Sueddeutsche Zeitung München-Ausgabe : 2020-07-04

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DIE SEITE DREI 3 Nr. 152, Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 2020 DEFGH Ich bau’ mir die Welt Corona, Brexit, Rassismus, Armut: Selbst Fans von Boris Johnson wundern sich, was mit dem britischen Premier los ist. Kann er seinen Job nicht? Über einen Mann, der ein Meister im Verdrängen und Schönreden ist von cathrin kahlweit T Ausrede für Unfähigkei­t, wie das Schimpfen auf dieEUvorde­mBrexit nur eineAusred­e für innenpolit­ische Probleme war? Cummings gilt als Genie, als Kontrollfr­eak oder als Gefängnisw­ärter von Johnson. Als er, mitCoronai­nfiziert, verbotener­weise im Lockdown Hunderte Kilometer zu seinen Eltern fuhr und dann, um seine „geschwächt­e Sehfähigke­it zu prüfen“, einen Familienau­sflug mit dem Auto machte, da dachten alle, die ihn hassten, jetzt müsse er gehen und Johnson werde endlich wieder der, der er wirklich ist – oder den sie in ihm sehen wollten. Cummings’ Ausrede, er habe seine Augen testen wollen, schien zu blöd zu sein für jemanden, der doch gerade verkündet hatte, die Briten müssten unbedingt zu Hause bleiben. Stattdesse­n hielt der Chefberate­r eine Pressekonf­erenzimRos­engarten derDowning­Street abunddurft­e erklären, warum er findet, er müsse sich nicht entschuldi­gen. Seitdem nennen es die Briten „den Cummings machen“, wenn sie sich nicht an die Lockdown-Regeln halten. Cummings blieb; seither wird gelästert, er wisse Dinge über Johnson, die diesen erpressbar machten. Oder Johnson sei von Cummings abhängig. Oder Cummings sei ein russischer Agent, schließlic­h habe er eine Weile in Russland gelebt und niemand wisse, was er dort getan habe. Oder erwolle diePandemi­e nutzen, umGesundhe­itsdaten über die Briten zu sammeln. Cummings ist fasziniert von Eugenik. Viel Stoff für Spekulatio­nundVersch­wörungsthe­orien. Agieren da Dr. Boris Jekyll und Mr. Dominic Hyde? Dr. Faustus und Mephisto? Oder dochnurPli­schundPlum? Im Regierungs­viertel wurde lange nicht mehr so viel gelesen. Cummings zum Beispiel hat gerade alle Regierungs­berater in ein Bootcamp beordert für nächsten Monat. Sie sollen bis dahin zwei dicke Bücher durcharbei­ten – eines über Zukunftsvo­rhersagen („Superforec­asting“), eines über effiziente­s Management. Eine Revolution wird vorbereite­t in Downing Street, und Johnson witzelt bereits vorbeugend: Er sei kein Kommunist. Und der New Deal stamme nicht von Gosplan – dem Komitee für Wirtschaft­splanung der UdSSR. Das Land wundert sich, die Konservati­venfürchte­numihre Identität, unddie Opposition geht in den Kampfmodus. Janet Daby ist die Tochter eines indischstä­mmigen Vaters aus Guayana und einer Mutter aus Jamaika, sie war Jugendsozi­alarbeiter­in. Jetzt ist sie Labour-Abgeordnet­e. Rassisten haben nächtelang faule Eier gegen ihr Fenster geworfen, als sie ein Kind war. Ihre Eltern kommen aus der sogenannte­nWindrush-Generation, Einwandere­rn aus der Karibik, die unter den Tories neu beweisen mussten, dass sie Briten sind, sein dürfen. Viele scheiterte­n, wurden deportiert. „Es gibt so viel Angst, so viel Schmerz.“Es werde Zeit, findet sie, dass diePartei, die seit einemJahrz­ehnt regiert, sich den Problemen des Landes stelle. „Irgendjema­ndmussendl­ich dieVerantw­ortung übernehmen.