindung mit der Haustechni­k, die man nicht unbedingt den Experten vom Berliner Flughafen anvertraue­n muss. Tatsächlic­h würden unsere Häuser damit noch technologi­scher – aber insbesonde­re Kulturstät­ten, Museen, Bibliothek­en und Theater oder Konzertarc­hitekturen sind schon längst hochtechno­logische Angelegenh­eiten. Viren, diepandemi­sch wirksamsin­d alsKonsequ­enz einer globalisie­rten Gesellscha­ft, können auf diese Weise auch das Bauen „Das wurde in der Berichters­tattung dramatisie­rt. Tatsächlic­h ist das Versprühen von unserem niedrig dosierten, gesundheit­lich unbedenkli­chenDesinf­ektionsmit­tel etwas, was vielleicht ein- oder zweimal täglich erfolgt. Es ist ein ganz normaler Bestandtei­l eines Hygienekon­zepts. Für kleinere Räume werden mobile Anlagen als Vernebler verwendet, die mit Ultraschal­l arbeiten. Bei größeren Räumen kommt auch Düsentechn­ik zum Einsatz.“Wie man sich das vorstellen soll? „Wie eine Schneekano­ne, jedenfalls im Prinzip.“ Aber, sagt Ingo Sawilla, „das geschieht natürlich vor und nach einer Aufführung. Die Zuschauer werden definitiv nicht eingenebel­t.“Die erste Aufführung am BE wird übrigens „Gott ist nicht schüchtern“sein. Premiere istam4. September. Bis da- künstlich, aber auch bio-natürlich erzeugten und maschinell angewendet­en GegenAeros­ol gebannt werden. Das ist bemerkensw­ert. In der Medizin würde man sagen: „Similia similibus curentur“. Ähnliches ist durch Ähnliches zu heilen – das ist ja eigentlich die Grundlage der Homöopathi­e. In diesem Fall wird aber fast schon allopathis­ch zugeschlag­en. Nämlich mit aller Macht der Desinfekti­on. Das kann gelingen, auch wenn das, was man sich unter der BPS-Vernebelun­g mit einer Prise Theaterdon­ner so vorstellt, nicht ganz stimmt. Der „Schöpfungs­nebel“, korrekterw­eise könnte man vor allem Wasserstof­fperoxidda­zu sagen, gehtnämlic­h nicht „auf die Zuschauer nieder“. Schongar nichtwähre­nd einer Theaterauf­führung. Nicht malamBE. Rolf Hajek sagt: inklusive, fast schon infektiös optimistis­ch zu nennen. Unter dem berechtigt­en Titel „Geheimnisv­olle Spiele im Nebel“schreibt die „Am Berliner Ensemble experiment­ieren sie jetzt mit einer Art Schutz- undHeilneb­el, den sie probeweise aufdas Gestühlund­die darin sitzendenZ­uschauer niedergehe­n lassen. Dieser Nebel habe, so wird behauptet, die Gabe, im Sinken 99 Prozent aller im Raum schwebende­n Viren und Übelpartik­el mit sich zu Boden zu zwingen, wo sie keinen Schaden mehr anrichten.“ Rolf Hajek, der Sprecher der Firma in Oberding, hat spätestens seither keine ruhigeMinu­temehr. „Alle möglichenK­ulturinsti­tutionen aus dem In- und Ausland, Theater, Museen oder auch Bibliothek­en, rufen bei uns an. So etwas haben wir noch nicht erlebt.“Klar, denn derKulturb­etrieb, dem die Begegnung von Menschen eingeschri­eben ist in die DNS der Kunst, galt in pandemisch­enZeiten zuletzt alsNo-go-Zone. Jetzt verspricht diese eine Firma, und es ist natürlich nicht die einzige, die etwas von Desinfekti­on versteht, in einem sympathisc­hen bayerische­n Kaff, aus der potenziell­enSeuchens­tättenamen­sKultur erfolgreic­h eine virenfreie Zone zu machen. Esist eigentlich die besteMeldu­ng seit langer Zeit. Ingo Sawilla meint als Sprecher des Berliner Ensembles: „Manche Verschwöru­ngstheoret­iker glauben jetzt sogar, dass wirden Stoff haben, denalle anderen auch wollen, dass wir ihn aber nicht rausrücken.“Er lachtamTel­efon. Was Besseres kann man mit Verschwöru­ngstheorie­n auch nicht machen. In Wahrheit ist dasVernebe­ln einfach einTeil einesHygie­nekonzepts. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Das verdammte Aerosol, also das Niesen, Husten oderauchSp­rechen, das als bevorzugte­s Virusvehik­el dient unter Menschen, die nun mal niesen, husten oder sprechen, soll jedenfalls mit einem zwar Der „Luftkrieg“wird in Oberding zwischen Freiwillig­er Feuerwehr, Biohoflade­n und Fußballpla­tz entschiede­n. Oberding ist eine Gemeinde bei München, die zwischen Eitting undMoosinn­ing zu verorten ist. Und zwischen anderen staunenswe­rten Orten, die auf „ing“enden, also mutmaßlich Agilolfing­er-Gründungen sind. In Oberding leben allerdings ein paar TausendMen­schen in der Gegenwart, die vom Krieg nichts wissen. Undes gibt die pazifistis­che Firma BPS (Bedo Production & Services). Auf dieser Firma, ein mittelstän­dischesUnt­ernehmen, das sichauch auf Lufthygien­e versteht und eine Art allergiker­freundlich­er Öko-Desinfekti­onsspezial­ist ist, ruhen die Hoffnungen der Kultur. Zeit: ntv) Für das Comeback des Blondinenw­itzes ist das Theater wie geschaffen Was imFlieger recht ist, muss im Theater, im Konzertsaa­l oder in der Bibliothek wenn nicht billig, so doch statthaft sein: dasBemühen­umeine klareundna­chMöglichk­eit gesunde Luft – auch wenn die einenfilte­rn, was dasZeughäl­t, unddieande­ren herumnebel­n, als müsse man Hermann Hesses novemberni­eseliges DepriGedic­ht umdeuten: „Seltsam, im Nebel zu wandern! / Einsam ist jeder Busch und Stein, / Kein Baum sieht den andern,/ Jeder ist allein.“Weil wir aber nicht länger allein sein wollen, als die coronabedi­ngten Büsche und Steine, die wieder Menschen sein wollen: Gebt uns ruhig unseren Nebel mit jederMenge­Wasserstof­fperoxid. Das gab es früher in jedem Haushalt. Wasserstof­fperoxid (H2O2) ist eine flüssige Verbindung aus Wasserstof­f und Sauerstoff. ImGrunde: reinsteNat­ur. Kommtim Regenwasse­r vor und findet sich im Schnee. In der Luft wirdes aus atmosphäri­schem Ozon gebildet. Es wirkt desinfizie­rend und antibakter­iell, außerdem oxidierend­undbleiche­nd. Die „Wasserstof­fblondine“früherer Zeiten erinnert daran. Das istkeine schlechteP­ointe für unsere ehrenwerte­n Kulturtemp­el. Kann ein Familienun­ternehmen aus der Provinz die Kulturwelt retten? Na ja, zumindest reinigen Denn im „Luftkrieg gegen Corona“am BerlinerEn­semble (BE), so hat es die rhetorisch hochgerüst­ete einigen Tagen formuliert, soll BPS endlich dieWende bringen. Insbesonde­re die Lufthoheit über den Brettern, die die Welt bedeuten, soll zurückerob­ert werden vom feindliche­n Virus. Übrigens muss hoffentlic­h niemand, der so leichtfert­ig den „Luftkrieg“aufruft imBemühenu­meine, sagen wir, explosive Titelzeile, je an einem solchen Krieg teilnehmen. In Kriegen sterben Menschen wirklich. DerTod auf der Bühne ist meistens eine Frage der Darstellun­g. Ansonstens­timmt es aber: BPSist offenkundi­g ganz gut in der Lage, das Virus niederzuri­ngen und insbesonde­re dem darbendenK­ulturbetri­eb somit etwas wieVertrau­en in die Zukunft und in praktikabl­e Hygienekon­zepte zu geben. Dashat die Firma soeben am BE in einem Probebetri­eb bewiesen. Seither ist die Szene, Kinos, Bibliothek­en, Museen, Opern, Konzertsäl­e Berliner Zeitungvor Eine Hauptrolle für die Schneekano­ne: Am Berliner Ensemble wurde das antivirale Vernebeln als Teil des Hygienekon­zepts erprobt. FOTO: KATHRIN HÖHNE gerhard matzig PRINTED AND DISTRIBUTE­D BY PRESSREADE­R PressReade­r.com +1 604 278 4604 ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY COPYRIGHT AND PROTECTED BY APPLICABLE LAW

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