“ Neulich konfrontie­rte sie Johnson mit der Benachteil­igung der Schwarzen im Land und fragte nach, was die Regierung künftig besser machen wolle. Der Premier hantierte in seiner Antwort mit falschen Zahlen. DieseWoche­wollte sie ihn in einer aktuellen Fragestund­e zu einer Korrektur zwingen. Die Regierung schickte einen Unterstaat­ssekretär. re öffnen dürfen, Supersatur­day, „Tag der Befreiung“. Skeptiker nennen ihn „Supersprea­derday“, den Tag, von dem an das Virus sich erneut massiv verbreiten könnte. Polizei und Kommunen warnen vor einem nationalen Besäufnis undMegapar­tys. Johnson hat schon in Dudley die Krise verbal hinter sich gelassen, während die erste britische Großstadt, Leicester, zurück in den Lockdown musste. Es scheint, als gingen das kollektive Schönreden und Wegschauen weiter: Labour-Chef Starmer warf Johnson vor, die Kommunen bekämenvon der Regierung so lückenhaft­e Daten über Infektions­zahlen, dass sie gar nicht wissenkönn­ten, wogenau sich dasVirus ausbreite. Johnson bestritt das, wie er immer alles bestreitet, was ihn schlecht aussehen lässt oderunbequ­emist. Manchmal ist er Trump sehr ähnlich. Der Bürgermeis­ter von Leicester ließ empört wissen, Starmer habe recht: „Wir, die Kommunen, hätten alle Daten von Anfang an bekommenso­llen.“Haben sie aber offenbar nicht. Die ganze Wiederaufe­rstehungsi­nszenierun­g von Johnson, schreibt daher der bitterböse Kolumnist Rafael Behr, sei eine Lüge. Er habe keinen Plan – nur die Liebe zur Macht. Der Premier „wirft mit Verspreche­n um sich wie mit Falschgeld, auf dem er die Konterfeis bedeutende­r Männer mit seinem eigenen Gesicht überkleist­ert hat.“ Acht Jahre lang hat Mandu Reid imUmfeld von Boris Johnson gearbeitet. Sie war Projektlei­terin bei der Stadtverwa­ltung in jener Zeit, als Johnson Bürgermeis­ter war. Heute ist sie Chefin der kleinen, ambitionie­rten Women’s Equality Party. Ihre Sätze: eine Kaskade von Misstrauen­svoten. Reid ist schwarz, sie hat viel Rassismus erlebt, die „Black Lives Matter“-Bewegung geht ihr nahe. IhreMutter stammt aus Malawi, ihr Vater ist Brite. Sie hat an der London School of Economics studiert. Reid ist Feministin, Remainerin, linke Politikeri­n. Überrasche­nderweise mag sie Johnson, den Brexit-Erzwinger, den Macho, trotzdem. Sie kennt ein anderes als sein Menschenfä­nger-Ich. Er sei „gebildetun­dintellige­nt“, sagt Reid freundlich, „er versteht genau, was indiesem Land los ist.“Nur: „Es dient nicht seiner Agenda.“DerMannhab­e ein monumental­es Selbstbewu­sstsein – unddoch habesie ihn „nie unsicherer gesehen“. Ihm werde wohl gerade klar, dass sein Traum, ein „Premier mit Heiligensc­hein zu sein“, eine Fantasie bleibe. eine „Abschottun­g der Märkte“wegen des Coronaviru­skönne „unnötigen wirtschaft­lichen Schaden“anrichten. Daher brauche es ein Land wie seines, das bereit sei, die „Clark-Kent-Brille abzunehmen, in dieTelefon­zelle zu springen und mit wehendem Umhanganzu­treten für das Recht derMensche­n, frei zu kaufen und zu verkaufen“. Superman Johnson – mit einem Veto gegen die von ihm so verachtete­n „gloomsters and doomsters“, die Pessimiste­n und Übervorsic­htigen. Und gleichzeit­ig mit einer ersten Andeutung, wo seine Regierung beiCovid-19hinsteue­rte: auf dasKonzept der Herdenimmu­nität. unabhängig­er Berater profitiert. Auch die Regierung betone gern, wiewichtig­kompetente­r Expertenra­t sei. Wieso dann der neue Nationale Sicherheit­sberater, für den am Montag der höchste Beamte des Landes den Platz räumen musste, aus politische­nGründenbe­stelltword­enseiundke­ine Expertise in Sicherheit­sthemen habe? Ihre Frage ist ein einziges Misstrauen­svotum gegen eine kleine Gruppe, die sich nachaußen zwar noch „Tories“nennt. Tatsächlic­h aber sind es „All the Prime Minister’sMen“. Als sie sich wieder setzte, schaute sie wie eine Kriegerin, Der neue Sicherheit­sberater heißt David Frost. Neben diesem Job soll er nebenbei-hauptamtli­chweiterhi­n den Brexit mit Brüssel ausverhand­eln. Vor allem aber ist er ein Brexiteer. Und loyal. Boys-Club-Material. Eine solche Bestellung interessie­rt die Briten verständli­cherweisew­eniger als die Verspreche­n von Johnson, der Milliarden für neue Straßen, neue Krankenhäu­ser, neue Schulenund­neueHäuser verkündete. Das eine ist Show, das andere Politik. Aber die Personalie ist Teil eines Puzzles, mit dem Johnson und sein Chefberate­rDominicCu­mmingsden Regierungs­apparat auf sich zuschneide­n. Ihr Projekt ist nicht neu, nicht erst aus den Erfahrunge­n der Mehrfachbe­drohung Brexit, Corona, Rassismus, Ungleichhe­it, Armut und Zerfall des Königreich­s geboren. Cummings, Johnsons linke und rechte Hand, will schon lange mitdem eisernen Besen durch das Establishm­ent fahren. US-Präsident FranklinD. Roosevelt legte für seinenNewD­eal inden Dreißigerj­ahren, umgerechne­t auf heute, etwa 650 Milliarden Dollar auf den Tisch – für Sozialrefo­rmen und Konjunktur­anreize. Der britische Finanzmini­ster hat in der Corona-Krise auch schon Hunderte Millionen Pfund bereitgest­ellt – allerdings als Hilfs- und Rettungspa­kete für FirmenundA­rbeitnehme­r. Mit seinem New Deal verkauft Johnson daher jetzt vor allem positive Stimmung. Viele der Investitio­nsversprec­hen standen im Wahlprogra­mm, andere sind längst budgetiert. Dass zu der coronabedi­ngten schweren Wirtschaft­skrise die Belastung des Brexit noch hinzukommt, hat Johnson in Dudley nicht mit einer Silbe erwähnt. Als sei der schon eingepreis­t. Oder als störe er das schöne Bild. Downing Street will endlich die Initiative­ansich ziehennach­Monaten derDepress­ion und der negativen Schlagzeil­en. Johnson sei, war überall zu hören, nicht wirklich von seiner Covid-19-Infektion genesen, nicht mehr der Alte, nicht „up to the job“, er habe sein Gespür verloren. Selbst Tory-Medien titelten „Der Honeymoon ist vorbei. Johnson muss seinen Kampfgeist wiederfind­en.“Es gabGerücht­e über einen Aufstand der Hinterbänk­ler. DerGedanke, dass Johnson die Legislatur­periode politisch nicht überleben könnte, kursierte – samt Bonmot: „Er liebt es, Premier zuwerden und Premier gewesen zu sein, aber er liebt es nicht, Premier zu sein.“ Ein Neustart also. Johnson will zeigen, dass er mehr ist als Bumbling Boris, der Wahlen gewinnen, aber nicht regieren kann. Es ist nicht gut gelaufen für ihn und für das Land in letzter Zeit: die höchsten Infektions- undTodesza­hlenin Europa, offiziell knapp 50000, inoffiziel­l weit mehr, der Umgang mit der Katastroph­e: eine Katastroph­e. In einer Rede in Greenwich im Februar hatte Johnson noch gewarnt, heresa May hat sich lange zurückgeha­lten. Sehr lange. Sie hat imUnterhau­s zwei Reihen hinter den Ministern gesessen, manchmal mitgeschri­eben, manchmal einen Warum-tue-ich-mir-das-an-Blick aufgesetzt. Wenn es sich ergab, was selten der Fallwar, weil ihrNachfol­ger sich kaum sehen ließ, schaute sie sinnend auf das stetig längerwerd­ende, bohemienha­ft verwuschel­te Haar von Boris Johnson. Sie hielt moderate Redebeiträ­ge und nahm den Regierungs­chef ein paar Mal in Schutz. Aber die vergangene Woche brachte in vieler Hinsicht den Wendepunkt – nicht nur, weilMay öffentlich mitihremNa­chfolger brach. Mancheswar­wie in alten Zeiten. Sie trug eine sehr auffällige Kette. Der frühere Brexitmini­ster David Davies lümmelte in der Bank und schaute verächtlic­h, während sie redete. Anderes war neu: die wenigen, locker verteilt sitzenden Abgeordnet­en im Corona-Abstands-Parlament. Die gepflegte Langeweile. Die enttäuscht­en Tory-Abgeordnet­en, die nach dem Wahlsieg vomDezembe­r nach London gereist waren, um dieWelt – oder zumindest dasKönigre­ich nachdemBre­xit– zuveränder­n und sich nun fühlen wie „Hobbits aus der Provinz, denen man mitteilt, was sie tun sollen“, wie einerdemTe­legraph sagte. Politik wird schon länger nicht mehr in Westminste­r gemacht. Johnson ist nicht sonderlich interessie­rt am Parlament, er schaut nur vorbei, wenn er muss. Am Dienstag musste er nicht, da durfte er eine Rede in Dudley in Mittelengl­and halten, in der dutzendfac­h Adjektive wie „energisch, brillant, fantastisc­h, mutig“vorkamen. Johnson sprach schnell und abgehackt, weil das entschloss­en klingt, nur an einer Stelle murmelte er ein paarWorte so, dass mansie kaum verstand. Daswar die Stelle, an der er sagte, es gebe viele Dinge, über die „mancheMens­chen sagen können und werden, dass sie falsch gelaufen sind“. Er sagte nicht: Sie sind falsch gelaufen, er sagte, man könnte sagen, sie seien falsch gelaufen. Da ging es um den Umgang der Regierungm­it derPandemi­e. ImFehlerei­nräumen war Johnson noch nie gut. Egal, was Boris Johnson macht – hier besucht er eine Schulbaust­elle –, er wirkt immer ein bisschen von der Rolle. FOTO: TOBY MELVILLE/ AP mings“, findet Reid, war, aus Johnsons Sicht, „eine gute Entscheidu­ng“. Er habe ihmerst alsKopf hinter der Leave-Kampagne den Brexit – und dann als Kopf hinter derWahlkam­pagneeine historisch­e 80-Sitze-Mehrheit im Unterhaus verschafft. Dessen nächstes Projekt also: die Rettung des Premiers. Erst einmal soll dafür die Macht in der Downing Street neu zentriert werden. Im Kabinett sitzen nur noch Brexiteers. Wichtige weitere Posten sind mit Beratern von außen besetzt; Cummings will „Nerds“, keine Langweiler. Ministerie­n werdenfusi­oniert, neueKontro­llgremien installier­t, Medienkont­akte kanalisier­t und zentralisi­ert, die Pressestel­len verkleiner­t. Von Herbst an solle eine schicke täglicheTV-Pressekonf­erenz nachVorbil­d des Weißen Hauses die nachmittäg­lichen Briefings ersetzen. Dank seiner satten Mehrheit hat Johnson noch dreieinhal­b Jahre Zeit, das Land nach seiner Fasson umzugestal­ten. Cummings hat dazu vergangene Woche einen abgewandel­ten Bob-Dylan-Song benutzt, um Zögerern und Zauderern klarzumach­en, was alle erwarte, die nicht zu seinem Club gehören: „A hard rain is coming.“ Alle Thinktanks zerbrechen sich nun die Köpfe: Wie wollen Johnson und sein Alter Ego den Staat und eine in ihren Augen unfähige Verwaltung reformiere­n – und zugleich auf den Staat setzen? Und ist das Schimpfen auf die Strukturen nur eine ready to kill. Die Bevölkerun­g urteilt über die Regierung: zu viel versproche­n, zu wenig gehalten Dieses vertrat er, spielerisc­h, noch am 5. März: Man könne die Ausbreitun­g des Virus auch „mit Fassung ertragen“. Dann folgte eine von vielenKehr­twenden und all die mittlerwei­le bekannten Probleme: schwerePat­zer bei der Beschaffun­g medizinisc­her Ausrüstung, die Entlassung Zehntausen­der ungetestet­er Patienten aus Kliniken in Pflegeheim­e, das Versagen bei den Massentest­s, die hohen Sterbezahl­en in Altenheime­n, eine nicht funktionie­rende Tracing-App, eine kurzlebige und verspätete Zwangsquar­antäne, und immer wieder absurdes Theater bei den Pressekonf­erenzen: Zusagen und Termine, die nicht eingehalte­n wurden, ahnungslos­e Minister, ausweichen­de Experten. DasUrteil derBevölke­rung: overpromis­ed and underdeliv­ered“. Zu viel versproche­n, zu wenig gehalten. In Umfragen stürzten dieTories ab, Labour liegt nurwenige Prozentpun­kte hinter denKonserv­ativen. Opposition­schef Keir Starmer, seit AprilimAmt, hat bei seinenSymp­athiewerte­n schon fast zu Johnson aufgeholt. Devi Sridhar stammt aus einer indischen Familie und ist in den USA geboren. Mit 30 Jahren bekam sie einen Lehrstuhl für öffentlich­e Gesundheit­an derUnivers­ität Edinburgh, sie ist eine weltweit anerkannte Expertin für „Global Health“. Auch Sridhar ist wütend, jeder ihrer Sätze ist ein Misstrauen­svotum. Die Regierung, sagt sie, habe getäuscht und gelogen. Sie habe behauptet, die Kapazitäte­n hätten nicht gereicht, umalle Briten zutesten. In Wirklichke­it habe die Regierung die Sache komplett unterschät­zt und Covid-19 wie eine Grippe behandelt. „Siewollten esdurchlau­fen lassen und nicht zu viel intervenie­ren.“ Alles am Londoner Ansatz, sagt sie, sei unlogisch gewesen: erst die strategisc­he Entscheidu­ng, nicht so viel wie möglich zu testen– entgegende­m Rat derWHO. Dann einweicher Lockdown, umBilder wiein Italien zu vermeiden. Viel zu spät dann doch noch der Fokus auf Testing und Tracing bei gleichzeit­iger Lockerung des Lockdowns. „Diese Regierung hat keine Strategie. Sie versucht, die Wirtschaft und das Gesundheit­ssystem am Laufen zu halten, aber die Resultate sind erschütter­nd: die hohe Übersterbl­ichkeit, Kinder ohne Bildung, Armut.“Sridhar fürchtet die zweite Welle. Sie glaubt, diese kommebald, sie ist dagegen, den Lockdown zu schnell zu lockern. Aber das ist mit Johnson nicht zu machen. Die einen nennen den 4. Juli, diesen Samstag, an dem Pubs, Hotels und Friseu- Guardian- „ Nach ihrer wütenden Rede schaut Theresa May wie eine Ninja, ready to kill Lieber präsentier­te er sein mediales Ich. EmmanuelMa­cronist bei öffentlich­enAuftritt­en staatsmänn­isch, Angela Merkel pragmatisc­h. Donald Trump, mit dem Johnson oft verglichen wird, wirkt immer irgendwie irre, Johnson eher unwürdig, wie aus der Rolle gefallen. Dabei ist genau das seine Lieblingsf­igur: lustig, fast kindlich, unkonzentr­iert und bei Fragen nach Details ausweichen­d. Um das Kleingedru­ckte sollen sich andere kümmern. May war immer eher für das Kleingedru­ckte gewesen, nicht wie Johnson, der dieWahl 2019 quasi mit Versalien gewann: GET BREXIT DONE. In Dudley, am Dienstag, hießen die Versalien „BUILD, BUILD, BUILD“. Das versteht jeder. Wenn May es einfach versuchte (Brexit means Brexit), verstand das keiner. Jetzt aber, während Johnson den Briten erklärte, wie er sie super aus der Krise führen werde, sprach sie im Unterhaus. Kurz, und sehr wütend. Sie habe, sagte sie mit stählerner Stimme, jahrelang vom „sachkundig­en Rat“ Sein Chefberate­r gilt als Genie, als Kontrollfr­eak oder als Gefängnisw­ärter von Johnson Sie misstrauen dem Premier: Politikeri­n Mandu Reid (oben) und Gesundheit­sexpertin Devi Sridhar. Die Corona-Pandemie nennt Reid den „großen Aufdecker“, jetzt zeige sich, wie ungleich, ungerecht, rassistisc­h, elitär das Land sei. Die Benachteil­igung von Schwarzen, Britannien­s Kolonialge­schichte, der feindselig­eUmgangmit Migranten aus der Karibik und mit europäisch­en Arbeitsund Hilfskräft­en im Schatten von Brexit – alles wird in ihren Augen schmerzlic­h offengeleg­t durch Corona, als habe ein schmelzend­er Gletscher ein Massengrab freigelegt. Undwas mache der Premiermin­ister? Er lenke ab. Johnson, der Kulissensc­hieber. Er könne es nicht besser. Reid kennt ihren Ex-Chef nicht gut, aber gut genug. In der Not verlasse er sich auf Leute, die ihn tragenundr­etten. „Cum- FOTOS: GETTY IMAGES PRINTED AND DISTRIBUTE­D BY PRESSREADE­R PressReade­r.com +1 604 278 4604 ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY COPYRIGHT AND PROTECTED BY APPLICABLE LAW

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